Friseure dürfen wieder öffnen: So war der erste Tag in Waldeck-Frankenberg

Barbershop von Battal Karacoban (links) in Frankenberg, Masken, Corona
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Battal Karacoban (links) in seinem Barbershop in der Frankenberger Bahnhofstraße.

Wochenlang haben viele Kunden auf einen Termin beim Friseur warten müssen. Nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen dürfen die Salons seit Montag wieder öffnen. Am ersten Tag war für Friseure und Kunden aber noch vieles ungewohnt.

Wir haben bei Friseuren in Waldeck-Frankenberg nachgefragt, was jetzt für die Friseure bei ihrer Arbeit neu ist und was sich für die Kunden geändert hat.

Mundschutz

„Wir und die Kunden müssen Mundschutz tragen“, sagt Battal Karacoban, der in Frankenberg den „Hairclub“ und einen Barbershop betreibt. Unter der Maske zu arbeiten, sei gewöhnungsbedürftig. Und es sei schwierig, den Kunden die Haare hinter den Ohren zu schneiden, wenn dort das Gummiband der Maske sitzt. Deshalb hätten sich viele Kollegen etwas einfallen lassen.

Simone Umbach, Inhaberin des Salons „Happy Hair“ in Bad Arolsen, berichtet beispielsweise von Kaffeefiltertüten, im Innern noch durch Servietten ausgefüllt, die mit doppelseitigem Klebeband von den Kunden aufs Gesicht geklebt werden. So können die Friseure besser arbeiten. Bartschneiden ist wegen der Masken nicht möglich und derzeit auch nicht erlaubt.

Hygiene

Auf sechs DIN-A4-Seiten hat die Berufsgenossenschaft ausgearbeitet, woran sich seit Montag alle in der Friseurbranche halten sollen, berichtet Simone Umbach. Dabei sei jeder auf sich allein gestellt gewesen bei der Beschaffung von Desinfektionsmittel, Einmal-Umhängen und Einmal-Handschuhen. Zeitschriften und Getränke sind nicht erlaubt und es gibt keinen Wartebereich zum Sitzen. Viele Friseure schließen deshalb ihre Eingangstür ab und lassen die Kunden erst herein, wenn sie an der Reihe sind.

Mit Mundschutz: Friseure und ihre Kunden müssen derzeit Masken tragen. 

Zur vorgeschriebenen Hygiene gehört jetzt auch, dass jedem Kunden vor dem Haarschnitt die Haare gewaschen werden müssen. Dass die Kunden das selbst zuhause machen, reiche laut der Regeln nicht aus, sagt Battal Karacoban. Nicht nur deshalb hält er viele Corona-Vorschriften für die Friseurläden für unangemessen: „Wir versuchen es, aber das lässt sich nicht alles zu 100 Prozent umsetzen. Die Welt sieht in der Praxis anders aus als in der Theorie. Hier arbeiten Menschen, keine Maschinen.“

Auch Ümit Kahyar-Tandler, der den Salon Ümit in Korbach betreibt, empfindet die Vorgaben als teils zu streng. Die Friseure hätten immer hygienisch gearbeitet, jetzt müssten die Hände noch häufiger gewaschen und desinfiziert werden. Das mache die Haut kaputt, sagt er.

Abstand

Um die nötigen Abstände zwischen den Kunden einzuhalten, mussten viele Friseursalons die Zahl ihrer Plätze reduzieren. In Ümit Kahyar-Tandlers Salon in Korbach sind es jetzt noch 9 statt 15 Plätze. Am Samstag hat er mit seinem Team alles ausgemessen, Schilder und Aufkleber angebracht, alles gereinigt und desinfiziert. Und schon da hätten Kunden geklopft und gefragt, ob sie nicht schon bedient werden könnten, erzählt er.

Abstand zwischen den Sitzplätzen: Ümit Kahyar-Tandler hat in seinem Korbacher Salon alles ausgemessen. Neun von 15 Plätzen darf er nutzen. Foto: Julia renner

Battal Karacoban beschäftigt in seinen beiden Salons in Frankenberg insgesamt zehn Mitarbeiter, die er jetzt im Schichtbetrieb tageweise einsetzt, weil in seinem „Hairclub“ jetzt nur noch an sechs statt zehn Plätzen gearbeitet werden darf. Seit April sind einige seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Preise

Battal Karacoban, Simone Umbach und Ümit Kahyar-Tandler haben alle Preise pauschal um 2 Euro erhöht, um die zusätzlichen Ausgaben für Hygieneartikel wie Einmal-Umhänge und Desinfektionsmittel zu bezahlen. „Der Friseur-Großhandel hat seine Preise erhöht, deshalb sehen wir uns auch dazu gezwungen“, bittet Karacoban um Verständnis. Die 5 Euro, die manche Salons jetzt mehr verlangen würden, hält er für zu viel.

Termine

Vor Karacobans Barbershop in der Frankenberger Bahnhofstraße standen die Kunden am Montag auf dem Bürgersteig Schlange – hier kann man ohne Termin zum Haareschneiden kommen. Es dürfen aber nur vier Kunden gleichzeitig in den Laden.

Auch in seinem „Hairclub“ im Schnödeweg sei der Andrang groß, berichtet der Chef. „Eigentlich sind wir für die nächsten zwei Monate bis auf ein paar Lücken ausgebucht.“ Schon Anfang April, als der Laden seit etwa zwei Wochen zu war, hätten die ersten Kunden wieder nach Terminen gefragt. „Wir konnten unseren Kunden aber bis letzte Woche nicht sagen, ob ihre Termine klappen, weil die Politiker lange Zeit nicht konkret geworden sind“, ärgert sich Karacoban.

Schwierig sei es nun für die Kunden, die eigentlich im April einen Termin hatten, als die Läden geschlossen waren. „Die versuchen wir jetzt dazwischen zu schieben.“ Um den Terminstau irgendwie abzuarbeiten, hat der Hairclub ausnahmsweise gestern, an einem Montag, aufgemacht. Einige Kunden werden jetzt trotzdem länger auf einen Termin warten müssen. „Manche werden deshalb sauer sein, aber das ist nicht unsere Schuld“, stellt Battal Karacoban klar.

Und einige Kunden hätten am Montag gestutzt, weil sie jetzt ihre Kontaktdaten sowie die Uhrzeit des Termins aufschreiben müssen. Damit kann gegebenenfalls eine Infektionskette nachvollzogen werden. "Es wird zwei bis drei Wochen dauern, bis sich alle an die Veränderungen gewöhnt haben", sagt Karacoban.

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