Wenn Mauerstücke erzählen: Viele Besucher bei Mauerfall-Ausstellung in der Rathausschirn

Theaterstück: Bei der Inszenierung „Auf der Mauer“ präsentieren Ulrich Cyran (links) und Carolin Freund (rechts) zwischenmenschliche Hintergründe aus der Zeit des getrennten und wiedervereinten Deutschlands.

Frankenberg. Seit 25 Jahren ist Deutschland vereint. In der Frankenberger Rathausschirn fand am Sonntag im Zuge des Jubiläums, das in diesem Jahr deutschlandweit groß gefeiert wird, eine Ausstellung unter dem Titel „Grenzen überwinden - von der Diktatur zur Demokratie“ statt.

Mit dabei ist auch Dorothea Canzler. Sie geht ganz langsam an den nachgebauten Mauerstücken vorbei. „Die Ausstellung ist toll und wichtig zugleich“, sagt die 57-Jährige, die zusammen mit einer Delegation aus der Partnerstadt Frankenberg (Sachsen) in die Illerstadt gereist ist, der HNA. Canzler ist nach Frankenberg/Eder gekommen, um die partnerschaftlichen Beziehungen zu pflegen.

Aber natürlich besucht sie auch die Ausstellung zum Mauerfall vor 25 Jahren, die ausschließlich am Sonntag in der Rathausschirn unter dem Titel „Grenzen überwinden - von der Diktatur zur Demokratie“ gezeigt wurde. „Was damals passiert ist, war einmalig und darf nie in Vergessenheit geraten“, sagt sie und weiß genau, wovon sie redet.

Dorothea Canzler, die heute immer noch in der ehemaligen DDR lebt, wurde am späten Abend des 9. November 1989 von ihrer Schwester angerufen. „Sie sagte mir ganz aufgeregt, dass die Grenzen offen sind. Ich hatte vorher gar nichts mitbekommen, da ich in den Vorbereitungen zu meinem 32. Geburtstag steckte. Der war am folgenden Tag.“

Erst später habe sie das Ausmaß dieser historischen Nacht so richtig erlebt. „Wir sind im gleichen Jahr noch in die Bundesrepublik zu unseren Verwandten nach Koblenz gereist. Als wir dort mit dem Zug ankamen und die vielen Geschäfte und Buden am Bahnhof sahen, waren wir sehr beeindruckt“, sagt Canzler.

Die Wende war für Dorothea Canzler und ihren Mann auch aus beruflicher Sicht ein Glücksfall. „Wir sind Apotheker und konnten unseren Arzneimittelladen nach der Wiedervereinigung endlich privat weiterführen.“

Die eintägige Ausstellung findet Dorothea Canzler spannend, weil sie „lebendig ist“. „An den Mauerstücken sind viele Menschen zu sehen, die alle einen wichtigen Teil zum Mauerfall beigetragen haben.“

Frankenberg/Eder ist nach Wiesbaden erst die zweite Stadt, die die Ausstellung am gestrigen Sonntag für einen Tag präsentieren darf. Die nächsten Stationen sind am 17. April Darmstadt und am 10. Mai Marburg. Auch beim Hessentag in Hofgeismar soll sie gezeigt werden.

Was der hessische Staatssekretär Dr. Manuel Lösel und Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß zur Ausstellung sagten und wie diese konkret aussah, lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine

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