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Wasserschäden: Experten untersuchen Dachstuhl der Liebfrauenkirche in Frankenberg

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Von: Jörg Paulus

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Bestandsanalyse in der Liebfrauenkirche in Frankenberg: Felice Körner und ihr Chef Prof. Ulrich Grimminger machen eine Bohrwiderstandsmessung an einem Holzbalken des Dachstuhls.
Bestandsanalyse in der Liebfrauenkirche in Frankenberg: Felice Körner und ihr Chef Prof. Ulrich Grimminger machen eine Bohrwiderstandsmessung an einem Holzbalken des Dachstuhls. © Paulus, Jörg

Wie umfangreich wird die Dachsanierung in der Frankenberger Liebfrauenkirche? Diese Frage sollen Experten in den kommenden Monaten klären. Denn neben einer allgemeinen Sanierung geht es auch um akute Schäden.

Frankenberg - Das Problem war bereits im Oktober bei einem Informationsabend öffentlich vorgestellt worden. Durch den Eintritt von Wasser sind in den vergangenen Jahren einige Schäden am hölzernen Dachstuhl der Liebfrauenkirche und am Mauerwerk entstanden. Ob diese aktuell saniert werden müssen oder bis zur Gesamtsanierung des Dachstuhls warten können, das wird ein Ergebnis der Gutachter sein. Ein erster Termin für diese „planungsvorbereitende Bauzustandsanalyse“ hat jetzt in der Liebfrauenkirche stattgefunden.

An dem Treffen im Dachstuhl nahmen Pfarrer Christoph Holland-Letz und Vertreter von Kirchenvorstand und Kirchengemeinde, Architektin Christine Dilling von der Landeskirche sowie mehrere Sachverständige teil.

„Durch die vielfältigen Verschneidungen der Dachgeometrie des Kirchendaches mit dem Kirchenturm sowie den Giebeln kam es in Verbindung mit seinerzeit nicht fachgerecht ausgeführten Reparaturmaßnahmen der Dachkonstruktion temporär zum Wassereintritt infolge Dachundichtigkeit, insbesondere an den Kehlen und Dachverschneidungen“, fasst Professor Ulrich Grimminger das Problem in seinem Vorbericht zusammen. „Die Schäden wurden in der Vergangenheit durch unsachgemäße Reparatur- und Flickmaßnahmen behoben.“ Zudem gebe es heute auch Holzschäden durch Weißfäule.

Im Dachstuhl der Liebfrauenkirche: Bei einem ersten Treffen für die Bestandsanalyse der Dachsanierung kamen Vertreter der Kirchengemeinde, der Landeskirche sowie mehrere Sachverständige zusammen. In der blauen Jacke Pfarrer Holand-Letz, mit der grünen Mütze Professor Ulrich Grimminger.
Im Dachstuhl der Liebfrauenkirche: Bei einem ersten Treffen für die Bestandsanalyse der Dachsanierung kamen Vertreter der Kirchengemeinde, der Landeskirche sowie mehrere Sachverständige zusammen. In der blauen Jacke Pfarrer Holand-Letz, mit der grünen Mütze Professor Ulrich Grimminger. © Paulus, Jörg

Professor Grimminger ist Geschäftsführer der auf Denkmalsanierungen spezialisierten Konbau GmbH in Butzbach. Er wurde als Generalunternehmer von der Kirchengemeinde Frankenberg beauftragt und hat weitere Experten mit ins Boot geholt.

Bei den ersten Untersuchungen haben sie sich Schadstellen angesehen und den Zustand von Teilen der Dachkonstruktion erfasst. Felice Körner, Mitarbeiterin von Professor Grimminger, hat zum Beispiel eine Bohrwiderstandsmessung gemacht: Dafür wurde mit einem Messgerät eine dünne Nadel in das Holz gebohrt, um die Dichte und den Zustand des Holzes zu erfassen. Das Ingenieurbüro Behrends & Koop aus Marburg hat Balken auf Holzschutzmittel untersucht.

Die Voruntersuchungen sollen auch klären, ob man das Eindringen von Wasser grundsätzlich verhindern kann und ob undichte Bereiche temporär verschlossen werden können, zum Beispiel mit Folie. Dafür hat sich der Sachverständige Christopher Schulte aus Schmallenberg den Zustand des Schieferdaches angesehen.

Die Bestandsanalyse kostet rund 30 000 Euro. Das wird vor allem mit dem freiwilligen Kirchgeld bezahlt, das die Kirchengemeinde 2019 und 2020 für die Dachsanierung erbeten hatte – damals waren rund 28 600 Euro zusammengekommen, berichtet Pfarrer Holland-Letz. Zudem gibt es jährliche Zuweisungen der Landeskirche für Gebäudeunterhaltungen.

Der Dachstuhl über dem Kirchenschiff der Liebfrauenkirche.
Der Dachstuhl über dem Kirchenschiff der Liebfrauenkirche. © Paulus, Jörg

Die Bestandsanalyse soll bis kommenden Oktober abgeschlossen sein. Danach werden die Ergebnisse bewertet, die Kosten ermittelt und die Finanzierung abgestimmt. „Dann fällt die Entscheidung über das Sanierungskonzept“, beschreibt Pfarrer Holland-Letz den zeitlichen Fahrplan.

Bis die Arbeiten der Gesamtsanierung tatsächlich beginnen, können bis zu zehn Jahre vergehen, weiß Professor Grimminger aus seiner Erfahrung. Deshalb müsse man in manchen Bereichen des Daches möglicherweise sofort etwas machen. „Die Schäden schreiten voran.“

Grimminger betonte bei dem Treffen auch, dass die Arbeit an der Liebfrauenkirche keine gewöhnliche Aufgabe sei: „Allen Planern ist bewusst, dass dies ein herausragendes Bauwerk ist, in dem sich eine lange Baugeschichte widerspiegelt. Es ist eine Ehre, daran arbeiten zu dürfen.“

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