Die Premiere kam gut

Landfrauen aus dem Frankenberger Land gestalteten Online-Weihnachtsfeier

Geigenvortrag am Computerbildschirm: Die Viermündenerin Maria Spalding trägt von ihrem Wohnzimmer aus adventliche Lieder vor. Oben am Bildschirmrand sind einige der über 80 Teilnehmerinnern der Online-Weihnachtsfeier zu sehen.  ScreenshotS: Biedenbach
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Geigenvortrag am Computerbildschirm: Die Viermündenerin Maria Spalding trägt von ihrem Wohnzimmer aus adventliche Lieder vor. Oben am Bildschirmrand des Screenshots sind einige der über 80 Teilnehmerinnen der Online-Weihnachtsfeier zu sehen.

Die Corona-Pandemie macht erfinderisch: Statt ihre Weihnachtsfeier ausfallen zu lassen, haben Landfrauen aus dem Frankenberger Land eine Online-Feier gestaltet. Sie kam gut an.

Frankenberg – „Hallo Karin!“ „Hallo Ulrike!“ „Schön, dass Du dabei bist!“. Die Landfrauen plappern munter durcheinander vor Beginn ihrer Weihnachtsfeier. Mehr als 80 Frauen haben sich versammelt, ganz ohne Mund-Naschen-Bedeckung. Sie nehmen an der ersten Online-Weihnachtsfeier des Bezirksvereins Frankenberg teil.

Das Plappern ist vorbei, als Gunhild Scholl während der Begrüßung mit einem Klick bei allen die Mikrofone ausschaltet. „Wir hätten uns gerne zu Adventsfeiern in unseren Ortsvereinen getroffen. Das ist wegen Corona leider nicht möglich. Aber wir lassen die Weihnachtsfeier nicht ausfallen“, sagt die Bezirksvorsitzende. Sie bedient ebenso souverän die Technik des Zoom-Programms wie sie durch das von ihr gestaltete Abendprogramm führt.

„Wir müssen keine Tische und Stühle rücken, wir müssen uns keine Gedanken über Tischdeko machen und darüber, was es zu essen gibt“, zählt Gunhild Scholl die Vorteile der Online-Feier auf – einer Premiere für die Landfrauen.

Schätzungsweise 90 Teilnehmer sind dabei, vor manchen Bildschirmen sitzen mehrere Familienangehörige – mit Plätzchen, Glühwein und Kerze. Im Hintergrund sind weihnachtlich geschmückte Wohnzimmer, Küchenzeilen oder Kisten mit Bastel- und Nähzeug zu sehen. Die meisten Frauen haben die Videokamera an ihren Laptops eingeschaltet. So kann man sie in der Galerie des Zoom-Programms sehen. Manchmal klickt eine aus Versehen auf das Mikrofon und gerät kurz in den Mittelpunkt des Bildschirms.

Wie bei einer ganz normalen Adventsfeier geht es los mit Musik. Landfrau Maria Spalding aus Viermünden spielt auf ihrer Geige. Der Ton ist über den Computer etwas schrill, doch die Liederauswahl lässt Weihnachtsstimmung aufkommen, ebenso wie beim Gesangsvortrag von Silvia und Vanessa Hackstein, Mutter und Tochter aus Viermünden.

Dass das diesjährige Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen nicht so kuschelig sein wird wie gewohnt, darauf geht Pfarrer Andreas Reichwein (Viermünden) in seiner Ansprache ein. Mancherorts seien Christmetten im Freien geplant. In der Winterkälte sei man dem Kind, das in einer Krippe im Stall geboren wurde, vielleicht näher als sonst, sagt er. Im übertragenden Sinne gelte es in diesem Jahr auch, emotionale Härten auszuhalten.

Bezirksvorsitzende Gunhild Scholl hat bei ihrer Moderation die Zoom-Technik voll im Griff. Hier ist sie in einem Screenshot zu sehen.

„Meine Kinder leben in den Corona-Hotspots München und Dresden. Wir werden sie an Weihnachten nicht sehen“, erzählt eine Teilnehmerin. Sie werde Weihnachten mit ihrem Mann alleine feiern. Aber der Schutz vor dem Virus mache es nötig. Das sehen auch andere Frauen so.

Bei allem Ernst gibt es auch Unterhaltung – mit einer von Eva Hasenkrug-Reichwein vorgelesenen Weihnachtsgeschichte, mit zwei Videoclips mit Sandmalereien von Conny Klement aus Langgöns und einem kleinen Quiz. Die Zuhörerinnen blenden kleine Herzen und klatschende Hände ein, als Zeichen, dass es ihnen gefällt.

Carmen Denhof aus Buchenberg meldet sich am Ende zu Wort: „Ich bin begeistert, wie viele Ältere dabei sind“. Sie lobt, dass sich die Frauen, die zum großen Teil über 60 Jahre alt sind, in die neue Technik eingearbeitet haben. „Mein Sohn hat mir geholfen“, sagte eine von ihnen. „Das kann er ruhig. Du hast ihm ja auch geholfen“, entgegnet Gunhild Scholl.

Es zahle sich aus, dass der Hessische Landfrauenverband seit Beginn der Pandemie Online-Kurse anbiete, sagt die Bezirksvorsitzende und kündigt das nächste Projekt an: Online-Gymnastik am 13. Januar um 20 Uhr.

Von Martina Biedenbach

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