Zehn Jahre Tafel - 700 Kunden und lange Warteliste

Die Tafel Frankenberg besteht seit zehn Jahren. Anette Hoffmann (links) und Birgit Hesse gehören zu den 70 freiwilligen Helfern. Foto: Biedenbach

Frankenberg. Bei der Tafel Frankenberg versorgen 70 ehrenamtliche Mitarbeiter 700 hilfsbedürftigerKunden mit gespendeten Lebensmitteln, 318 Menschen stehen auf der Warteliste

Die Tafel Frankenberg besteht seit zehn Jahren. 70 ehrenamtliche Mitarbeiter versorgen derzeit über 700 hilfsbedürftige Kunden mit gespendeten Lebensmitteln, die meist kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit stehen. 12 000 Stunden unentgeltlicher Arbeit leisten die Helfer jährlich. 318 Hilfsbedürftige stehen auf der Warteliste der Tafel. Doch der Verein ist an seiner Leistungsgrenze angelangt.

Über die Entwicklung der Tafel, über die große Nachfrage Hilfeberechtigter und warum sie nicht alle Lebensmittel bekommen können, sprachen wir mit dem Tafel-Geschäftsführer Hans-Jürgen Wilhelm, der seit Anfang an ehrenamtlich mitarbeitet.

Herr Wilhelm, was war vor zehn Jahren der Grund für die Gründung der Tafel?

Wilhelm: 2006 wollten das Dekanat Biedenkopf und die Biedenkopfer Tafel eine weitere im Oberen Edertal gründen. Man holte das Dekanat Frankenberg mit ins Boot. Wir wollten auch hier im Frankenberg Land etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun und gleichzeitig Bedürftige unterstützen.

Das gilt auch heute so?

Wilhelm: Ja. Der Grundsatz lautet weiterhin: verteilen statt vernichten. Wir holen Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft, bei den Geschäften ab und stellen sie den Kunden zur Verfügung.

Wie hat sich die Tafel entwickelt?

Wilhelm: Am Anfang war noch viel improvisiert. Wir sind mit Privat-Pkw gefahren und hatten einen Bus ohne Kühlung. Räumlich waren wir sehr beengt. Unsere Kunden mussten aus dem Hof bei Wind und Wetter warten. Dann kam im Laufe des Jahres unser erstes Kühlfahrzeug, das von Mercedes, den Lions und weiteren Spendern gesponsert wurde. Mittlerweile haben wir zwei Kühlfahrzeuge, um die Vorgaben der Lebensmittelsicherheit der EU einzuhalten.

Es kamen ja auch neue Ausgabestellen hinzu?

Wilhelm: Unser erster Tafelladen war im alten Bootshaus in der Hengstfurt. Dann kamen die Ausgabestellen Battenberg, Hallenberg und Gemünden dazu. Unser Umzug in die Auestraße 19 folgte 2012. Auch ein Kühlhaus für Tiefkühlware wurde angeschafft.

Seit einigen Jahren ist die Tafel an ihrer Belastungsgrenze angelangt.

Wilhelm: Aktuell haben wir 703 Kunden, davon sind 48 Prozent Asylbewerber. Durch die große Nachfrage von Asylbewerbern haben wir 197 Erwachsene und 121 Kinder auf einer Nachrückerliste. Da nicht viele auf unsere Versorgung verzichten können, sieht es mit dem Abbau der Liste schlecht aus und wir können Nachrückern nur wenig Hoffnung auf Aufnahme machen.

Hat das zu Unmut heimischer Hilfeberechtigter gegenüber Asylbewerber geführt?

Wilhelm: Etwas Unmut kam am Anfang der Flüchtlingswelle auf, da viele Flüchtlingshelfer die Asylbewerber zur Tafel geschickt haben. Da standen manchmal 30 Flüchtlinge, die von uns Lebensmittel haben wollten. Dazu kamen sprachliche und kulturelle Probleme. Mittlerweile haben wir das einigermaßen im Griff.

Viele Hilfeberechtigte stehen auf der Warteliste. Warum werden nicht alle aufgenommen, sodass alle Waren erhalten, aber in längeren zeitlichen Abständen?

Wilhelm: Wir können aufgrund der zur Verfügung stehenden Lebensmittel und der ehrenamtlichen Mitarbeiter nur bis zu 750 Kunden versorgen. Ein größerer zeitlicher Abstand ist organisatorisch und kundenspezifisch nicht möglich. Bei der Neuaufnahme gehen wir strikt nach Liste vor. Manche Bewerber sind nicht immer telefonisch erreichbar, sodass wir warten müssen, bis sie auf uns zukommen. Ein anderes Vorgehen führt zu Unmut.

Mehr zur Entwicklung der Frankenberger Tafel und zum Einsatz der ehrenamtlichen Helfer in der gedruckten Freitagausgabe der Frankenberger Allgemeine

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