Zerrissene Hose: Ehestreit landete vor dem Frankenberger Amtsgericht

Frankenberg. Am Ende ging es um Details: Hatte sie sich die Hose selbst heruntergezogen oder wurde sie heruntergerissen?

Hatte er sich nur verteidigt oder war die Todesangst seiner ehemaligen Lebensgefährtin berechtigt?

Am Donnerstag wurde vor dem Amtsgericht in Frankenberg ein Streit unter ehemaligen Ehepartnern verhandelt, der eskaliert war. Da eine sexuelle Vergewaltigung in dem Vorfall vom Gericht nicht ausgeschlossen werden konnte, entschied Richterin Andrea Hülshorst, den Vorfall an ein Schöffengericht zu verweisen.

Dem 30-jährigen Mann aus dem Altkreis Frankenberg wurde zunächst vorgeworfen, seine damalige Partnerin im Februar dieses Jahres verletzt und genötigt zu haben. Er beteuerte seine Unschuld: „Ich habe sie in zehn Jahren nicht einmal geschlagen.“

Das Pärchen hatte sich zunächst in der Nacht gestritten: Das vermeintliche Opfer wollte sich von dem Angeklagten trennen. Als sie ihm allerdings gestand, dass sie bereits fremd gegangen war, sei der Streit laut Aussage der Frau eskaliert. Er habe sie geschüttelt, auf das Sofa gedrückt und an ihrer Hose gerissen. „Ich hatte Todesangst“ erklärte sie vor Gericht. Er habe auf ihr gesessen, ihr die Luft abgedrückt und sie sexuell genötigt, schilderte sie den Vorfall. Weitere Aussagen der Frau, die inzwischen getrennt von ihrem ehemaligen Ehemann lebt, wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit aufgenommen.

Während der Aussage betrachtete der Angeklagte seine ehemalige Partnerin im Gerichtssaal mit einer Mischung aus Desinteresse und Skepsis: Mal schaute er gelangweilt umher, mal blickte er seine ehemalige Frau zweifelnd an.

Zuvor hatte er die Vorwürfe bestritten. Er habe sie geschüttelt, aber nicht weiter verletzt, geschweige denn die Hose heruntergerissen. „Die hat sie selber ausgezogen“, beteuerte der Mann. Stattdessen habe sie ihn gebissen, gekratzt und geschlagen. Er habe sich über sie gebeugt und ihre Arme festgehalten, um sich zu verteidigen. Dass er sie im Genitalbereich berührt hatte, bestritt er nicht. Seine Begründung: „Ich wollte sie rausekeln.“

Auch ärztliche Bescheinigungen konnten den Sachverhalt nicht klären, da sowohl Hämatome bei dem vermeintlichen Opfer und auch Kratzspuren bei dem Angeklagten bestätigt wurden. (bdi)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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