Zähne ziehen statt Strandurlaub: Ungewöhnliches Praktikum im Südpazifik

Auf dem Zahnarztstuhl: Die Studienfreunde Joel Krümmelbein (rechts) und Lukas Kneib gehen auf die Insel Tonga nordöstlich von Australien, um Berufserfahrung zu sammeln und den Menschen in dem Entwicklungsland zu helfen. Foto:  Paulus

Rennertehausen. Wenn man hört, dass Joel Krümmelbein und Lukas Kneib im Februar auf die Inselgruppe Tonga im Südpazifik fliegen, könnte man glauben, die beiden jungen Männer würden dort Strandurlaub machen. Ihr sechswöchiger Aufenthalt nordöstlich von Australien hat aber einen ernsteren Grund.

Joel und Lukas studieren in Marburg Zahnmedizin, in ihren Semesterferien wollen sie auf Tonga freiwillig ein Praktikum machen. Um Berufserfahrung zu sammeln und den Menschen in dem Entwicklungsland zu helfen.

Joel Krümmelbein (25) aus Rennertehausen ist der Sohn des Frankenberger Zahnarztes Ulrich Krümmelbein, Lukas Kneib (26) kommt aus Bielefeld. Die beiden sind in ihrem Studium im achten Semester, schreiben schon an ihrer Doktorarbeit, im Frühjahr 2017 steht ihr Examen an. „Das ist jetzt die letzte Möglichkeit, sowas zu machen“, sagt Lukas zu dem Praktikum auf Tonga.

Im Studium arbeiten die beiden schon seit dem siebten Semester „am Patienten“, erzählen sie. „Wir wollen aber über den Unialltag hinaus etwas lernen und eigenverantwortlich arbeiten“, sagt Joel Krümmelbein und nennt vor allem chirurgische Behandlungen wie Zähneziehen. „Das lernst Du an der Uni kaum.“ Deshalb hätten sie sich bewusst für ein Entwicklungsland entschieden und eine Zusage aus Sydney abgelehnt. „Die Leute auf Tonga kümmern sich wahrscheinlich nicht richtig um ihre Zähne.“ Auf einer der Inseln des Königreichs gibt es eine größere Schule und ein Kinderheim.

Am 24. Februar starten Joel und Lukas in Frankfurt, über Singapur und Neuseeland werden sie nach 40 Stunden auf Tonga ankommen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützt die beiden finanziell, um Flüge und die Klinik haben sie sich selbst gekümmert. „Wir haben drei, vier Mails mit der Klinik geschrieben, nach einer Stunde war alles klar“, erzählen sie.

Für die ersten zehn Tage der sechs Wochen haben sie bereits eine Unterkunft für Rucksacktouristen, in dieser Zeit arbeiten sie zwei Wochen auf der Hauptinsel in einem kleineren Krankenhaus. „Danach entscheiden wir mit dem Arzt, wo wir eingesetzt werden“, erzählt Lukas. Sie haben sich bei Fachfirmen auch schon um Sachspenden gekümmert, die sie mitnehmen: Mundschutz, Material für Füllungen, Desinfektionsmittel zum Beispiel. „Das werden einige Kilos sein“, sagt Joel.

Es sei eher selten, dass Zahnmedizinstudenten ihre Semesterferien für solch ein Praktikum opfern. „Eigentlich zieht jeder sein Studium durch“, sagt Joel. „Tonga ist schon ein bisschen Abenteuer.“ Sein Vater Ulrich Krümmelbein finde das Praktikum gut. „Er weiß, dass junge Ärzte im chirurgischen Bereich oft nicht so gut ausgebildet sind“, sagt der 25-Jährige.

Wenn sie im deutschen Frühjahr auf Tonga sind, ist dort übrigens Regenzeit. „Es wird also kein Strandurlaub“, sagt Lukas.

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