Einsatz in Bad Neuenahr-Ahrweiler

„Wie nach einem Tsunami“: THW Frankenberg half im Hochwasser-Gebiet

Vom Hochwassereinsatz in dem besonders schwer betroffenen Ort Ahrweiler in Rheinland-Pfalz ist eine Gruppe von Frankenberger THW-Helfern zurückgekehrt. Auch dieser Radbagger mit Gerhard Beaupain am Steuer war dabei im Einsatz.
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Vom Hochwassereinsatz in dem besonders schwer betroffenen Ort Ahrweiler in Rheinland-Pfalz ist eine Gruppe von Frankenberger THW-Helfern zurückgekehrt. Auch dieser Radbagger mit Gerhard Beaupain am Steuer war dabei im Einsatz.

Das THW Frankenberg hat in den vergangenen Tagen im Hochwasser-Gebiet in Westdeutschland geholfen. Das erste Team ist jetzt aus Neuenahr-Ahrweiler zurückgekehrt.

Frankenberg – „Ich bin stolz auf meine Jungs. Sie haben eine tolle Arbeit abgeliefert. Ein wahrer Kraftakt.“ Als einer der Ersten begrüßte „Standortältester“ Ralf Fröchtenicht am Sonntagmittag zwölf Frankenberger THW-Helfer auf dem Gelände des Katastrophenschutzzentrums in Frankenberg zurück.

Das Team um Fröchtenichts Sohn Michael, Zugführer des THW-Ortsverbandes Frankenberg, ist wohlbehalten nach vier Einsatztagen aus dem von einer Unwetterkatastrophe heimgesuchten Bad Neuenahr-Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz heimgekehrt. Ahrweiler ist der vom Unwetter am meisten betroffene Ort im Westen Deutschlands.

Vier Tage und drei Nächte kämpften die Frankenberger THW-Helfer in den verwüsteten Städten und Dörfern, vor allem im Ort Mayschoß, mit schwerem Gerät gegen Starkregen, schwere Überflutungen und meterhohen Schlamm. „Es war wie nach einem Tsunami. So eine Situation habe ich noch nie erlebt. Die Schäden sind unvorstellbar groß“, berichtet Michael Fröchtenicht. Er spricht von einer „gespenstischen Situation“. Die Lage habe ihn an das Elbe-Hochwasser 2002 im Osten Deutschlands erinnert. „Die Zeiten eines wohltemperierten Europas und ein Leben in gemäßigten Klimazonen sind wohl vorbei“, meint der Zugführer mit Blick auf den Klimawandel.

Vier Stunden bis nach Ahrweiler

Nach dem Starkregen und den schweren Überflutungen im Westen der Republik war am Donnerstagmorgen auch der THW-Ortsverband Frankenberg alarmiert worden. Der Auftrag zum Einsatz kam von der Regionalstelle Gießen. Schon am Mittag rückten die Frankenberger Helfer mit einem Bergungs- und einem Zugtrupp nach Grafschaft bei Ahrweiler aus - fünf weitere Frankenberger THW-Helfer samt Radbagger wurden nachalarmiert. Mit Blaulicht brauchten die Frankenberger rund vier Stunden bis nach Rheinland-Pfalz. In Ahrweiler waren rund 1300 Helfer im Einsatz.

THW Frankenberg, Hochwasser, Einsatz in Ahrweiler

Schon der erste Einsatz war für die Frankenberger THW-Helfer dramatisch: Mitten in der Stadt Sinzig mussten sie zusammen mit der Kriminalpolizei einen „Tatort“ im dortigen „Lebenshilfehaus“ sichern. In dem Wohnheim hatte es zwölf Tote gegeben. „Das Wasser stand bis zum zweiten Stockwerk, etwa 3,50 Meter hoch, viele Bewohner hatten keine Chance“, berichtet Michael Fröchtenicht. Die Toten habe sein Team zum Glück nicht bergen müssen: „Wir haben die Fenster und Türen mit Holz verbarrikadiert, damit keine Unberechtigten zum Tatort gelangen konnten.“ Über jeden Einsatz führten die Frankenberger penibel Buch.

Die Nachtruhe war nur kurz. Schon am Freitagmittag mussten die Frankenberger THW-Helfer in Mayschoß eingeschlossene Menschen aus einem einsturzgefährdeten Gebäude retten. Das erste Problem: Es gab keine intakten Straßen und auch keine intakten Brücken. „Wir mussten uns den Weg über Feldwege und Weinberge bahnen“, erzählt Fröchtenicht.

Das zweite Problem: Der Funkkontakt brach vollkommen zusammen. Auch für die Handys gab es kein Netz mehr. „Der Pegel am Dorfplatz in Mayschoß stand bei sieben Metern. Einfach unvorstellbar, was wir da gesehen haben“, berichtet der Frankenberger Zugführer. Glücklicherweise seien die Menschen schon von der Feuerwehr aus dem Gebäude gerettet worden. „Da mussten wir nichts mehr machen.“ Der Rückweg sei wieder über die Weinberge erfolgt.

40 Bewohner evakuiert

Auch die nächste Verschnaufpause dauerte nur wenige Stunden: Schon am Abend mussten die Frankenberger helfen, im historischen Stadtkern von Ahrweiler ein Altersheim zu evakuieren. „Dort gab es kein Wasser und keinen Strom mehr. Wir haben 40 Bewohner dort rausgeholt und zu den Rettungswagen gebracht“, berichtet Fröchtenicht. Der Leiter des Altersheims habe sich dutzendfach bedankt. „Wenn wir nicht da gewesen wären, hätte es ein Drama gegeben.“ Am Samstag mussten die Frankenberger noch mithelfen, die Trinkwasserversorgung am Krankenhaus Ahrweiler wieder herzustellen.

Zurück vom Einsatz in Ahrweiler: Das Frankenberger THW-Team.

Am Sonntagvormittag gab es für die Frankenberger dann den „Marschbefehl“ für die Heimfahrt. Nur die Räumungsgruppe blieb noch vor Ort – sie soll am Dienstag wieder zurückkehren: „Fünf Einsatzkräfte von uns unterstützen die Helfer noch beim Brückenbau in Ahrweiler“, erklärt Fröchtenicht.

Sein Fazit: „Das war alles sehr spannend. Durch unsere gute Ausbildung haben wir die Großeinsätze gut bewältigt.“ Erst im Frankenberger Katastrophenschutzzentrum durften die THW-Helfer wieder durchschnaufen. Dort gab es Pizza für alle.

Auch Frankenberger Eloka-Soldaten im Einsatz gegen Hochwasser

Auch Frankenberger Soldaten vom Bataillon Elektronische Kampfführung 932 (EloKaBtl 932) der Burgwaldkaserne beteiligt sich seit dem 17. Juli beim Kampf gegen das Hochwasser und die Unwetter-Schäden im Westen Deutschlands.

Das EloKaBtl 932 sei mit mehr als 30 Soldaten im Landkreis Ahrweiler vor allem in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler eingesetzt, berichtete die Burgwaldkaserne in einer Pressemitteilung. Hier helfen die Soldaten aus Frankenberg zusammen mit Soldaten aus dem Schwesterbataillon aus Daun bei der Sicherstellung der Notversorgung der Bevölkerung mit Wasser und Strom. Dazu sind die Soldaten bereits am Samstag nach Bad Neuenahr gefahren und sind dort zusammen mit den zivilen Katastrophenschutzbehörden eingesetzt.

In dem vom Hochwasser betroffenen Gebiet im Landkreis Ahrweiler liegt auch das Kommando Strategische Aufklärung, die vorgesetzte Dienststelle des Frankenberger Verbandes. „Auch hier haben die Wassermassen massive Verwüstungen angerichtet und das Kommando schwer getroffen“, heißt es in der Pressemitteilung. Aktuell werden weitere Soldaten mit zusätzlichem Material wie Aggregaten zur Stromerzeugung in die Unglücksregion nachgeführt, um noch besser unterstützen zu können.

Wie lange die Unterstützung noch anhält, oder wie viele Soldaten aus der Burgwaldkaserne noch benötigt werden, sei noch nicht klar. „Das Bataillon Elektronische Kampfführung 932 steht aber bereit, um Deutschland in dieser schweren Krise zu helfen.“

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