Ausgewiesene Hol- und Bringzonen

Weniger Elterntaxis vor Schulen: Experte gab Tipps in Korbach

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Problem Elterntaxi an Schulen wie hier an der Edertalschule in Frankenberg. Autos halten im Halteverbot und an der Bushaltestelle. Schüler schlängeln sich zu Fuß durch das Chaos.

Waldeck-Frankenberg – Vor vielen Schulen stauen sich Elterntaxis. Appelle und Sanktionen helfen nicht, sagt Verkehrswissenschaftler Jens Leven.

Bei einer Fachtagung der Kreisverkehrswacht in Korbach riet der Wuppertaler Referent stattdessen zu einem Konzept mit drei Punkten, mit denen sein Büro gute Erfahrungen gesammelt habe: Die Anzahl an Elterntaxis lasse sich halbieren.

Sein erster Rat für die erschienenen Mitarbeiter von Schulen, Ordnungsämtern und Polizei war, auf die Motivation der Eltern zu achten: Viele chauffierten ihre Kinder aus Angst vor Unfällen und weil sie Mängel auf dem Schulweg sehen. Tatsächlich habe sich das Verkehrsaufkommen ja auch verstärkt, Straßen seien öfter zugeparkt. Also sei es wichtig, Schulwege sicherer zu machen. Und dabei angesichts der hohen Dunkelziffer nicht nur auf die Unfallstatistik zu gucken: „Sicher ist ein Weg, wenn ein sechsjähriges Kind ihn unfallfrei und sorglos bewältigen kann.“

Wer das Problem der Elterntaxis angehen wolle, müsse im Vorfeld die Eltern befragen, wo sie Schwierigkeiten mit dem Schulweg sehen. Grundproblem sei die wenig kinderfreundliche Verkehrsplanung. Ein Kind brauche mindestens zehn Sekunden, um alle zur Überquerung einer Straße nötigen Entscheidungen zu treffen. Die Verkehrsplanung müsse ihre Kompetenzen beachten. Neben mehr kinderfreundlichen Querungen helfe schon, „fehlerverzeihend“ zu planen: Das Parkverbot fünf Meter neben Kreuzungen werde beispielsweise oft missachtet – den Raum zu straffieren könne schon wirken.

„Einen gewissen Sockel an Elterntaxis müssen wir akzeptieren“, sagt Lewen – Schulwege seien länger geworden. Mit ausgewiesenen Hol- und Bringzonen könne das besser organisiert werden. Diese sollten mindestens 250 Meter von der Schule entfernt liegen, damit Kinder Schulwegerfahrung sammeln. Zudem müsste es mehrere geben, damit die Elterntaxis sich verteilen. Eignen würden sich bestehende Parkplätze, die temporär gesperrt würden. Auch hier sei eine Eltern-Befragung nötig, um Fahrwege kennenzulernen.

Dritte Säule ist, Kinder ab der Grundschule zu motivieren, zu Fuß zu gehen. Im Programm „Verkehrszähmer“ in Nordrhein-Westfalen gebe es etwa ein Belohnungssystem: Wenn die Klasse 250 Schulwege angesammelt hat, darf sie sich etwas wünschen, etwa ein Spiel zu spielen oder einen Film zu schauen.

Wo Kinder laufen, statt chauffiert zu werden, würden nicht nur Unfälle vermieden, sondern auch zu Bewegung animiert und Emissionen verringert. Nicht zuletzt lebten die Eltern ihren Kinder im Verkehrschaos vor der Schule auch weniger Ordnungswidrigkeiten vor.

Eingeladen hatte die Kreisverkehrswacht: Zu laufen helfe der Entwicklung des Kindes und seines sozialen Klimas, befand ihr Vorsitzender Rolf Crone, der die Gäste zusammen mit Landrat Dr. Reinhard Kubat und Achim Kaiser, Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, begrüßte.

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