Covid auf der Südhalbkugel

Wie eine Frankenbergerin die Corona-Pandemie in Australien und Neuseeland erlebt

Down-Under: Die Schreufaerin Vanessa Schicke war in Australien, als die Corona-Pandemie ausbrach. Hier ist sie mit ihrem Partner, dem Neuseeländer Joshua, in Brisbane an der Ostküste. Von dort ging es nach Neuseeland.
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Down-Under: Die Schreufaerin Vanessa Schicke war in Australien, als die Corona-Pandemie ausbrach. Hier ist sie mit ihrem Partner, dem Neuseeländer Joshua, in Brisbane an der Ostküste. Von dort ging es nach Neuseeland.

Die gebürtige Frankenbergerin Vanessa Schicke hat Covid-19 auf der anderen Seite der Welt erlebt. Die 24-Jährige berichtet von ihren Pandemie-Erfahrungen zunächst in Australien und jetzt in Neuseeland.

Frankenberg/Neuseeland – Alles begann im Frühjahr 2020, als wir in Australien an der Ostküste gewohnt haben. Covid-19 traf sehr schnell ein und veränderte alles. Restaurants, Bars, Kleidungsgeschäfte, Strände, Friseurläden wurden geschlossen. Mein Partner, der Neuseeländer Joshua, und ich wussten nicht, ob wir unsere Jobs behalten und unsere Miete weiter zahlen könnten.

Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir innerhalb einer Woche unsere Wohnung und Jobs gekündigt, Sachen verkauft und sind ins Landesinnere auf eine Farm gezogen. Dort waren wir ziemlich sicher vor Covid-19. Wir lebten nun – sechs Stunden Autofahrt von der Küste entfernt – im Inland. Der nächste Supermarkt war eine Stunde entfernt.

Die Bars und Restaurants hatten dort alle offen, man musste sich nur in eine Liste mit Name und Anschrift eintragen oder mit dem Handy einscannen. Hier verbrachten wir ohne Probleme die nächsten sechs Monate. Von der ganzen Covid-19-Situation haben wir so gut wie nichts mitbekommen. Deutschland und Neuseeland waren da im ersten Lockdown.

Im Herbst 2020 habe ich mein ersehntes Partner-Visum für Neuseeland bekommen, so dass wir im November 2020 die Reise nach Neuseeland antreten konnten. Von der Farm fuhren wir nach Brisbane an der australischen Ostküste. Dort mussten wir zum ersten Mal Masken tragen.

Nur wer Plätze in einem Quarantäne-Hotel in Neuseeland gebucht hatte und bestimmte Einreisegründe erfüllte, durfte fliegen. Im Flugzeug selbst war ebenfalls Maskenpflicht, aber man durfte nicht seine eigenen Masken tragen, sondern hat welche von der Fluggesellschaft bekommen. Auch gab es keinen Flugservice, wie man es sonst kennt.

Nach 14 Tagen Quarantäne ein fast freies Leben

In Auckland, der Großstadt auf der neuseeländischen Nordinsel, gelandet, noch immer im Flugzeug sitzend, kam ein Soldat zu uns und erklärte uns, dass wir weiter auf die Südinsel nach Christchurch fliegen müssten, da die Quarantäne-Hotels in Auckland alle voll waren.

Endlich in Christchurch, wurde bei allen Passagieren die Temperatur gemessen. Wir wurden dann in Hotels gebracht. Dort galten strenge Regeln: Wenn möglich, sollte man das Zimmer nicht verlassen, welches nicht sehr groß war und nicht einmal ein Fenster zum Öffnen hatte.

Im Land der Kiwis: „Neuseeland hat das Virus gut im Griff“, sagt die gebürtige Frankenbergerin Vanessa Schicke, die seit November 2020 dort lebt.

Man durfte aber mit Maske für begrenzte Zeit auf den abgesperrten Hinterhof und dort eine Weile im Kreis gehen. Ein Soldat kontrollierte, dass man zwei Meter Abstand voneinander hielt und keinen Kontakt zu Leuten hinter dem Zaun hatte. Vor und nach dem Rausgehen wurde man in eine Liste eingetragen und musste sich die Hände desinfizieren.

In den 14 Tagen Quarantäne im Hotel wurde uns dreimal am Tag das Essen – wir konnten vorher aus zwei Menü-Optionen eine aussuchen – vor die Tür geliefert. Man konnte sich auch Essen von außerhalb bestellen. Die Lieferung wurde aber von Soldaten kontrolliert. Alkoholische Getränke von außerhalb waren nicht gestattet, aber es war möglich, sich diese von der Hotelbar liefern zu lassen – pro Tag eine Flasche Wein oder sechs Bier. Hat man die leeren Flaschen nicht vor die Tür gestellt, konnte man keine neuen Getränke ordern. Auch mussten wir unser Geschirr im Badezimmer spülen. Einmal die Woche konnte man die Bettwäsche und Handtücher vor die Tür legen, damit diese gewaschen wurden.

Jeden Tag wurden wir angerufen und gefragt, ob wir etwas brauchen. Rund um die Uhr waren eine Krankenschwester und ein Arzt vor Ort. Wir wurden am vierten und am zwölften Tag in Quarantäne auf Corona getestet. Man wurde nur entlassen, wenn beide Tests negativ ausfielen.

Es hat sich angefühlt wie in einem Luxus-Gefängnis. Für Europäer hört sich die Vorgehensweise streng an. Aber die Neuseeländer haben die Pandemie damit schnell unter Kontrolle bekommen. Was sind schon zwei Wochen eingesperrt sein, wenn du danach ein normales Leben führen kannst?

Der „Spaß“ kostet natürlich auch etwas – aber nicht für alle. Neuseeländer, die zurück ins Land kommen und länger als drei Monate bleiben, müssen keine Quarantänekosten zahlen. Ich, als Ausländerin, musste 3100 Neuseeland-Dollar – umgerechnet rund 1840 Euro – zahlen. Die Quarantänekosten sind nun auf 5100 Neuseeland-Dollar (3000 Euro) gestiegen.

Seit November 2020 leben Joshua und ich nun in Auckland. Alle Geschäfte und andere Dienstleiter (Friseur, Fitnessstudios usw.) haben ganz normal geöffnet. Man kann sich auch zu Feiern treffen. Alles ist wie normal. In den öffentlichen Verkehrmitteln soll man aber eine Maske tragen. Der einzige Unterschied zu vorher ist, dass man sich fast überall per QR-Codes mit dem Handy einscannen kann oder soll. So weiß man in einem Covid-Notfall, wer, wo, wann war und kann schnell die Ansteckungskette nachverfolgen.

Das war sehr hilfreich, als wir vor ein paar Wochen einen Covid-Infizierten in Auckland hatten. Innerhalb von wenigen Stunden ging die Stadt direkt in Lockdown- Stufe 3 und der Rest des Landes in Stufe 2. Nach nur ein paar Tagen konnten die Behörden die Kontakte nachverfolgen, so dass keine weite Verbreitung stattfand.

Manchmal vergesse ich, wie gut wir es hier in Neuseeland haben und dass in Europa und vielen anderen Teilen der Welt ein normales Leben überhaupt nicht selbstverständlich ist.

Von Vanessa Schicke und Martina Biedenbach

Zur Person

Vanessa Schicke (24) ist in Frankenberg und Schreufa aufgewachsen. Nach Fachabi und Ausbildung zur Chemisch-technischen Assistentin ist sie als Studentin in den Semesterferien über Work and Travel (Arbeiten und Reisen) 2018 nach Neuseeland gereist. Dort lernte sie ihren neuseeländischen Partner Joshua kennen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Deutschland kehrte sie im April 2019 nach Neuseeland zurück. Als ihr Neuseeland-Visum ablief, reisten sie und Joshua nach Australien und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Im November 2020 erhielt Vanessa ein Partner-Visum für Neuseeland, wo das Paar seitdem lebt. Die Eltern Sabine und Jürgen Schicke haben sie dort bisher einmal besucht.

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