Kein Drängeln, kein Stress

Frankenberger Tafel versorgt ihre Kunden nach gut organisiertem Zeitplan

Ruhe vor dem Sturm: Wenige Minuten, bevor die Fahrer mit ihren eingesammelten Lebensmitteln im Tafelladen eintreffen, macht sich im Sortierraum ein vielköpfiges Helferteam bereit, das mehrere hundert Körbe füllen wird. Dennoch sucht der Verein ständig weitere ehrenamtliche Hilfskräfte. Foto: Völker

Frankenberg. Während in verschiedenen Tafel-Einrichtungen deutscher Städte ein Ausländerstopp bei der Ausgabe  von Lebensmitteln kontrovers diskutiert wird, ist dies Verteilungsproblem in Frankenberg kein Thema.

 „Bei uns sind alle willkommen. Alle, die auch alle anderen respektieren. Wir engagieren uns für Teilhabe und Integration“, heißt es auf dem Schild, das in dem kleinen Warteraum vor der Ausgabestelle der „Frankenberger Tafel“ in der Auestraße 19 hängt.

Es ist das Motto des gemeinnützigen Tafel-Vereins, der in der Frankenberger Region mit gespendeten Lebensmitteln aus Märkten und Bäckereien derzeit 766 bedürftige Kunden versorgt, davon 45 Prozent Asylbewerber. „Ohne Probleme“, wie Dekanin Petra Hegmann als Vereinsvorsitzende auf Anfrage der HNA versichert.

Während zurzeit in verschiedenen Tafel-Einrichtungen deutscher Städte ein Ausländerstopp bei der Ausgabe von Berechtigungen zum Empfang von Lebensmitteln kontrovers diskutiert wird, ist dies Verteilungsproblem in Frankenberg kein Thema. „Wir hatten vor drei Jahren ganz am Anfang der Migrantenankunft auch in Frankenberg eine Riesennachfrage durch Asylbewerber“, berichtet Tafelkoordinator Hans-Jürgen Wilhelm. Aber wir konnten das mit Hilfe von Übersetzern ganz schnell in den Griff bekommen.“

Aktuell: Auf der Nachrückerliste stehen derzeit 128 Bewerber, davon 90 Prozent Asylsuchende. „Unsere Kapazitätsgrenze liegt bei 750 Kunden“, sagt Wilhelm.

Warten auf Namensaufruf

Ein Besuch in der Frankenberger Tafel an einem ganz normalen Donnerstag, kurz nach 14 Uhr: Da warten hier Deutsche und Asylbewerber gemeinsam auf ihren Namensaufruf. Die Atmosphäre ist stressfrei und freundlich. Es gibt einen genauen, eng getakteten Zeitplan, in dem jeder mit seiner Berechtigungskarte angemeldet ist. Drängeln ist also unnötig. Pro versorgte Person ist ein Euro zu entrichten.

„Wir haben natürlich die Erwartung, dass sich alle an die bei der Tafel geltenden Regeln halten. Das funktioniert bei uns gut.“

Dekanin Petra Hegmann

Die von den ehrenamtlichen Fahrern eingesammelten und angelieferten Nahrungsmittel sind seit dem Morgen von einer großen Schar von Tafel-Helferinnen und Helfern im Sortierraum in Körbe gepackt worden. Inhalte wurden anonym für Einzelpersonen oder „Bedarfsgemeinschaften“ sortiert. Die Empfängerliste vermerkt genau, wer einen Korb ohne Schweinefleisch erhalten soll. „Schon, dass jeder Kunde 14-tägig seinen Tag mit fester Uhrzeit hat, erleichtert uns die Ausgabe ungemein“, sagt Hans-Jürgen Wilhelm.

Rücksichtsloses oder auffälliges Verhalten habe es bisher nicht gegeben. „Wir haben natürlich die Erwartung, dass sich alle an die bei der Tafel geltenden Regeln halten“, sagt Dekanin Hegmann. „Das funktioniert bei uns gut. Ich beobachte ein gegenseitiges Aufeinander-Zugehen.“

Und entsprechend ist auch die Reaktion der Kunden im Tafelladen. „Wir bekommen hier nicht nur eine große materielle Hilfe zum Leben für uns und unsere Familien,“, sagt der Syrer Hayri Bilal. „Wir werden hier auch sehr freundlich behandelt.“ Und er bedankt sich höflich bei dem Damenteam mit den roten Schürzen, das ihn offensichtlich kennt und ganz persönlich mit Namen anspricht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.