Holzbau-Experten informierten über Sanierung

Weißschimmel setzt dem Dachstuhl der Frankenberger Liebfrauenkirche zu

Sparren, Ständer, Streben, Stege: Jahrhundertealte Arbeit von Zimmerleuten wird in dem riesigen Dachstuhl der Liebfrauenkirche sichtbar, den Küster Wilfried Koch regelmäßig inspiziert. Wind, Wetter und Wasser haben auch in jüngster Zeit dort Schäden angerichtet, die bei einer umfassenden Sanierung behoben werden sollen. 	Fotos: Karl-Hermann Völker
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Sparren, Ständer, Streben, Stege: Jahrhundertealte Arbeit von Zimmerleuten wird in dem riesigen Dachstuhl der Liebfrauenkirche sichtbar, den Küster Wilfried Koch regelmäßig inspiziert. Wind, Wetter und Wasser haben auch in jüngster Zeit dort Schäden angerichtet, die bei einer umfassenden Sanierung behoben werden sollen.

Weißschimmel und nasse Sparrenfüße setzen dem Dachstuhl der Frankenberger Liebfrauenkirche zu. Welche Sanierungsarbeiten nötig sind, soll eine Voruntersuchung klären.

Frankenberg – Über dem fein ausgemalten Himmel der hohen gotischen Bögen der Liebfrauenkirche gibt es eine ganz irdische Welt, die der Kirchenbesucher normalerweise nie sieht: eine hölzerne Dachstuhllandschaft mit vielen Meter hohen Stützen, Streben, Kopfbändern, Sparren und Laufstegen oberhalb der dort nur unscheinbaren Gewölbekuppeln. Hier ist das Reich der Zimmerleute, das ein Schieferdach vor Wind und Wetter schützen soll.

Weil aber doch an kritischen Stellen Feuchtigkeit eindringt, gibt es Schäden, die dringend saniert werden müssen.

Deshalb hatte die evangelische Kirchengemeinde Frankenberg alle Interessierten zu einem ersten Informationsabend mit Bauexperten eingeladen. „Ich bin immer wieder fasziniert, was so ein altes Bauwerk alles zu erzählen hat“, gestand Ulrich Grimminger, Professor an der Technischen Hochschule Rosenheim, als er den Zuschauern mit historischen und aktuellen Fotos den Dachstuhl der Liebfrauenkirche vor Augen führte. Als Geschäftsführer stellte er seine auf Denkmalsanierungen spezialisierte Firma Konbau GmbH in Butzbach vor und entwarf das Ablaufszenario einer Sanierungsplanung, für die eine umfangreiche Voruntersuchung notwendig sei.

Ulrich Grimminger, Professor an der Technischen Hochschule Rosenheim

Bereits sein Vorredner, Sven Rühlmann, Bauberater der Landeskirche Kassel, hatte darauf hingewiesen, dass alte Bauzeichnungen vom Dachstuhl fehlen und deshalb ein Statiker mit einer Bestandserfassung beauftragt werden müsse, um eine Schadenskartierung anfertigen zu können. Einig waren sich beide Bauexperten: Besonders an den Sparrenfüßen, wo erfahrungsgemäß Wasser am häufigsten eindringt, sind Holzschäden mit Weißfäule aufgetreten. Außerdem habe es bis vor Jahrzehnten immer wieder aus heutiger Sicht unfachgemäße Ausbesserungen mit Andreaskreuzen quer unter den Dachflächen (Grimminger: „Das macht man allenfalls an landwirtschaftlichen Gebäuden!“), mit Glasfiberstäben, einbetonierten Holzteilen oder Bentonit gegeben. Daneben seien auch rein mechanische Schäden und Schiefstellungen im Dachgebälk zu beobachten.

Professor Dipl. Ing. Grimminger warb für den Werkstoff Holz, der im Bauwesen bereits wieder 30 Prozent ausmache. Er zeigte dies eindrucksvoll an dem 2015 mit dem Hessischen Holzbaupreis ausgezeichneten Sanierungsbeispiel des Solmser Schlosses in Butzbach. „Und gute Zimmerleute gibt es in der Frankenberger Region doch auch!“

Es gehe darum, eine nach Notwendigkeiten gestaffelte Abfolge von Maßnahmen zu entwickeln, erklärte Pfarrer Christoph Holland-Letz, statt wie bisher immer nur Einzelreparaturen für einen so komplexen Bauteil wie den Dachstuhl. Kosten seien schwer einzuschätzen. Man hoffe, dass die 30 000 Euro, die man als Kirchgeld gesammelt habe, nicht komplett in die Voruntersuchung fließen sollten. Sicher werde die Sanierung des Dachstuhls an diesem anerkannten „Baudenkmal mit nationaler Bedeutung“ wieder mit Bundesmitteln gefördert, sagte der Pfarrer. „Aber gerade dafür ist es wichtig, eine Gesamtsumme zu wissen!“

Etwa zwei Jahre würde eine solche Sanierung dauern, schätzte Holzbau-Experte Grimminger. Ja, voraussichtlich könne die Kirche während dieser Zeit genutzt werden. „Und was kostet denn so was, oder ist das geheim?“, fragte ihn am Ende einer der Zuhörer. Aber da musste der Professor passen. „Das ist noch nicht bekannt.“ Von Karl-Hermann Völker

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