Früherer Rektor und Wandervereins-Chef Walter Sellmann wird 80

In seinem Arbeitszimmer in Allendorf-Eder: Der frühere Rektor der Mittelpunktschule und langjährige Vorsitzende des Gebirgs- und Wandervereins Oberes Edertal, Walter Sellmann, vollendet heute sein 80. Lebensjahr. Foto: Hoffmeister

Allendorf-Eder. 38 Jahre lang stand er an der Spitze des Gebirgs- und Wandervereins Oberes Edertal. Als Heimatforscher hat er die Wüstung Bennighausen entdeckt und an den Ortsjubiläen von Rennertehausen und Allendorf maßgeblich mitgewirkt. Am 13. April vollendet Walter Sellmann, der frühere Rektor der Mittelpunktschule Allendorf, sein 80. Lebensjahr.

„Einen Hansel muss es geben“, sagt Sellmann flapsig über sein mit Worten kaum zu fassendens ehrenamtliches Engagement. Auch heute sitzt er noch täglich am Schreibtisch und stöbert in historischen Unterlagen. Für die evangelische Kirchengemeinde ist er nach wie vor engagiert. „Aber nicht mehr offiziell“, schränkt er ein.

Die Augen des früheren Rektors leuchten, als die Rede auf das Filmprojekt „Landleben“ des Hessischen Rundfunks kommt. In Dokumentarfilmen stellte Regisseurin Birgit Sommer mit tatkräftiger Hilfe der Rennertehäuser Bevölkerung das Leben im Dorf zu Großmutters Zeiten nach. Walter Sellmann war mittendrin, zog aber auch viele Strippen im Hintergrund.

„Ich habe meine Wurzeln im dörflichen Leben und in der Landwirtschaft“, blickt Sellmann auf seine Jugend zurück, die er in Rennertehausen erlebte. Dort lernte er schon zu Kinderzeiten seine Ehefrau Gertrud kennen. Die Eheleute sind inzwischen fast 60 Jahre verheiratet. Wandern und Reisen war über Jahrzehnte das gemeinsame Hobby, bis die Gesundheit der Ehefrau Einschränkungen verlangte. Doch auch heute sind die Eheleute Sellmann jeden Tag zumindest eine Stunde an der frischen Luft.

„Vier Erdteile haben wir erkundet. Am eindrucksvollsten war es in Südamerika“, erinnert sich Walter Sellmann. Die zahlreichen Reisen hat der Hobbyfotograf auch dokumentiert. Etwa 100 000 Dias, so schätzt er, erzählen davon. „Das ist so eine Art Tagebuch.“

Eigene Kriegserfahrungen und die seines Vaters im Hinterkopf, genieße er „die friedliche Zeit und einen gewissen Wohlstand“, sagt Sellmann. Er hat aber auch erst im vergangenen Jahr an traumatische Erlebnisse bei der Bombardierung seines Heimatdorfes Rennertehausen am 6. Oktober 1944 mit neun Todesopfern erinnert und dafür noch lebende Augenzeugen zusammengebracht (HNA berichtete).

Eines der wichtigsten Ereignisse sei für ihn die deutsche Wiedervereinigung 1989 gewesen. Schon seit 1980 reiste die Familie Sellmann regelmäßig in die frühere DDR. Seinen Freund Jürgen Stötzel hatte er dafür - mit dessen Einverständnis - zum Cousin erklärt, um eine Reiseerlaubnis zu bekommen. „So haben wir schon vor der Wiedervereinigung das Elbsandsteingebirge, Rügen und den Harz erkundet. Wenige Monate nach der Wiedervereinigung reiste die Familie Sellmann mit einer großen Gruppe des Wandervereins nach Erfurt, zum Rennsteig und nach Weimar. „Als ich dort war und das Goethe- und Schiller-Denkmal gesehen habe, da war mir klar: Hier ist die Mitte Deutschlands.“

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