Treffen mit Ortsvorsteher

Wanderer aus Darmstadt besucht bei Frankenberg die Heimat seiner Vorfahren

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Im Dorf seiner Urahnen: Werner Bach (links) bekommt von Röddenaus Ortsvorsteher Jens Bornscheuer ein Buch zur Heimatgeschichte Röddenaus überreicht. 

Bis auf das Jahr 1615 kann Werner Bach seine Familiengeschichte zurückverfolgen. Sie begann in einem kleinen Ort bei Frankenberg. Für den Abstecher unterbricht er seine große Wandertour durch ganz Deutschland. 

In Röddenau erreicht Werner Bach, wie er selbst sagt, einen persönlichen „Extrempunkt“ seiner Wanderung. Bach, 70 Jahre alt, sportlich, braun gebrannt, besucht dort die Heimat seiner Vorfahren.

Laut einem Stammbaum, der als Familienerbstück in seinen Besitz kam, wurde 1615 ein Jeremias Bach in Röddenau geboren, der erste nachweisbare Vorfahre von Werner Bach. Dessen Sohn Engelbert wurde 1648 geboren. Dieser wiederum hatte elf Kinder. Danach verteilt sich die Familie im ganzen Land.

Für den Besuch in Röddenau hat der passionierte Wanderer Werner Bach einen Umweg von 18 Kilometern in Kauf genommen. Er befindet sich gerade auf einer Wanderung quer und längs durch Deutschland. Angefangen hat sie am westlichsten Punkt des Landes, in der Gemeinde Selfkant. 

Von dort führt ihn sein Weg bis nach Görlitz, der östlichsten Stadt. Im zweiten Abschnitt läuft er von den Alpen bis nach Sylt.

Wanderer läuft Stationen seiner Biografie ab

Für die ganze Wanderung sind etwa fünf Monate eingeplant. Der Vater zweier Kinder, der in Darmstadt wohnt, ist ein Wanderprofi. Seine Leidenschaft fürs Wandern wurde durch den Jakobsweg erweckt, sagt er. Danach wanderte er in Japan und 2013 rund um Deutschland.

Bereits bei dieser Tour begann er, Orte seiner Biografie „abzulaufen“. „Ich traf Menschen, die ich seit 40 Jahren nicht mehr gesehen habe“, berichtet Bach, der in seinem Leben oft umgezogen ist.

Bereits 2013 sei die Idee gereift, Röddenau zu besuchen. Allerdings habe dies nicht auf der Route gelegen, erklärt der Rentner.

Etwa 25 Kilometer legt er pro Tag zurück. „Ich muss meine täglichen Routen von den Übernachtungsmöglichkeiten abhängig machen“, sagt er.

Dazu plane er die Strecke auf seinem Laptop immer für ein paar Tage im Voraus. Sind alle Unterkünfte an der Strecke ausgebucht, müsse er den Abschnitt dementsprechend umplanen.

In seinem Rucksack führt Werner Bach – neben Wechselklamotten, Wasser und einer Jacke – eine Menge Technik mit. Die Ersatz-Akkus für den Laptop, die Kamera und das GPS-Gerät sind dort verstaut. Dazu noch Ladegeräte und ein Mehrfachstecker.

Wandern ist für den ehemaligen Software-Entwickler eine Reise zu sich selbst. „Ich fühle mich oft wie ein einsamer Wolf, wenn ich unterwegs bin.“ In Deutschland würde er außerhalb der bekannten Wandergebiete, wie der sächsischen Schweiz, kaum andere Wanderer treffen.

Auf den Spuren der Ahnen in Röddenau

In Röddenau traf sich Werner Bach mit Ortsvorsteher Jens Bornscheuer, der ihn durch den Ort führte. Besonderes Interesse hatte Bach an der Kirche und dem alten Bahnhof. 

„Ich habe eine alte Postkarte aus Röddenau aus dem Jahr 1928“, erzählt der Wanderer. Diese sei auch ein Familienerbstück. Dort sind die beiden Gebäude abgebildet. Bachs Urgroßvater Wilhelm Bach hat den Stammbaum 1917 in Darmstadt angelegt. „Soweit mir bekannt, hat er sich auf ältere Werke berufen“, sagt er.

Ortsvorsteher Bornscheuer hat zu dem Treffen einige Bücher über Röddenau mitgebracht. Hier konnte Bach neue Erkenntnisse zu seiner Familienhistorie gewinnen. Sein Weg führt ihn in den kommenden Tagen nach Bad Wildungen, Fritzlar und Melsungen. Von dort geht es weiter Richtung Eisenach und Erfurt nach Osten.

Extrempunkte in Deutschland

Auf seiner Wanderung durch Deutschland besucht Werner Bach sogenannte Extrempunkte. 

Das sind zum Beispiel der westlichste, nördlichste, östlichste und südlichste Ort Deutschlands. Auch die geografischen Mittelpunkte Deutschlands will er erwandern. Davon gibt es allerdings acht, sie fallen je nach Berechnung anders aus. 

Der ehemalige Mittelpunkt nach der EU-Osterweiterung in Gelnhausen-Meerholz im Main-Kinzig-Kreis und der jetzige Mittelpunkt der EU im unterfränkischen Westerngrund will er auch besuchen. „Ich will auch den Mittelpunkt der EU nach dem Brexit besuchen, dieser liegt in Gadheim bei Würzburg.“ 

Weitere Extrempunkte sind auf seiner Internetseite aufgeführt.

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