Jochen Bittner beim Literarischen Frühling

Frankenberger Zeitredakteur schildert, "was die zerstrittene  Republik wieder eint"

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Was die zerstrittene Republik wieder eint: Thesen dazu trug der in Frankenberg aufgewachsene Dr. Jochen Bittner beim Literarischen Frühling vor.

Frankenberg – Der gebürtige Frankenberger Dr. Jochen Bittner stellte während des Festivals Literarischer Frühling in Frankenberg sein Buch  "Zur Sache, Deutschland" vor. 

„Er ist ein Sohn der Stadt Frankenberg, der in die Ferne zog und dort berühmt wurde – wie früher in den Grimmschen Märchen.“ So stellte Moderator Klaus Brill den Zeit-Redakteur Dr. Jochen Bittner vor, der beim Literarischen Frühling zu seinem druckfrischen Buch „Zur Sache, Deutschland!. Was die zerstrittene Republik wieder eint!“sprach.

„Wir dürfen die wichtigen Themen nicht den falschen Leuten überlassen“, lautet das Hauptanliegen des 46-Jährigen, der seit 18 Jahren im Politikressort der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“ arbeitet und derzeit auch Gastkommentare in der New York Times schreibt.

Diese „toxischen Themen“, „die heißen Eisen“, das sind für Bittner unter anderem Migration, Islam, Integration, Heimat und Journalismus. Die falschen Leute – gemeint sind Populisten, insbesondere die AfD – sprächen, manchmal durchaus zu recht, Problemthemen wie Islamkritik an, hätten aber kein Interesse an Lösungen, sondern profitierten von der Panikmache, die sie betrieben. Die Mitte müsse diese kritischen Sachfragen thematisieren, statt, wie bisher oft geschehen, „moralisch drumherum zu reden“. Sie müsse nach Lösungen suchen, so Bittners dringender Appell.

Auch Journalisten hätten oft zu unkritisch und einseitig berichtet – „aus einer pädagogischen Mission heraus, den Deutschen noch mehr Fremdenfreundlichkeit beizubringen“, sagte der Zeit-Redakteur und nannte als Beispiel die zunächst sehr zurückhaltende Berichterstattung nach den sexuellen Übergriffen nordafrikanischer Männer auf Frauen in der Silvesternacht 2015/16 in Köln.

Auch eine solche Haltung spiele der AfD zu. Die Menschen wollten, dass Missstände klar benannt werden. Sie seien deshalb nicht gleich fremdenfeindlich oder Faschisten. Es sei jetzt dringend an der Zeit, öffentlich um Lösungen zu ringen, auch gerne in sachlichem Streit. Die „Zeit“ wird im September das neue Ressort „Streit“ einführen, dessen Leitung Bittner gemeinsam mit Charlotte Parnack übernimmt.

Noch sei Deutschland nicht so tief gespalten wie etwa England, schilderte der Journalist weiter. Dass dort im Juni 2016 eine Mehrheit für den Brexit stimmte, hat nach seiner Einschätzung auch zu tun mit der Flüchtlingskrise und den Bildern von den vielen tausend Menschen, die zu Fuß über den Balkan in Richtung Deutschland unterwegs waren. Ein Teil der englischen Bevölkerung, vor allem die Landbevölkerung, wollte nach dem Zuzug von Ausländern aus den Commonwealth-Ländern und aus Osteuropa keine weitere Masseneinwanderung. „Wir kennen unser Land schon jetzt nicht wieder“, hätten viele gesagt.

Wie Bittner die Lage in Deutschland einschätzt, welche konkreten Vorschläge er macht, das kann man in seinem ebenso klugen wie gutgeschriebenen Buch nachlesen. Bittner erhielt ebenso wie Moderator Klaus Brill, viel Beifall von den fast 100 Zuhörern im Hotel Die Sonne Frankenberg.

Am Montagabend war er dort erneut beim Literarischen Frühling dabei: Er interviewt Ahmad Mansour zu dessen Buch „Klartext Integration“ (Bericht folgt).

Das Buch: Jochen Bittner: Zur Sache, Deutschland. Edition Körber, Hamburg 2019, ISBN 978 3 89684 270 1, 18 Euro.

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