Weihnachten 1914 sammelten Bürger „Liebesgaben“

Gold an die Front: Lehrer Heinrich Hofmann veranlasste in Ederbringhausen und Orke die Bürger, 1660 Goldmark in Papiergeld einzutauschen.

Frankenberg. Nicht erst am Heiligabend 1914 läuteten die Glocken über der Stadt Frankenberg und in den umliegenden Dörfern, sondern schon an den Tagen zuvor.

Die Kirche mit ihrem religiös durchtränkten Nationalismus stellte ihr Geläut willfährig in den Dienst der politischen Propaganda und unterstrich jede Siegesmeldung aus Wolffs Telegraphischem Bureau mit Sonderläuten, so auch vom „entscheidenden Kampfe in Polen“ und dem „Sieg unserer Verbündeten in Westgalizien“ in den Vorweihnachtstagen.

An der „Heimatfront“ bezog man in die Festvorbereitungen vor allem die Gaben und Geschenke mit ein, die den Männern an den erstarrten Frontlinien und in den Schützengräben per Feldpost geschickt werden sollten. Besonders dringend erwünscht, so Landrat Stapenhorst vom Roten Kreuz, waren „Handtücher als Liebesgaben für die im Felde stehenden Truppen“. In der Stadt wurden sechs Abgabestellen eingerichtet, in denen Bürger bis Ende November Gaben für 400 Weihnachtspakete und 1612 Mark an Bargeld gesammelt hatten.

Die Frankenberger Geschäftsleute hatten sich mit ihrem noch gut gefüllten Sortiment ganz auf diese Zielgruppe eingestellt: Die Buchhandlung Franz Kahm bot patriotische Literatur und Kriegsromane an, aber auch „Kriegskarten von den verschiedenen Schauplätzen in handlichem Format“. Das Zigarrengeschäft August Krämer hielt spezielle Feldpostbriefe mit Rauchwaren und Rum-Grog in Pulverform für zehn Gläser heißen Grog bereit.

Im Frankenberger Land gab es verstärkt Nachfrage nach der Modefarbe „Feldgrau“: „Das schönste Weihnachtsgeschenk für Knaben sind der Zeit entsprechend feldgraue Soldatenanzüge und graue Mäntel“, annoncierte Schneidermeister Heinrich Gilbert in der Neustädter Straße. Auch in der Maschinenstrickerei G. Schmidt war pünktlich zum Fest „Feldgrau wieder eingetroffen“. Trotz Krieg schien die Kauflust an diesem ersten Kriegsweihnachtsfest noch so groß, dass die Geschäfte in Frankenberg wie früher auch an den Sonntagen vor Weihnachten öffneten, sogar „bis 8 Uhr abends“.

Schon kurz vor der Mobilmachung waren der Reichsbank die Goldreserven dahingeschmolzen, deshalb durfte kein Gold mehr gegen Papiergeld ausgezahlt werden. Umgekehrt appellierte ab September Landrat Stapenhorst an alle Kreisbewohner, ihr Gold gegen Geld einzutauschen. „Kein einziges Goldstück bleibe in der Schublade!“ Unter dem Motto „Gold an die Front“ sammelten vor allem die Lehrer die Goldwährung ein und tauschten sie den Leuten in Papierscheine um: Lehrer Friedrich Gläßner in Louisendorf trug beispielsweise 1120 Mark in Gold zusammen, Lehrer Conrad Liese in Schreufa 2620 Mark und Lehrer Heinrich Hofmann in Ederbringhausen, Oberorke und Niederorke 1660 Mark.

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