Abitur-Prüfungen ab 19. März

Wegen Corona: Edertalschüler haben „eigentlich keinen Kopf fürs Abi“

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Im Interview bei der HNA: (von links) Victoria Wittig, Lisa-Marie Paar und Jennifer Dönges haben für das Gespräch einige ihrer Lernunterlagen mitgebracht. 

In Hessen beginnen am 19. März die Abiturprüfungen mit der Klausur in Englisch. Nicht leicht in Corona-Zeiten.

An der Edertalschule in Frankenberg wollen 137 junge Frauen und Männer ihren Schulabschluss klarmachen. Die Corona-Krise sorgt aber für besondere Bedingungen und ist eine zusätzliche Belastung, wie uns die Edertalschülerinnen Victoria Wittig (19, Frankenberg), Lisa-Marie Paar (18, Frankenberg) und Jennifer Dönges (18, Bottendorf) im Interview berichten.

Wie ist die Stimmung unter den Abiturienten?

Victoria Wittig:Einerseits haben wir jetzt mehr Zeit zum Lernen, weil die Schule zu ist. Glücklich sind wir mit der Situation aber nicht. Lisa-Marie Paar:Manche machen in Whatsapp-Gruppen Panik, es kursieren Fakenews, dass das Abi verschoben würde.

Wäre es euch lieber gewesen, die Abiprüfungen wären verlegt worden?

Victoria:Man will es hinter sich haben. Ich glaube, alle freuen sich, wenn’s rum ist. Jennifer Dönges: Man hat wegen Corona aber eigentlich keinen Kopf fürs Abi – auch wegen der Hysterie, die zum Teil unbegründet ist. Das ist schlimmer als Corona selbst.

Wie groß ist die Belastung durch Corona, die zu dem normalen Prüfungsdruck hinzugekommen ist?

Lisa-Marie: Das ist ein zusätzlicher Faktor, weil alles so unklar ist. Ich habe keine Angst, zu erkranken. Es wäre aber blöd, wenn man in Quarantäne muss.

Was würde dann passieren?

Victoria: Zur Prüfung soll man auf jeden Fall nicht mit Erkältung kommen. Es soll wegen der besonderen Lage einen zweiten Nachschreibtermin geben.

Welche Einschränkungen gibt es konkret für euch Abiturienten?

Lisa-Marie:Wir sind seit Montag nicht mehr in der Schule und dürfen uns dem Schulgelände nicht nähern. Und es wurde empfohlen, zu Hause zu bleiben, soziale Kontakte zu vermeiden und auch nicht feiern zu gehen. Victoria: Wir durften auch unsere Tutoren nicht treffen, um Fragen zu besprechen. Jennifer: Einige Lehrer kommunizieren mit uns per E-Mail.

Durftet ihr euch in Lerngruppen treffen?

Jennifer:Das wurde nicht verboten, aber es wurde empfohlen, sich nicht in großen Gruppen zu treffen. Ich hatte eine Lerngruppe an der Schule, die ist jetzt weggefallen. Lisa-Marie: Eigentlich lernt man sowieso meistens allein. Jennifer:Da wir im Moment nicht in die Schule müssen, kann man den Tag besser strukturieren, um sich auf die Prüfungen vorzubereiten.

Wie laufen die Prüfungen ab? Was wird anders als sonst?

Lisa-Marie:Wir werden in getrennten Räumen statt in der Kulturhalle schreiben, weil wegen Corona ja Abstände eingehalten werden sollen. Victoria: Und wir müssen früher kommen, um zum Beispiel Formelsammlungen und Atlanten, die wir benutzen dürfen, vorher von den Lehrern kontrollieren zu lassen. Dafür hatten wir ja diese Woche keine Gelegenheit.

Glaubt ihr, dass die Klausuren wegen der besonderen Umstände leichter werden könnten?

Lisa-Marie: Da besteht leider keine Hoffnung. Die Prüfungen stehen schon seit Monaten fest. Jennifer: Wir hätten in Sport noch praktische Prüfungen, die werden wohl ausfallen. In manchen Fächern stehen auch noch normale Klausuren an. Lisa-Marie: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ausfallen, die sind ja für die Note relevant. Da müssen sich die Lehrer was einfallen lassen. Victoria:Wir haben auch noch eine Gruppenpräsentation, die sollen wir vorbereiten. Jennifer: Wir wissen aber nicht, ob die Schule nach den Ferien überhaupt weitergeht.

Was würde eine Verschiebung der Prüfungen für euch bedeuten? Habt ihr schon Studienplätze oder eine Ausbildung klargemacht?

Lisa-Marie: Victoria und ich wollten nach dem Abi eigentlich mit einem Interrail-Ticket einen Monat lang durch Europa reisen. Das haben wir jetzt doch nicht gebucht, weil die Grenzen geschlossen sind und man nicht weiß, wie sich alles entwickelt. Jennifer:Ich wollte ein Auslandsjahr in Südamerika machen und vorher einen Sprachkurs in Barcelona. Das ist jetzt alles kritisch. Ich weiß  nicht,  ob  ich mich jetzt doch auf einen Studienplatz bewerben soll. Die Lage ist für mich sehr beunruhigend.

Macht ihr euch schon Sorgen, dass Zeugnisübergabe und Abiball ausfallen?

Victoria:Auf den Abiball haben wir schon hingefiebert. Das wäre schon traurig, wenn der ausfallen würde. Jennifer: Ich habe mir schon ein Kleid gekauft. Die letzten Wochen vor der Schulentlassung gehören doch zum Feeling dazu. Lisa-Marie: Es wäre schade, wenn man sich nicht so richtig von seinem Jahrgang verabschieden kann und wir das Abitur nicht richtig feiern könnten.

Die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen finden vom 19. März bis 2. April statt, die Nachprüfungen nach den Ferien vom 23. April bis 7. Mai. Los geht es morgen mit der schriftlichen Klausur in Englisch. Wegen des Zentralabiturs sind die Aufgaben hessenweit einheitlich.

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