Für die Hunde ist es ein Spiel

Rettungshundestaffel Hessen-Nord trainierte bei Altenlotheim in Waldeck-Frankenberg

Ältester Hund am Start: Die Hündin von Michaela Schmidt (rechts) ist bereits 15 Jahre alt. Sie hat aber trotz des hohen Alters noch Spaß an der Sucharbeit.
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Ältester Hund am Start: Die Hündin von Michaela Schmidt (rechts) ist bereits 15 Jahre alt. Sie hat aber trotz des hohen Alters noch Spaß an der Sucharbeit.

Erwartungsvoll und sichtlich aufgeregt geht Rüde Jonny neben Lena Jochims in der Nähe von Mengershof in Richtung Wald. Als die Ausbilderin ihm seine Weste mit der Aufschrift „Rettungshund“ umgelegt und die Leine gelöst hat, gibt es kein Halten mehr für den Hütehundmix: Er läuft los und durchstöbert das Unterholz, bis er nach einigen Minuten „menschliche Witterung“ aufnimmt und gezielt zu einer bestimmten Stelle läuft.

Altenlotheim - Sofort dreht er um und meldet Lena Jochims seinen Fund, indem er energisch an einem Stoffring zieht, den die Hundeführerin an ihrem Gürtel befestigt hat. Auf das Kommando „Zeig‘s mir“ führt er sie anschließend zum Fundort.

Im beschriebenen Fall hat Hütehundmix „Jonny“ allerdings keine verletzte oder hilflose Person aufgespürt, sondern Astrid Weisenfeld, die das „Opfer“ gespielt hat. Denn es handelt sich nur um eine Übung, die das Team der Rettungshundestaffel Hessen-Nord, Ortsgruppe Marburg, in einem Waldgebiet am Mengershof bei Altenlotheim absolviert. Von den insgesamt zwölf Hundeführern mit 18 Hunden sind acht Hundeführer mit zehn Hunden vor Ort.

„Wir trainieren regelmäßig 14-tägig samstags den kompletten Tag“, sagt Michaela Schmidt, die wie auch die übrigen Teammitglieder ehrenamtlich in der Rettungshundestaffel tätig ist. Hinzu kommt eine Lektion Theorie, die jeden Donnerstagsabend auf dem Programm steht.

„Opfer“: Astrid Weisenfeld verharrte im Unterholz, bis sie von den Hunden aufgespürt wurde.

Aufgrund der gemeldeten hohen Temperaturen wird in der Altenlotheimer Gemarkung in erster Linie das Anzeigeverhalten der Hunde geübt und keine lange Suche trainiert, wie Ausbilderin Kirsten Jesberg der HNA im Vorfeld gesagt hatte. Der Schwerpunkt lag also darauf, wie der jeweilige Hund meldet, dass er eine Person gefunden habe.

„Wir achten darauf, dass das ruhig abläuft“, betont auch Michaela Schmidt. Eine lang andauernde Suche sei für die Tiere bei hohen Temperaturen sehr anstrengend.

Rettungshund Jonny vergnügt sich unterdessen mit einem kleinen Gummischweinchen, das er im Maul trägt.

„Das ist sein Lieblingsspielzeug“, sagt Lena Jochims. Auch „Leckerchen“ hat Jonny nach jeder erfolgreichen Suche bekommen. „Das ist wichtig“, sagt Jessica Kubon. Die Idee dahinter sei, dass der Hund auch bei der nächsten Suche wieder gerne mitmachen soll.

„Für die Hunde ist das ganze ja ein großes Spiel“, ergänzt Michaela Schmidt. Bei Rettungshunden sei es wichtig, dass sie sozialverträglich mit Mensch und anderen Hunden seien.

Auch Hund und Hundeführer sollten einen „guten Draht“ zueinander haben, fügt Kirsten Jesberg hinzu.

Startsignal: Lena Jochims legt Jonny die Weste um. Dann weiß der Rüde: Jetzt geht die Suche los.

Im Einsatz geht es oft um vermisste ältere Menschen

Das Team der Ortsgruppe Marburg sei schon eine „eingefleischte“ Gruppe, betont Michaela Schmidt.

Die Tatsache, dass zur Staffel hauptsächlich Frauen gehören – es ist nur ein Mann in der Gruppe – erklärt Schmidt damit, dass es Frauen erfahrungsgemäß leichter falle, den Hund nach erfolgreicher Suche „in den höchsten Tönen“ überschwänglich zu loben. „Männer tätscheln ihre Tiere oft nur kurz und sagen: Gut gemacht.“

Nach einem Trainingsdurchgang werde der Hund auch nicht „wie ein Sportgerät“ sofort wieder in seinen Käfig im Auto gesperrt, sondern man beschäftige sich mit ihm, betont Ausbilderin Lena Jochims. Nicht jeder Hund sei für den Einsatz als Rettungshund geeignet. „Hunde, die aufgrund von Trends zu Hunden mit Handicaps gezüchtet wurden und dadurch fast keine Nase mehr im Gesicht haben (dadurch zu wenig Luft bekommen und über einen schlechten Geruchssinn verfügen), zu schwer für ihr Skelett sind, zu kurze, verkrümmte Beine haben, zu üppiges langes Fell oder etwa gar kein Fell oder zu winzig sind, eignen sich nicht“, stellt Kirsten Jesberg klar. Hund (und Hundeführer) sollten in der Lage sein, auch unwegsames Gelände ohne größere Schwierigkeiten zu durchqueren.

Häufige Einsatzbereiche für die Rettungshunde seien vermisste ältere Menschen, beispielsweise aufgrund Orientierungslosigkeit, oder Mitmenschen, die sich in suizidaler Absicht aus dem gewohnten Umfeld entfernten, erläutert Michaela Schmidt. „Seltener sind Einsätze nach Verkehrsunfällen, wenn unklar ist, ob sich noch eine Person im Fahrzeug oder auf dem Soziusplatz befunden haben könnte.“

Aktuell werde die Ortsgruppe aber nicht für den Ernstfall angefordert, weil die Staffel sich gerade neu organisiere. (Susanna Battefeld)

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