Bürgermeister Heß nimmt Stellung

Wer soll Pfingstmarkt in Frankenberg organisieren? „Antrag ist eine Katastrophe“

Der Pfingstmarkt in Frankenberg ist das größte Volksfest im Frankenberger Land.
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Der Pfingstmarkt in Frankenberg ist das größte Volksfest im Frankenberger Land.

Die öffentliche Diskussion, wer künftig den Pfingstmarkt in Frankenberg organisieren soll, geht weiter. Jetzt hat Bürgermeister Rüdiger Heß den Beschluss der Stadtverordneten noch einmal deutlich kritisiert.

Frankenberg – In einem Gespräch mit den Organisatoren Max und Annabell Wagner, mit Werner Wambold als Vorsitzendem des Schaustellerverbandes Mittelhessen und der Landtagsabgeordneten Dr. Daniela Sommer (SPD) hat Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß eindeutig Stellung zum Thema Pfingstmarkt genommen. „Aus rechtlicher Sicht kann und darf die Stadt eine solche Veranstaltung überhaupt nicht durchführen“, kommentierte der Bürgermeister die Sachlage. Auch die hessische Gemeindeordnung verbiete einer Kommune grundsätzlich eine solche „wirtschaftliche Betätigung“.

Wie berichtet, hat das Stadtparlament in seiner Sitzung am 8. Juli auf Antrag und mit den Stimmen von CDU und Grünen dem Magistrat den Prüfauftrag erteilt, ob die Organisation des Volksfestes in die Hände der Verwaltung gelegt werden kann.

„So einen Antrag hat es in Frankenberg noch nie gegeben. Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Dieser Antrag ist eine Katastrophe“, sprach Heß der Familie Wagner sein „uneingeschränktes Vertrauen“ aus. Der Prüfauftrag sei „ohne Grund und ohne konkreten Anlass“ erteilt worden. Dabei erinnerte er an einen ähnlichen Antrag der Politik vor Jahren für ein großes Volksfest in Homberg/Efze: „Dieses Volksfest ist dadurch kaputt gemacht worden, das Fest gibt es heute nicht mehr.“

„Aus rechtlicher Sicht kann und darf die Stadt eine solche Veranstaltung überhaupt nicht durchführen.“

Bürgermeister Rüdiger Heß

„Vielleicht kommen die antragstellenden Fraktionen noch zur Vernunft“, sagte Heß. Durch den „unsinnigen Antrag“ sei das Frankenberger Veranstaltungsbüro Wagner jedenfalls unnötig in Misskredit gebracht worden. „Die Wagners sind Frankenberger mit Leib und Seele“, merkte Heß an, schon seit Jahrzehnten gebe es mit der Familie Wagner eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“.

Die Familie sei „das Gesicht“ des Pfingstmarktes. Von vielen Frankenbergern sei der Antrag der beiden Fraktionen und der damit verbundene Prüfauftrag „mit einem Kopfschütteln“ begleitet worden, so der Bürgermeister.

Organisator Wagner: „Wie ein Schlag ins Gesicht“

Die Schausteller-Familie hatte sich bereits in einer Pressemitteilung zu dem Thema geäußert und unter anderem gesagt: „Selbstverständlich lassen wir uns von einem Antrag nicht ins Bockshorn jagen, aber wir fragen uns, was wir falsch gemacht haben. Es fühlt sich wie ein Schlag ins Gesicht an.“

Die Solidarität mit der Familie Wagner in Frankenberg sei groß, sagte Heß: „Sie haben die Kontakte, sie verkörpern den Pfingstmarkt, sie haben den Pfingstmarkt immer weiterentwickelt. Nur ihnen ist es zu verdanken, dass jedes Jahr rund 250.000 Menschen das Frankenberger Volksfest besuchen und damit auch das Wirtschaftsleben der Stadt bereichern.“

Alle Schausteller unter einen Hut zu bekommen, mache das Flair und den Charme des Pfingstmarktes aus. Mitarbeiter der Stadtverwaltung könnten wohl kaum über mehrere Tage und Wochen hinweg tags und nachts auf dem Pfingstmarkt stehen: „Da gibt es für meine Mitarbeiter auch noch das europäische Arbeitsschutzrecht.“

Früher sei der Pfingstmarkt einmal eine durchschnittliche Veranstaltung gewesen, heute ein lebendiges und modernes Volksfest, fasste Schausteller-Vorsitzender Werner Wambold zusammen. Dies sei dem Netzwerk und dem „stimmigen und abwechslungsreichen Konzept“ der Familie Wagner zu verdanken. „Warum soll man daran herumexperimentieren“, hinterfragte Wambold.

Sommer: „Man muss realistisch sein“

„Sachliche Gründe für den Antrag lagen überhaupt nicht vor“, stellte Dr. Daniela Sommer (SPD) fest, die als Landtagsabgeordnete an dem Gespräch im Rathaus teilnahm. Sie ist auch Stadtverordnete in Frankenberg, ihre Fraktion hatte sich gegen den Antrag von CDU und Grünen ausgesprochen. Wer die Organisation einer solchen Veranstaltung „einfach mal so“ in die Verwaltung verlagern wolle, verkenne die Arbeit. „Man muss mit dem schon realistisch sein, was man fordert“, sagte Sommer.

Kritisch hinterfragte sie auch den Zeitpunkt des Antrags mitten in der Pandemie: „Durch Corona sind die Schausteller in große existenzielle Nöte geraten.“ 2020 und 2021 musste der Pfingstmarkt wegen Corona ausfallen. Auch ein Vergleich mit der Organisation der Europeade 2019 sei kaum möglich: „Das war ein Kraftakt mit Urlaubssperren und wochenlangen Planungen. Das kann man nicht jedes Jahr leisten“, so Sommer.

Der Prüfauftrag des Stadtparlaments ist zwar mit einer Frist von sechs Monaten versehen – die Beantwortung kündigte der Bürgermeister aber voraussichtlich schon für die nächste Stadtverordnetenversammlung nach den Sommerferien an. Dann geht das Thema Pfingstmarkt in die nächste Runde.

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