Wirtschaftsbericht

Für den Goddelsheimer Lukas Wenzel ist Maurer der Traumberuf: Drei Generationen, drei Meister

Meisterriege im Handwerk: (von links) Lukas, Erich und Andreas Wenzel haben im Familienbetrieb Wenzel-Bau alle den Maurermeister gemacht – die Nachfolge ist gesichert.
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Meisterriege im Handwerk: (von links) Lukas, Erich und Andreas Wenzel haben im Familienbetrieb Wenzel-Bau alle den Maurermeister gemacht – die Nachfolge ist gesichert.

„Und die Erde bewegt sich doch“ ist der Slogan von Wenzel-Bau in Goddelsheim. Auch der Betrieb bewegt sich: Die Nachfolge ist gesichert, drei Generationen haben den Meisterbrief.

Lichtenfels-Goddelsheim – Während andere kleinere Handwerksfirmen händeringend nach Nachfolgern suchen, mischt der Nachfolger in dritter Generation bei Wenzel-Bau längst aktiv mit: Der 22-jährige Lukas Wenzel hat gerade seinen Meister im Maurerhandwerk gemacht.

Damit folgt er dem Beispiel seines Vaters, Maurermeister Andreas Wenzel (54) und seines Opas, Maurer- und Betonbaumeister Erich Wenzel (76). Sein Ziel: „Den Betrieb übernehmen“.

Für Lukas war schon früh klar, dass die Technik und Arbeit auf den Baustellen seins ist. „Schon als er zwei war, hatte seine Schubkarre einen Motor“, sagt Oma Irmgard Wenzel (72). „Als Siebenjähriger stand er in den ersten Sommerferien früh um 6 Uhr auf, um mit auf die Baustellen zu fahren“, sagt seine Mutter Heike (50), „er ist da so reingewachsen“. Gelernt hat er bei Firma Fisseler in Korbach und war noch knapp zwei Jahre Geselle, ehe er mit der Meisterschule in Arnsberg begann. Wegen Corona wurde die Freisprechung verschoben – vorerst hält er anstatt eines Meisterbriefes aus Papier eine Chipkarte aus Plastik in den Händen.

„Es ist nicht mehr üblich, dass Kinder den elterlichen Betrieb übernehmen“, sagt Erich Wenzel und ist stolz. Auch wenn er nicht mehr mit auf die Baustellen fahren kann – sein Interesse an der Firma bleibt. Er hatte die Firma 1975 gegründet, sich auf Putzarbeiten spezialisiert. „Im Laufe der Zeit ist der Betrieb gewachsen“, erklärt sein Sohn Andreas, der in der väterlichen Firma ausgebildet wurde und 1991 seine Meisterprüfung absolvierte. Kran und Bagger kamen hinzu, dann also auch Hochbau- und Erdarbeiten. Sein Betrieb baute die erste Beschneiungsanlage in Usseln.

2009 ging Erich Wenzels Firma insolvent. „Ein halbes Jahr später haben wir uns entschlossen, ganz neu anzufangen. Ich dachte, das kann es nicht gewesen sein. Es waren sehr schwere Jahre, aber wir hatten einen guten Steuerberater, der uns Mut zugesprochen hat. Heute stimmen die Zahlen“, sagen Andreas Wenzel und seine Frau Heike, die neben ihrer Arbeit bei einer Krankenkasse auch die Buchführung stemmt. Inzwischen gehören drei Facharbeiter zum Betrieb, in dem der junge Meister seine Impulse setzt – was nicht immer ganz reibungslos geht. „Das Produkt ist das gleiche, aber über den Weg dahin haben wir manchmal unterschiedliche Vorstellungen“, sagt Lukas Wenzel und lacht. „Das war bei mir und meinem Vater auch so. Wichtig ist: Man kann sich mal streiten, darf sich aber nicht böse sein“, betont Andreas Wenzel.

Trend zu Fertighäusern

Die Geschichte ihres Betriebs spiegelt den Wandel der Branche wider. „Früher haben wir ein Familienhaus nach dem anderen gebaut. Jetzt bauen wir vor allem Bodenplatten, auf die Fertighäuser gesetzt werden“, erklärt Andreas Wenzel. Inzwischen hat sich der Betrieb spezialisiert auf Erdannahme, Abbruch und Recycling – und alles, was damit zusammenhängt. Wegebau mit Asphalt-recycling, Umbauten, Außenanlagen, Terrassen. Sie verlegen Natursteine wie auch Glasfaser, bauen Biogasanlagen und Silos, haben eine Zulassung fürs Rohreschweißen nach dem Wasserhaushaltsgesetz. Gearbeitet wird überwiegend im Umkreis. 95 Prozent der Kundschaft ist persönlich bekannt und Stammkundschaft.

Recycling von Baumaterial

Als Andreas Wenzel 1991 von der Meisterschule kam, wollte er einen Erdannahme- und Recyclingplatz am Rande Goddelsheims bauen, „so etwas gab es damals noch nicht. Ich wusste, dahin geht der Weg. Doch der damalige Bürgermeister hat mich gleich zur Tür gewiesen“, sagt Andreas Wenzel und lacht. „Ein Unternehmer hier im Ort unterstützte uns, und dann haben wir ein Grundstück am Viehweg erstanden“.

Es sollten aber noch gut acht Jahre und viele Gutachten dauern, bis die Recyclinganlage Anfang der 2000er- Jahre tatsächlich genehmigt wurde. „Sogar eine Bürgerbewegung hatte sich gegründet, die Aufregung war groß. Dann haben wir einen Bus gechartert und gemeinsam eine Recyclinganlage besucht – das hat viel gebracht“.

„Es war ein schwerer Weg, bis die Anlage zur Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzfläche endlich genehmigt war. Nun kämpfen wir seit Jahren für eine Erweiterung. Doch der Landkreis hat sie erstmal abgelehnt mit der offiziellen Begründung, die Gesetzeslage würde es nicht hergeben. Dabei gibt es in Waldeck-Frankenberg nur wenige Erdannahme- und Recyclingplätze – und wir fragen uns, ob es im Sinne des Umweltschutzes ist, wenn die Leute ihren Erdaushub nach Kassel oder noch weiter wegfahren müssen“.

Als erste Konsequenz haben sie in eine Brech- sowie eine Sieb- und Sortieranlage investiert – Steine werden rausgelesen und zu Schotter gemacht, Mutterboden ausgesiebt und weiterverwertet, damit der restliche Deponieraum länger vorhält. „Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Andreas Wenzel.              md

„Früher gab’s in jedem Ort einen Maurer, heute sind sie Mangelware“, sagt Andreas Wenzel. Deshalb investiert das Vater-Sohn-Gespann auch stetig in neue Maschinen. „Wir besuchen zusammen Messen, ich schaue viel nach Neuheiten und fahre dort auch zu Vorführungen“, erklärt Lukas Wenzel. Nach dem Fachsimpeln mit zwei Firmen wurde ein Baggerlader mit einer besonderen Maschinen- und Anbautechnik ausgestattet, den sie als Prototyp kaufen und testen konnten. Jetzt läuft er in Serie. „Der Baggerlader hat so viele Funktionen, dass ein Mann eingespart werden kann“, sagt Lukas Wenzel mit Blick auf den Facharbeitermangel. Einen Bagger hat er mit GPS ausgestattet – das funktioniert allerdings nur, wenn das Internet funktioniert. Erst beraten Vater und Sohn, dann muss die Mutter ihr Okay geben. „Sonst funktioniert es nicht im Familienbetrieb“, sagt Heike Wenzel.

Immer ein Auge haben Lukas Wenzel und sein Vater auch auf die Gesetze: „Wenn ein neues Gesetz im Anmarsch ist, versuchen wir, das schnell umzusetzen, um mithalten und anbieten zu können“. So will der junge Meister den Betrieb weiterbewegen. Mit etwas Glück sogar in die vierte Generation. Von Marianne Dämmer

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