Langanhaltende Trockenheit

Trockenes Wetter schadet den Wäldern: Forstamt startet Bewässerungsversuch

Nur wenig Wasser kommt bei den Setzlingen direkt an: (von links) Lohnunternehmer Alexander Fleck, Forstamtsleiter Andreas Schmitt und Förster Volker Debes sowie weitere Mitarbeiter des Forstamtes sehen sich das Ergebnis des Bewässerungsversuches an.
+
Nur wenig Wasser kommt bei den Setzlingen direkt an: (von links) Lohnunternehmer Alexander Fleck, Forstamtsleiter Andreas Schmitt und Förster Volker Debes sowie weitere Mitarbeiter des Forstamtes sehen sich das Ergebnis des Bewässerungsversuches an.

Sechs Wochen kein nennenswerter Regen, zehn Tage starker Ostwind. Die Folgen für die Bäume sind dramatisch. Das Forstamt Frankenberg versuchte Jungpflanzen zu gießen.

  • Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet
  • Die Trockenheit setzt den Bäumen zu
  • Die Waldbrandgefahr steigt

Frankenberg/Rodenbach – Seit Wochen hat es kaum geregnet - mit dramatischen Folgen für die Natur: Ob auf Feldern oder im Wald, in der Natur herrscht extreme Trockenheit. „Die Bäume sind am Verdursten“, sagt Andreas Schmitt, Leiter des Forstamtes Frankenberg.

Besonders schlimm ist die Trockenheit für die 200.000 in diesem Jahr im Forstamtsgebiet neu gepflanzten Bäume. „Ein Teil der Jungpflanzen ist schon vertrocknet. Sie werden alle absterben, wenn es nicht bald richtig regnet“, sagt Schmitt. Zusammen mit Kollegen vom Forstamt überlegt er, wie man die jungen Kulturen retten kann.

Trockenheit seit Wochen schadet neu gepflanzten Bäumen: Forstamt startete Bewässerungsversuch

Einen Bewässerungsversuch starteten sie jetzt im Wald bei Rodenbach, dem Revier von Förster Volker Debus. Dort, wo er in einer steilen Hanglage 2000 Douglasien anpflanzen ließ – als Containerpflanzen mit Erde an den Wurzeln. Erde, die den jungen Setzlingen auch eine Weile Feuchtigkeit bietet.

Doch die ist nun aufgebraucht. Lohnunternehmer und Landwirt Alexander Fleck und ein Kollege sind mit zwei Traktoren und Wassertanks, gefüllt am Schönungsteich der Frankenberger Kläranlage, gekommen. Sie spritzen Wasser in die Jungkulturen oberhalb und unterhalb des Weges.

Doch schnell ist klar: Das bringt nicht viel. Zum einen erreichen sie vom Weg aus höchstens die Hälfte der zu bewässernden Bereiche. Mit Fahrzeugen in die Kulturen zu fahren würde Schäden an der Fläche und den Maschinen anrichten. Zum anderen kommt nur schätzungsweise fünf Prozent des Wassers direkt bei den Jungpflanzen an, 95 Prozent beregnet die Umgebung.

Corona verhindert den Einsatz von freiwilligen Helfern, um die Trockenheit zu bekämpfen

Es müssten riesige Mengen Wasser in den Wald gefahren werden, von denen nur wenige zielgerichtet eingesetzt werden könnten. Und woher all das Wasser nehmen? 

Lohnunternehmer Fleck stellt fest, auch der Kauf einer Zusatzausrüstung zur Bewässerung lohnt sicht nicht. Diese Frage zu klären, war ein Grund für den Bewässerungsversuch.

Fazit des Forstamtsleiters Schmitt: „Es war ein Verzweiflungsversuch, der aber gescheitert ist.“ Eine andere Möglichkeit, die Jungpflanzen vorm Vertrocknen zu schützen, scheitert an Corona: der Einsatz von freiwilligen Helfern. 

Der Forst würde den Transport von Wassertanks in den Wald organisieren und die Freiwilligen könnten beim Bewässern der einzelnen Pflanzen eingesetzt werden – ob mit Gießkannen, Schläuchen oder mit Rückenspritzen. Doch solche Großaktionen sind derzeit aufgrund der Abstandsvorschriften nicht möglich.

Auch ausgewachsene Bäume leiden unter der Trockenheit, niedrige Holzfeuchte ist die Folge

Genauso wenig können derzeit Feuerwehrleute einspringen. Sie dürfen nur im Ernstfall ausrücken. Übungen sind ebenso verboten, wie freiwillige Hilfsaktionen. Dass angesichts der ernsten Lage generell viele Ehrenamtliche bei der Rettung der Jungpflanzen mithelfen würden, davon ist der Forstamtsleiter überzeugt.

Unter der Trockenheit leiden nicht nur die Jungpflanzen. Das Forstamt hat die Holzfeuchte in ausgewachsenen Bäumen gemessen. Schmitt: „Derzeit müssten es 110 bis 130 Prozent sein. Bei der Fichte haben wir nur noch 45 Prozent gemessen.“

Trockenheit: Land warnt vor hoher Waldbrandgefahr

Zwischen Allendorf/Hardtberg und Frankenau haben 20 Quadratmeter abgerodete Waldfläche gebrannt. Wald- und Flächenbrände gab es bereits bei Hatzfeld und Affoldern.

Aufgrund der großen Trockenheit besteht weiterhin erhöhte Waldbrandgefahr. Deshalb hat das Hessische Umweltministerium erstmals in diesem Jahr die erste von zwei Alarmstufen, Alarmstufe A, ausgerufen, sagte Umweltministerin Priska Hinz. Auch der Deutsche Feuerwehrverband mahnt zur Vorsicht.

Umweltministerin Priska Hinz.

Für die nächsten Tage besteht nach Prognose des Deutschen Wetterdienstes in weiten Teilen Hessens mittlere bis hohe Waldbrandgefahr. Mit dem Ausrufen der Alarmstufe A werde sichergestellt, dass die besonders gefährdeten Waldbereiche verstärkt überwacht werden. Die Forstverwaltung stelle zudem die technische Einsatzbereitschaft sicher und intensiviere den Kontakt zu den örtlichen Brandschutzdienststellen.

Trockenheit kann Sperrung von Waldwegen und Waldflächen nach sich ziehen

Im Einzelfall sei auch die vorübergehende Sperrung von Waldwegen und Waldflächen nicht ausgeschlossen. „Unser Wald ist durch den Klimawandel geschwächt: Die Trockenheit der letzten Jahre, Stürme und der Borkenkäfer haben ihm stark zugesetzt. Reisig und Laub sowie abgestorbene Bäume des Vorjahres sind ausgetrocknet und stellen somit leicht entzündbares Material dar“, sagt die Umweltministerin. 

Seit Jahresbeginn habe es in Hessen bereits über 20 Waldbrände mit einer Schadfläche von rund zwei Hektar gegeben.

Wegen Trockenheit sollten Waldbesucher vorsichtig und aufmerksam sein

Die Ministerin bittet deshalb alle Waldbesucher um erhöhte Vorsicht und Aufmerksamkeit. Das Ministerium macht auf folgende Regelungen aufmerksam: Im Wald ist das Rauchen grundsätzlich nicht gestattet.

Das Grillen an öffentlichen Plätzen ist momentan aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht zulässig. Waldbrandgefahr geht ebenfalls von liegen gelassenen Flaschen und Glasscherben, aber insbesondere auch entlang von Straßen durch achtlos aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippen aus.

Alle Waldbesucher werden zudem gebeten, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren. Autos dürfen nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Und die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen. Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr (Notruf 112) zu informieren.

In Lichtenfels in Waldeck-Frankenberg (Nordhessen) gab es einen Großdbrand: Eine Scheune stand vollkommen in Flammen.

Waldbrand: Gefahr ist riesig - Trockenheit und Wind sorgen für steigendes Risiko

Die Waldbrandgefahr in Northeim ist riesig: Grund für das steigende Risiko sind Trockenheit und Wind. Es gilt die zweithöchste Warnstufe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.