"Blaulicht entgegen gekommen"

Fußballspiel in Hannover: So erlebte eine Frankenbergerin die Absage

Keine Fans, nur Polizei: Unser Bild zeigt den Vorplatz der Arena in Hannover nach der Absage des Länderspiels. Foto: dpa

Viermünden/Hannover. „Man darf sich nicht einschüchtern lassen." Mit diesem Vorsatz ist Saskia Mann mit ihrem Freund Sebastian und dessen Vater am Dienstag nach Hannover aufgebrochen. Und musste dann doch umkehren.

Die 20-Jährige Viermündenerin wollte sich das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande anschauen. Doch kurz vor Hannover erfuhr sie, dass das Spiel aus Angst vor einem Terroranschlag abgesagt wurde. Wir sprachen mit der 20-Jährigen aus Viermünden über die Absage, die Stimmung auf der Heimreise und die Terrorgefahr bei Sportveranstaltungen.

Frau Mann, wann haben Sie von der Absage des Länderspiels erfahren? 

Saskia Mann: Wir waren gerade auf einem Rastplatz kurz vor Hannover, als wir die Nachrichten auf unseren Handys gelesen haben. Wir sind auch dann direkt umgekehrt. Auf der Rückfahrt sind uns auf der anderen Seite schnell unfassbar viele Polizeiautos aus Richtung Göttingen mit Blaulicht entgegen gekommen. Das war schon ein komisches Gefühl.

Mit welchen Gefühlen sind Sie überhaupt nach Hannover aufgebrochen? 

Mann: Meine Mutter hatte im Vorfeld gesagt, wir sollen gar nicht erst hinfahren. Ich hatte ihr geantwortet, dass man ja sein Leben nicht danach richten darf, dass irgendwo ein Anschlag passieren könnte. Ich bin nach Hannover gefahren und war überzeugt, dass da nichts passieren wird und ich ein schönes Spiel sehen werde. Deswegen hat mich die Absage dann schon geschockt.

Und mit welchen Gefühlen ging es dann zurück? 

Mann: Wir haben die ganze Zeit auf das Handy geschaut, um an Nachrichten zu bekommen. Am Anfang war ich wütend, weil die Terroristen erreicht haben, was sie wollten: dass man eingeschüchtert ist. Mit ein wenig Abstand war ich aber froh, dass wir doch noch nicht in Hannover waren, weil man ja überhaupt nicht wusste, wie sich das entwickelt.

Hatten Sie Angst? 

Mann: Kurz bevor das Spiel abgesagt wurde, gab es ja bereits den Alarm wegen des gefundenen Koffers am Stadion. Das hatten wir auch mitbekommen. Da überlegt man schon mal kurz. Dennoch hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl bei der Anreise.

Haben sich nach der Absage Familie oder Freunde bei Ihnen gemeldet? 

Mann: Natürlich. Meine Mutter hatte schon geschrieben, dass ich nach Hause kommen soll, bevor ich überhaupt wusste, was los ist. Auch Freunde und Mitspielerinnen vom DFC Allendorf hatten schnell geschrieben. Das beschäftigt ja alle, dass es so etwas in Deutschland gibt.

Können Sie die Absage verstehen? 

Mann: Ja, die werden schon einen Grund dafür gehabt haben. Zwar sind wir 500 Kilometer umsonst gefahren, aber es ist wichtig, dass da alle sicher heraus kommen.

Hatten Sie am Freitag am Fernsehen die Geschehnisse rund um das Spiel in Paris mitbekommen? 

Mann: Die Explosionen hatte ich nicht mitbekommen. Erst als der Kommentator das in der 80. Minute gesagt hat, wusste ich, was da passiert ist. Das Ausmaß ist schrecklich.

Hätten Sie gedacht, dass so etwas beim Fußball passieren kann? 

Mann: Wir haben uns gestern darüber unterhalten, ob das auch zum Beispiel beim Handball passieren könnte. Der Fußball mobilisiert mehr Menschen auf einen Haufen und ist so vielleicht im besonderen Maße ein Angriffsziel.

War es vor dem Hintergrund für Sie eine Alternative, gar nicht erst nach Hannover zu fahren? 

Mann: Nein, dass wir hinfahren, stand für mich fest. Man darf nicht sein Leben danach richten und sich einschüchtern lassen. Dann hätten die Terroristen ja eines ihrer Ziele erreicht.

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