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Maskenpflicht fällt ab 2. April in vielen Bereichen: Erste Reaktionen aus Waldeck-Frankenberg

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Von: Philipp Daum, Wilhelm Figge, Lutz Benseler, Klaus Jungheim

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Sind auf die fallende Maskenpflicht in Hessen vorbereitet: (von links) Nils und Harald Henkel vom Korbacher „Ideenfachgeschäft Henkel“.
Sind auf die fallende Maskenpflicht in Hessen vorbereitet: (von links) Nils und Harald Henkel vom Korbacher „Ideenfachgeschäft Henkel“. © Lutz Benseler

In Hessen fällt ab Samstag, 2. April, die Maskenpflicht in vielen Bereichen weg. Wir haben erste Reaktionen aus Waldeck-Frankenberg eingeholt.

Für die Kunden des Ideenfachgeschäfts Henkel in Korbach ist ab Samstag einkaufen ohne Maske möglich. „Wir sind uns aber einig, unsere Mitarbeiter werden weiter FFP2-Masken tragen“, sagt Harald Henkel.

Gerade in direkten Beratungsgesprächen sei das wichtig, um den Kunden Sicherheit zu bieten und ihr Vertrauen nicht zu verspielen. Henkel geht davon aus, dass viele Kunden weiterhin ihre Maske tragen werden. Ansonsten biete der Laden ausreichend Platz, um Abstände einzuhalten.

Der Wegfall der Maskenpflicht werde gemischte Effekte auf die Kinos haben, ist Jörg Wahhab vom „CineK“ in Korbach überzeugt: „Ich gehe davon aus, dass viele Angst haben, sich anzustecken. Andere, die nicht mit Maske ins Kino wollten, kommen hingegen zurück.“ Friedrich Bähr vom Willinger Kino sieht es ähnlich: „Nicht jeder kann sich vorstellen, im Kino Maske zu tragen. Das hat sicher viele vom Kinobesuch angehalten.“ Wer wünsche, könne aber gerne weiter mit Maske kommen, um sich und andere zu schützen.

Um ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln, möchte Jörg Wahhab die Abstandsregelungen im Kino noch beibehalten: Die Säle seien groß genug und im Moment liefen ohnehin nicht die Filme, um sie auszuverkaufen. Friedrich Bähr beobachtet, dass – auch wenn die Abstandsregeln seit 4. März schon passé sind – die Gäste sie im Kinosaal freiwillig einhalten.

Der Wegfall von Kontrollen auf den 3G-Status spare Arbeitsaufwand und verhindere Warte-Schlangen, sagt Wahhab. Bähr gibt zu bedenken, dass in der aktuellen rechtlichen Lage niemand wisse, wo die Reise hingehe: Wie setzt Hessen die Regeln um? Und wer wird zum Hotspot? Alle Erleichterungen könnten sich ganz schnell erledigen.

„Einerseits freut man sich“, sagt der Dehoga-Kreisvorsitzende Christian Gerlach über den Wegfall der Masken- und Kontrollpflichten, die für Gäste wie Mitarbeiter belastend gewesen seien: „Anderseits hat man Bedenken wegen der Inzidenzen und Angst, dass man Ostern ohne Personal dasteht, weil alle krank sind.“ Im eigenen Betrieb, dem Flair-Hotel Werbetal in Nieder-Werbe, sei er froh, sich mit den Mitarbeitern einig zu sein: Im Kontakt mit Kunden wird weiter Maske getragen.

Wie die Kollegen im Waldeck-Frankenberger Gastgewerbe das sehen, wird diese Woche bei einer Dehoga-Versammlung diskutiert. Strenggenommen könne jeder Betrieb über das Hausrecht Masken und Nachweise verlangen, doch befürchtet Gerlach dann viele unnötige Diskussionen mit Gästen – die im Zweifel auch auf andere Betriebe ausweichen. „Das einzige, was schützt, ist die eigene Maske bei den Angestellten“, hält er fest. Er gehe davon aus, dass auch gerade manch älterer Gast daran festhalten werde, eine zu tragen.

Der ein oder andere Besucher, dem Masken und Nachweise zuwider waren, werde zurückkommen. Es könne auch passieren, dass mancher aus gestiegener Angst vor einer Ansteckung wegbleibe – wie in den vergangenen Sommern sei es auch denkbar, dass viele Gäste die Terrassen bevorzugen, während Innenräume teils leer bleiben. Er glaube nicht, dass es wieder einen „Boom“ gebe, eher einen „verhaltenen Aufschwung“.

Eine ganz andere Sache macht ihm Sorgen: „Alles wird teuer“, verweist Gerlach auf die Folgen der Ukraine-Krise: „Bei den Sprit-Preisen kann es sein, dass der Tagesausflugs-Verkehr abnimmt.“ Oder dass die Leute zwar an den Edersee fahren, aber nicht essen gehen: „Bei Restaurant-Besuchen wird als erstes gespart.“

„Senioren sind besonders schützenswert“

In Alten- und Pflegeheimen in Hessen muss dagegen auch über den 2. April hinaus ein Mund-Nasenschutz getragen werden.

„Wir befürworten die fortbestehende Maskenpflicht in Pflegeeinrichtungen. Zunächst einmal gehören die in unserem Hause lebenden Senioren zu einer Risikogruppe und sind daher besonders schützenswert“, sagt Ribana Klabunde, Leiterin des Alten- und Pflegeheims „Haus am Nordwall“ in Korbach. Des Weiteren wolle man auch für die Mitarbeiter bestmögliche Sicherheit bieten – zum eigenen Schutz wie Vermeidung einer Virusverbreitung in der Einrichtung.

„Solange das Infektionsgeschehen diese Ausmaße hat und die Infektionszahlen so hoch sind, hoffen wir, dass sowohl die Verpflichtung zum Tragen einer Maske wie auch die Vorlage eines negativen Testergebnisses bestehen bleiben“, fügt Ribana Klabunde hinzu.

Im Haus am Nordwall gebe es nach wie vor von Montag bis Freitag sowie am Wochenende feste Testzeiten, die es Besuchern ermöglichten, den Antigen-Schnelltest bequem vor Ort durchzuführen. Die aktuellen Besuchs- und Testzeiten stünden auf der Homepage.

Weiter mit Maske in Bussen und Bahnen

In Bussen und Bahnen gilt die Maskenpflicht in Hessen auch nach dem 2. April weiterhin. „Bei der Anwendung der Gesetze und Verordnungen durch das Land Hessen und den Bund gibt es keine Spielräume für die Verkehrsverbünde. Sie haben die Vorgaben umzusetzen. Dies gilt auch für die Basismaßnahmen.“ Dies betonte Sabine Herms, Pressesprecherin des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV).

Im aktuellen Fall habe die Landesregierung mitgeteilt, dass die Maskenpflicht weiterhin im Öffentlichen Personennahverkehr und Fernverkehr gelte. Bisher gebe es die Vorgabe, „im ÖPNV medizinische Masken zu tragen, FFP2-Masken werden empfohlen“. Behelfsmasken, Schals oder Tücher seien unzulässig.

Sabine Herms (Pressesprecherin des NVV)
Sabine Herms (Pressesprecherin des NVV) © Andreas Fischer

Müssen Masken im Bus oder Zug nur noch auf dem Weg zum Sitzplatz getragen werden, dort dann aber nicht mehr? Sabine Herms sagt dazu: „Bisher sind uns keine Abweichungen von der bisherigen Anwendung bekannt.“

Zur Kontrolle der Vorgabe sagte die NVV-Sprecherin: „Wir werden die bewährte Praxis in gleichem Umfang mit einem externen Sicherheitsdienstleister fortsetzen.“

Die neuen Regeln

Folgendes gilt in Hessen ab 2. April und vorerst bis 29. April:

Maskenpflicht:

- in Arztpraxen und Krankenhäusern (nicht für stationäre Krankenhauspatienten)

.- in Alten-/Pflegeheimen

- bei Pflege- und Rettungsdiensten

.- in Bussen und Bahnen

- in Sammelunterkünften wie Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften.

Testpflichten:

- für Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie Sammelunterkünften.

- Ausnahmen durch Einrichtungsleitung für Geimpfte, Genesene und aus sozialethischen Gründen möglich

- Bewohnertestungen (insbesondere in Pflegeheimen) können bei einem Ausbruchsgeschehen ggf. anlassbezogen vom zuständigen Gesundheitsamt angeordnet werden.

- In Schulen werden Lehrer und Schüler weiter dreimal wöchentlich getestet.

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