Kriminalfall aus dem Jahr 1778

Brutaler Tod eines Feldhüters: Wortgefecht in Frankenberg endete in tödlicher Schlägerei

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Blick auf den Frankenberger Obermarkt.

Als die Witwe Himmelmann aus Frankenberg am Morgen des 15. Juli 1778 durch die Felder in der Flur „Im Madenbach“ geht, macht sie eine grausige Entdeckung.

Im Kornfeld liegt ein toter Mann in einer Blutlache. Er hat massive Schlagverletzungen am Kopf. Kurze Zeit später wird er als der Frankenberger Stadtschütze Carle Balzer identifiziert.

Er ist auch amtlich bestellter Feldhüter. Schnell wird den Ermittlern klar, dass der Täter im Umfeld derer zu suchen ist, die er sich durch seine Tätigkeit zu Feinden gemacht haben könnte. Noch am selben Tag werden die Witwe Elisabeth Straube und ihre vier Kinder verhaftet. In ihrem Wohnhaus nahe des Linnertors im Südosten der Stadt werden mit Blut besudelte Kleider und ein blutiger Ackerstock gefunden.

Viele Leute in Frankenberg wissen von der Feindschaft zwischen dem Schützen und der Familie, die wegen ihrer Neigung zum Freveln seit langem bekannt ist. Die Untersuchung durch das Peinliche Gericht in Marburg bestätigt, dass Hass das Motiv für die Tat sein musste. Nach ein paar Tagen gesteht der 24-jährige Johann Henrich Straube die Tat.

Er war einen Tag zuvor wie an fast jedem Sommertag mit seinen beiden Ochsen zu Weiden in die Umgebung Frankenbergs gezogen. Das Pikante daran: Er trieb die Ochsen in einen schmalen Graben zwischen zwei Kornfeldern, wohl wissend, dass das Hüten zwischen Früchten verboten ist. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich Stadtschütze Balzer auf und stellt ihn lautstark zur Rede.

Das Wortgefecht endet in einer massiven Schlägerei, bei der der ältere und weniger kräftige Landhüter dem 24-Jährigen Kontrahenten deutlich unterlegen ist. Die Schlagverletzungen, die Balzer einstecken musste, enden tödlich.

Der junge Mann läuft anschließend nach Hause zu seiner Mutter und gesteht ihr die Tat. Noch am selben Abend geht er in Begleitung seiner 21-jährigen Schwester Anna Katharina zurück zum Opfer und stiehlt ihm das Geld. Es wird zu Hause im Mehlkasten gelagert.

Später behauptet Johann Henrich, seine Mutter habe ihn zu der Tat angestiftet, was diese vehement bestreitet. Letztlich kann nicht geklärt werden, wer von beiden die Wahrheit sagt.

Der junge Mann wurde zum Tode verurteilt und am 21. Mai 1779 auf dem Rabenstein bei Marburg hingerichtet. „Zur wohl verdienten Strafe, und anderen zum abscheulichen Exempel“, wie es in der Begründung heißt.

Der Artikel erschien erstmals am 25. Juli 2017 in der HNA.

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