Kitas weiterhin geschlossen

Ausnahmesituation: Mundschutz und Abstand sind in Kitas kaum umzusetzen

Notbetreuung in der Kita Pusteblume in Rosenthal: (von links) Luca, Tom, Erzieherin Nathalie Svoboda-Sewerin, Nils, und Erzieherin Anna Rube spielen Brettspiele. 
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Notbetreuung in der Kita Pusteblume in Rosenthal: (von links) Luca, Tom, Erzieherin Nathalie Svoboda-Sewerin, Nils, und Erzieherin Anna Rube spielen Brettspiele. 

Kitas sind seit Mitte März geschlossen - wir haben uns in Rosenthal und Hatzfeld umgehört. Wie ist die aktuelle Lage? In Battenberg haben Eltern einen Brief an das Land geschrieben.

  • Seit Mitte März sind Kindertagesstätten im Landkreis Waldeck-Frankenberg geschlossen.
  • Lediglich eine Notbetreuung für wenige Kinder gibt es.
  • Wir haben uns in Kitas in Rosenthal und Hatzfeld umgehört.

„Es ist eine harte und schwierige Zeit für Kinder und Eltern“, sagt Ralf Sewerin, Leiter der Kita Pusteblume in Rosenthal, dazu, dass Kindertagesstätten wegen des Coronavirus geschlossen sind. Lediglich für Kinder, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, wird eine Notbetreuung gewährleistet.

In der Kita Pusteblume trifft das laut Sewerin derzeit auf 26 Jungen und Mädchen zu. Sie werden von den Erziehern in kleinen Gruppen mit maximal fünf Kindern betreut. Doch sie sehen sich nur in der Kita und dürfen sich ansonsten wegen des Coronavirus nicht gegenseitig besuchen.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Abstandsregeln sind kaum umsetzbar

Dadurch spüren laut Erzieherin Anna Rube die Jungen und Mädchen, dass die aktuelle Lage besonders ist. „Sie sagen 'Wenn Corona vorbei ist, dann besuche ich dich mal wieder'.“

Dass die Schulen langsam öffnen, wohingegen Kitas für die meisten Kinder geschlossen bleiben, liegt laut Sewerin am unterschiedlichen Arbeitsfeld. „Lehrer nehmen ihre Schüler nicht auf den Schoß“, sagt der Leiter der Kita Pusteblume. Abstandsregeln seien in Kitas bislang weder vorgegeben noch umsetzbar.

„Einen Zweijährigen kann man nicht mit 1,5 Metern Abstand betreuen.“ Er müsse auch mal getröstet und gewickelt werden. Mund-Nasen-Masken trägt in der Kita bisher niemand. „Die Kinder brauchen unsere Mimik“, sagt Sewerin, seit 22 Jahren Kits-Leiter.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Täglich wird desinfiziert

Zwar gelten weder Abstandsregeln noch eine Maskenpflicht in der Kita, dennoch hat sich mit Corona einiges geändert. Verstärkt wird auf Hygiene geachtet. Erzieher und Reinigungskräfte desinfizieren täglich Oberflächen, Stühle und Türklinken, nachdem die Kinder von den Eltern abgeholt wurden.

Die meisten Jungen und Mädchen, die nun zu Hause betreut werden, würden den sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen vermissen. „Das normale Leben fehlt auch ihnen“, sagt der Kita-Leiter, der mit vielen Eltern in Kontakt steht. Sowohl er als auch die Erzieherinnen freuen sich schon auf die Rückkehr weiterer Kinder.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Eltern gehen entspannt mit neuen Betreuungsverhältnissen um

Auch Carola Hribar-Gesell, Leiterin der Kindertagesstätte in Hatzfeld, geht es so. Allerdings seien einige Corona-Regeln in Kitas kaum umzusetzen. Im Falle einer erweiterten Kita-Öffnung müsste entschieden werden: Welche Kinder dürfen noch dazu? Wer hat Vorrang?

Der Förder- und Trägerverein hält die Kita diesbezüglich auf dem Laufenden. Obwohl derzeit in vielen Familien eine Ausnahmesituation herrscht, sind die Eltern laut Hribar-Gesell tiefenentspannt und üben keinen Druck auf die Kita aus.

Kitas Waldeck-Frankenberg: Mit Hygiene soll das Ansteckungsrisiko gesenkt werden

Wer sein Kind zur Notbetreuung nach Hatzfeld bringt, darf die Einrichtung nicht betreten. Das sei nötig, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu senken, denn gerade diese Eltern hätten eventuell Kontakt zu Erkrankten.

„Wir holen die Kinder am Türchen ab“, sagt Hribar-Gesell. Dann geht es erst mal Hände waschen. „Dabei singen wir dann zweimal 'Alle meine Entchen' oder 'Happy Birthday'“, sagt die Kita-Leiterin.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Battenberger Eltern schreiben Brief ans Land

Schon seit dem 16. März sind die Battenberger Kindertagesstätten wegen der Corona-Pandemie geschlossen. „Wie lange noch?“, fragt eine Gruppe besorgter Eltern um Sabrina Schelberg und Kathrin Demuth. Nach Ansicht der beiden jungen Mütter erfahren die Jungen und Mädchen, die im Sommer eingeschult werden, zu wenig Unterstützung.

Hoffen auf eine Kita-Betreuung ihrer Vorschul-Kinder: Kathrin Demuth aus Frohnhausen (links) und Sabrina Schelberg aus Battenberg.

Deshalb haben Schelberg und Demuth einen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier, Sozialminister Kai Klose sowie die heimischen Landtagsabgeordneten geschrieben. Es geht den Eltern nicht darum, ihre Kinder stundenweise in einer Kita „abgeben“ zu können, sondern viel mehr um den für die Kinder wichtigen Entwicklungsschritt beim Übergang vom Kindergarten in die Schule.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Erleichterung des Übergangs in die Schule

Es sei eine wichtige Aufgabe der Kindertagesstätten, die künftigen Schüler zu einer gewissen Selbstständigkeit zu erziehen und ihnen den Übergang in eine neue, ungewohnte Umgebung zu erleichtern, sagt Sabrina Schelberg. Derzeit aber heiße es von politischer Seite nur: „Die Kitas bleiben bis auf Weiteres geschlossen.“

Das sei unbefriedigend. Und es sei zu befürchten, dass dieser Status bis zu den Sommerferien verlängert werde. „Die Kinder hätten sich dann über insgesamt fünf Monate nicht gesehen, es wäre kein Kontakt zu anderen Kindern in ähnlichen Altersgruppen gegeben gewesen – außer zu Geschwisterkindern. Dabei sind insbesondere die gleichaltrigen Mitstreiter von großer entwicklungspsychologischer Bedeutung“, heißt es in dem Brief an die Politiker.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Eltern fordern baldige Öffnung für Schulanfänger

„Wir plädieren für einen Wiedereinstieg der Schulanfänger vor den Sommerferien in irgendeiner Form“, sagt Sabrina Schelberg. Ein erster Schritt könnte es sein, die künftige Schule in einem Video-Rundgang vorzustellen. Schulanfängern könne man sehr wohl erklären, dass Abstandhalten, Händewaschen und Mundschutz-Tragen das Risiko einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus minimierten.

„Die Kinder verstehen schon sehr viel und machen das richtig klasse“, sagen Kathrin Demuth und Sabrina Schelberg über ihre jeweils sechsjährigen Kinder Ida und Max. Keineswegs sollten die Ansteckungsgefahr oder die bisher ergriffenen Schutzmaßnahmen in Frage gestellt werden, betonen die Mütter, die für ihr Anliegen Unterschriften sammeln und auf weitere Unterstützer ihrer Petition hoffen.

Kitas in Waldeck-Frankenberg: Corona beeinflusst wichtige Lebensphase

Ob Verkehrs- oder Brandschutzerziehung, Stärkung durch Gemeinschaft, Wachsen im Sozialverhalten oder das für viele Kinder unvergessliche erste Übernachten außerhalb des Elternhauses: Um diese prägenden Erfahrungen sollten ihre Kinder auch in Corona-Zeiten nicht gebracht werden, finden Schelberg und Demuth.

„Es wäre fatal, wenn auch unsere Kleinsten in einer so wichtigen und auch ohne Corona äußerst besonderen, spannenden und anspruchsvollen Lebensphase in unnötigem Maße Steine in den Weg gelegt bekommen würden“, heißt es in dem Brief an die Politiker.

Kontakt: Interessierte Eltern können sich bei Sabrina Schelberg melden, Tel. 06452/939 3859.

Die Schulen in Hessen sollen schrittweise geöffnet werden. Ein Kasseler Kinder- und Jugendpsychologe fordert eine baldige Öffnung der Kindertageseinrichtungen.

Für getrennte Familien bedeutet die Coronakrise noch mehr Konflikte. Väter klagen, dass ihre Ex-Partner ihnen den Umgang mit ihren Kindern verweigern. Experten haben einen Rat.

Alle Infos und Neuigkeiten rund um Corona in Waldeck-Frankenberg finden Sie in unserem News-Ticker.

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