Nur wenige Fälle bekannt

Wenn Tote nicht verwesen: Wachsleichen in Waldeck-Frankenberg 

Waldeck-Frankenberg. Das Problem von Leichen, die während der 15- bis 30-jährigen Ruhezeit nicht vollständig verwesen, gibt es auch auf Friedhöfen in Waldeck-Frankenberg. Allerdings handele es sich um Einzelfälle, sagten Kommunen auf Nachfrage.

Wie berichtet, nimmt das Problem mit sogenannten Wachsleichen deutschlandweit zu, sagt der Bonner Biorechtsexperte Tade Spranger.

So berichten die Stadtverwaltungen Korbach, Frankenberg und Bad Arolsen von diesem Problem. „In der Vergangenheit gab es vereinzelt den Fund einer Wachsleiche. Seit dem Jahr 2006 waren es zwei bis drei Vorfälle“, sagt Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst. Die Lösung: Auf dem betroffenen Teil des Friedhofs finden nur noch Urnenbeisetzungen statt.

Auch in Korbach und Frankenberg gehöre das Problem der Vergangenheit an. Bei den betroffenen Stellen sind keine Sargbestattungen mehr möglich, wie Ralf Buchloh (Korbach) und Jochen Seelinger (Frankenberg) erklären. „Außerdem haben wir die Ruhezeit auf 45 Jahre erhöht“, sagt Seelinger. „Beim Anlegen neuer Grabstellen für Särge wird zudem vorgebeugt: Drainagen werden im Grab befestigt, damit Wasser abfließt. Kies sorgt für eine bessere Luftdurchlässigkeit.“ Damit sei die Verwesung gewährleistet.

In Bad Wildungen gebe es laut Bürgermeister Volker Zimmermann keine Schwierigkeiten mit menschlichen Überresten, die nicht komplett verwest sind. Das liege vor allem an den Standortbedingungen: „Bei uns sind die Luft- und Wasserdurchlässigkeiten der Böden so günstig, dass Wachsleichen nicht entstehen.“

Auch in Battenberg und Gemünden sind bisher keine Fälle bekannt. Sollte dennoch eine Wachsleiche bei der Aushebung eines Grabes entdeckt werden, müsse eine Einzelfallentscheidung getroffen werden, erklärte Paul Mertke von der Stadtverwaltung Gemünden.

Hintergrund

Dass beerdigte Menschen auch nach Jahrzehnten nicht vollständig verwesen, kann mehrere Gründe haben. Vor allem zu feuchte und lehmige Böden können laut dem Biorechtsexperten Tade Spranger (Bonn) zum Problem werden. Auch Kunstfaserkleidung, Antibiotika, verbrauchte Erde sowie undurchlässige Särge führen zur Entstehung von Wachsleichen. „Diese Faktoren verlangsamen den Prozess der Verwesung“, bestätigt auch Jochen Seelinger von der Friedhofsverwaltung der Stadt Frankenberg. Laut Spranger gibt es deutschlandweit kaum noch Friedhöfe, die zumindest mit Teilflächen nicht davon betroffen sind.

Rubriklistenbild: © dpa

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