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Waldecker Bank und Frankenberger Bank wollen fusionieren

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Von: Jörg Paulus

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Sie sind sich einig: Die Vorstände Carsten Hohmann (links, Waldecker Bank) und Mario Seitz (Frankenberger Bank) haben in einem Pressegespräch über die geplante Fusion der beiden Banken informiert.
Sie sind sich einig: Die Vorstände Carsten Hohmann (links, Waldecker Bank) und Mario Seitz (Frankenberger Bank) haben in einem Pressegespräch über die geplante Fusion der beiden Banken informiert. © Jörg Paulus

Die Waldecker Bank und die Frankenberger Bank wollen fusionieren. Durch den Zusammenschluss, der zum 1. Januar 2023 geplant ist, soll eine neue Genossenschaftsbank mit dem Namen Waldeck-Frankenberger Bank entstehen, die fast den gesamten Landkreis abdeckt.

Waldeck-Frankenberg – Die Vorstände und die Aufsichtsräte der beiden Genossenschaftsbanken seien sich bereits über die gemeinsamen Pläne einig geworden, die Vertreterversammlungen müssen noch zustimmen, berichteten die Vorstandsmitglieder Mario Seitz (Frankenberger Bank) und Carsten Hohmann (Waldecker Bank) in einem Pressegespräch. Die zusammen rund 300 Mitarbeiter seien vergangene Woche gleichzeitig informiert worden.

In einem Brief der Frankenberger Bank an ihrer Vertreter heißt es unter anderem, durch die Fusion „könnten die Herausforderungen der Zukunft besser bewältigt und gleichzeitig das Geschäftsmodell unserer Bank weiterentwickelt werden“. Auch die Waldecker Bank sehe in der Fusion „die Chance, eine Landkreis-Bank zu bauen, die den Herausforderungen viel besser Stand hält als jede Bank einzeln“, sagte Carsten Hohmann.

Zu den Herausforderungen gehöre zum Beispiel, geeignetes Personal zu finden, erläuterte Seitz. Außerdem würden die Aufgaben von Banken und die regulatorischen Rahmenbedingungen immer komplexer. „Beide Häuser müssen nicht fusionieren“, betont Mario Seitz. Der Zeitpunkt sei jetzt aber perfekt, weil sich beide Häuser derzeit parallel neu aufstellen. „Dieser Wandel soll mit vereinten Kräften deutlich effizienter gestaltet werden“, sagt Seitz.

Von der Fusion sollen letztlich die Kunden genauso profitieren wie die Mitarbeiter, betonen die Vorstände und versprechen: kein Personalabbau, kein Rückzug aus der Region und kein Rückzug aus der Kundenbetreuung. Die zusammen 17 Filialen von Rhoden im Norden bis Hatzfeld im Süden sollen erhalten bleiben. Bei der Fusion wird die Waldecker Bank als die größere der beiden Partner die Frankenberger Bank aufnehmen. Hauptsitz der neuen Bank wird Korbach sein, Frankenberg bleibt aber zweiter Verwaltungssitz.

Anfrage zur Fusion kam überraschend

Vergleicht man die geplante Fusion der Waldecker Bank und der Frankenberger Bank mit einer Hochzeit, dann hat die Frankenberger Bank den Antrag gemacht. Carsten Hohmann, Vorstandsmitglied der Waldecker Bank, gibt zu, dass dieser Antrag etwas überraschend gekommen sei, man habe in Korbach aber trotzdem nicht lange überlegen müssen, ja zu sagen.

Überraschend deshalb, weil die Vertreterversammlung der Waldecker Bank erst im Mai beschlossen hatte, dass die Waldecker Bank mit der Raiffeisenbank Volkmarsen fusioniert. Und bei der Vertreterversammlung der Frankenberger Bank Ende Juni war von den neuen Fusionsplänen noch keine Rede gewesen. Hohmann versichert, dass der Antrag der Frankenberger an die Waldecker Bank auch erst danach gekommen sei. „Dass es nun so schnell gegangen ist, ist der guten Vorarbeit der Frankenberger Kollegen zu verdanken“, sagt Hohmann.

Mario Seitz berichtet, warum sich die Frankenberger Bank überhaupt auf die Suche nach einem Partner gemacht hat: „Wir haben uns gefragt: Wie kann eine Bank zukünftig aussehen? Wofür braucht man uns in fünf bis zehn Jahren noch? Wie verdienen wir in Zukunft unser Geld? Diese Fragen müssen auch andere Banken beantworten. Bei der Waldecker Bank sind wir damit auf ein offenes Ohr gestoßen.“

„Uns wurde in den ersten intensiven Gesprächen sehr schnell klar, dass sich hier eine einmalige Chance bietet, die Zukunftsfähigkeit beider Häuser durch Bündelung der Kräfte deutlich zu stärken“, sagt Carsten Hohmann. „Neben den herausfordernden politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen haben beide Häuser zunehmend mit personellen Engpässen zu kämpfen.“

Diesen Zukunftsaufgaben und -fragen wollen sich die beiden Partner nach der Fusion Anfang 2023 gemeinsam stellen und alles positiv hinterfragen. „Wir bauen eine neue Bank“, geben Hohmann und Seitz als Motto aus. Und das soll auf Augenhöhe passieren, auch wenn die Waldecker Bank als aufnehmende Bank bei Bilanzsumme und Mitarbeitern etwa drei Mal so groß ist wie die Frankenberger Bank.

Mehrwerte und neue Angebote für die Kunden geplant

Den Kunden soll der Zusammenschluss einige Mehrwerte und neue Angebote bringen. Zum Beispiel soll der Vertrieb spezialisiert und die Beratung für landwirtschaftliche Kunden ausgebaut werden, für Gewerbekunden soll ein Business-Center eingerichtet werden. Auch im Bereich Immobilien seien neue Angebote denkbar. „Was bleibt, sind unsere Filialen, die Ansprechpartner und die Nähe“, sagt Mario Seitz.

Für die Kunden der Frankenberger Bank wird sich die IBAN ihres Kontos ändern, weil die Bankleitzahl (BIC) der neuen Waldeck-Frankenberger Bank die der Waldecker Bank sein wird. „Um solche Details kümmern wir uns zu gegebener Zeit“, sagt Seitz.

„Das ist eine Fusion aus Weitsicht. Wir hätten das beide nicht gemusst.“

Mario Seitz, Vorstand Frankenberger Bank

Die zusammen fast 300 Mitarbeiter wurden bereits vor dem Pressegespräch über die Fusionspläne informiert. Sie sollen transparent einbezogen werden, um den Weg aktiv mitzugestalten, sagt Hohmann. Die Rückmeldungen aus der Belegschaft seien bisher sehr positiv gewesen, berichten die Vorstände. Die Fusion werde aber auch „von uns allen ein hohes Maß an Arbeit und Veränderungsbereitschaft erfordern“, sagt Hohmann.

Vorstandsfrage schon besprochen

In den bisherigen Gesprächen zwischen den Verantwortlichen der Waldecker Bank und der Frankenberger Bank wurde auch schon über die Besetzung des Vorstandes der neuen Waldeck-Frankenberger Bank gesprochen. Demnach sollen Carsten Hohmann (Waldeck) und Mario Seitz (Frankenberg) gleichberechtigte Vorstandsvorsitzende werden. Mitglieder des Vorstandes werden Udo Martin und Dennis Patzwaldt (beide Waldeck) und Stephan Wilke (Frankenberg). Wenn Udo Martin dann zeitnah in Ruhestand geht, wird der Vorstand noch vier Mitglieder haben.

Dass zwei Genossenschaftsbanken miteinander sprechen, sei in Deutschland übrigens keine Besonderheit mehr, erklärt Mario Seitz. „Man spricht landauf, landab miteinander. Die Waldeck-Frankenberger Bank ist aber keine Zwangsehe, sondern eine Vernunftehe“, betont er. „Das ist eine Fusion aus Weitsicht. Wir hätten das beide nicht gemusst.“ (Jörg Paulus)

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