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Fritzlars Geburtshilfe bundesweit mit vorne: wenig Kaiserschnitte

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Von: Maja Yüce

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Mehr als 600 Kinder kamen bis Anfang November im Heiliggeist-Hospital 2022 zur Welt, die weitaus größte Zahl auf natürlichem Weg.
Mehr als 600 Kinder kamen bis Anfang November im Heiliggeist-Hospital 2022 zur Welt, die weitaus größte Zahl auf natürlichem Weg. © dpa/Archiv

Das Fritzlarer Hospital spielt mit seiner Geburtenstation bundesweit in der ersten Liga: die Kaiserschnitt-Rate liegt bei nur 14,1 Prozent.

Fritzlar – Das entspricht der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dies sei im bundesweiten Vergleich eine herausragende Leistung des Hospitals, attestierte jetzt die stellvertretende Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne). Zum Vergleich: Deutschland hat eine durchschnittliche Kaiserschnitt-Rate von 31 Prozent.

„Es ist ein absolutes Qualitätskriterium des Hospitals“, betont Kappert-Gonther. Denn: Nach aktueller Studienlage sei eine natürliche Geburt vorteilhafter als ein Kaiserschnitt – sowohl in Bezug auf die Zufriedenheit und Erfülltheit der Mutter nach der Geburt als auch bei den langfristigen Folgen für Mutter und Kind.

Kaiserschnitt heute sichere Methode, aber trotzdem mit Risiken verbunden

Auch wenn der Kaiserschnitt heute eine sichere Geburtsmethode darstelle, so sei er mit bestimmten gesundheitlichen Risiken verbunden, erklärt Dr. Bertram Stitz, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Hospital: „Es ist eine offene Bauchoperation.“ Zu deren Risiken gehören zum Beispiel Infektionen, Wundheilungsstörung und Thrombosen. Auch für das Kind gebe es Risiken, etwa für das Atmungssystem um die Lunge. Und: Kinder, die per Kaiserschnitt geboren würden, hätten ein höheres Risiko für Diabetes- und Darmerkrankungen sowie für Fettleibigkeit, erklärt Stitz.

Eine weitere Besonderheit des Hospitals: 75 Prozent der Kinder, die nicht mit dem Kopf nach unten im Mutterleib liegen, sondern mit dem Steiß, werden trotzdem natürlich entbunden – „wenn dieser Weg das niedrige Risiko birgt“, schränkt Stitz ein. Auch diese Bilanz spreche für eine große Expertise und eine hohe geburtshilfliche Kunst, betont Kappert-Gonther. „Einer Klinik, die so vorbildlich arbeitet, muss geholfen werden“, betonte die Expertin bei ihrem Besuch im Hospital mit Blick auf die finanzielle Unterstützung insbesondere für die Geburtshilfe. Bund, Land und Kreis müssten sich dafür einsetzen, dass die Klinik langfristig erhalten bleibe.

60 Prozent der Kinder im Schwalm-Eder-Kreis kommen in Fritzlars Hospital zur Welt

Rein rechnerisch wurden im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar in diesem Jahr bislang täglich fast zwei Kinder geboren. Mehr als 600 kamen schon in diesem Jahr in dem Krankenhaus zur Welt. Das gilt als stattliche Anzahl für eine Klinik im ländlichen Raum – mit 60 Prozent der Entbindungen im Schwalm-Eder-Kreis trägt die Klinik die Hauptlast und empfängt darüber hinaus auch viele werdende Eltern aus benachbarten Kommunen in Waldeck-Frankenberg.

Das Hospital erhält in Kappert-Donkers Stellungnahme Rückendeckung wenige Tage nach einem Sturm im Wasserglas. Im Wiesbadener Landtag hatte die Linken-Fraktion – irrtümlich wie sich rasch zeigte – behauptet, die Fritzlarer Geburtsstation stehe vor dem Aus. Sie forderte Unterstützung.

Hospital ringt um „gerechte, ausgewogene Finanzierung der Geburtshilfe

Dr. Carsten Bismarck, Geschäftsführer des Hospitals, wehrte sich dagegen, das Krankenhaus durch so eine Falschmeldung für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Die Forderung nach größerer Unterstützung für die Geburtshilfe erhebt er gleichwohl: „In Fritzlar kämpfen wir um eine gerechte, ausgewogene Finanzierung der Geburtshilfe. Richtig ist, dass unsere Kompensationsmöglichkeiten infolge der bekannten Situation schwinden und weitere Kostensteigerungen schwer abgefangen werden können“, erklärt er.

Jährliche Haftpflichtprämie auf 300 000 Euro verdreifacht

Als ein Beispiel für eine gravierende Kostensteigerung nennt der Klinikchef die jährliche Prämie für die Haftpflichtversicherung der Geburtshilfe: „Sie ist um 100 000 auf 300 000 Euro gestiegen.“ Diesen Preissprung bekomme man aus den Erlösen der Geburtshilfe nicht refinanziert. Und im Hospital muss die Geburtsklinik aus den eigenen Finanztöpfen querfinanziert werden, weil es dort, anders als in anderen Krankenhäusern, keine pauschale Förderung dafür gibt.

Bis Oktober zählte das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar 601 Geburten, davon 85 Kaiserschnitte. Bei drei Kindern kam die Saugglocke zum Einsatz, bei 21 die Geburtszange. Laut Gesellschaft für Gynäkologie wirkt sich die Hälfte der Kaiserschnitte in Deutschland auf die Mütter- und Säuglingssterblichkeit oder auf das Vermeiden von Folgeerkrankungen positiv aus im Vergleich zur natürlichen Geburt. (Maja Yüce)

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