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Gasheizungen in Waldeck-Frankenberg richtig einstellen: Schornsteinfeger und Heizungsmonteure arbeiten zusammen

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Von: Thomas Hoffmeister

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Erklärten die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung an einer Gasheizung im Gebäude der Kreishandwerkerschaft in Korbach: (von links) Volker Nawroth, Techniker der Schornsteinfeger-Innung Kassel, Siegfried Becker, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Kassel, Tim Oberlies, Geschäftsführer des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg, und der stellvertretende Obermeister der Innung Sanitär, Heizung und Klima in Waldeck-Frankenberg, André Landskron.
Erklärten die Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung an einer Gasheizung im Gebäude der Kreishandwerkerschaft in Korbach: (von links) Volker Nawroth, Techniker der Schornsteinfeger-Innung Kassel, Siegfried Becker, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Kassel, Tim Oberlies, Geschäftsführer des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg, und der stellvertretende Obermeister der Innung Sanitär, Heizung und Klima in Waldeck-Frankenberg, André Landskron. © Thomas Hoffmeister

Den Gasverbrauch um 10 bis 15 Prozent senken: Das ist Ziel der Bundesregierung in Zeiten der Energieknappheit, die durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ausgelöst wurde. Im Oktober 2022 ist die „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen“ (EnSimiMav) in Kraft getreten.

Waldeck-Frankenberg – Die Verordnung besagt, dass alle Gas-Heizungen bis zum 15. September 2024 eine Untersuchung durchlaufen müssen, damit die Heizung möglichst effizient arbeitet. „Dass es diese Verordnung gibt, weiß kaum jemand“, sagt Nico Wirth vom Fachdienst Umwelt und Klimaschutz beim Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die Prüfung können Energieeffizenz-Experten oder die jeweils im Bezirk zuständigen Schornsteinfeger abnehmen. Das Ergebnis muss bis September 2024 vorliegen.

Auf Initiative von Nico Wirth und Tim Oberlies, Geschäftsführer des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg, haben sich kürzlich Schornsteinfeger und Vertreter der Innung Sanitär, Heizung und Klima getroffen, um zu überlegen, wie sie die neue Verordnung umsetzen können.

Zunächst nur Gasheizungen betroffen

Zunächst sind nur die Besitzer von Gasheizungen betroffen. Bei der anstehenden Prüfung geht es im Wesentlichen darum, ob die Heizung richtig eingestellt ist. Zum Beispiel: Sind die Absenkzeiten (Nachtabsenkung) richtig justiert? Stimmen Heizkurve, Vorlauf- und Warmwassertemperatur?

Alle Schornsteinfeger sind laut Siegfried Becker (Twistetal), Obermeister der Schornsteinfegerinnung Kassel, inzwischen für die neue Verordnung geschult und werden ihre Kunden ab diesem Monat anschreiben.

Die Schornsteinfeger haben jedoch zum einen ein Kapazitätsproblem (Becker: „Rechnen Sie mal 30 Minuten Zusatz-Aufwand bei etwa 2000 Heizungen im Bezirk“), zum anderen wollen die Schornsteinfeger den Heizungsfachleuten auch nicht ins Handwerk pfuschen.

Eventuell mit Wartungsarbeiten verbinden

Praktisch könnte es so laufen, dass die vorgeschriebene Optimierung der Heizung mit anstehenden Wartungsarbeiten verbunden werden könnte, sagt André Lands-kron, der stellvertretende Obermeister der Innung für Sanitär, Heizung Klimatechnik in Waldeck-Frankenberg. Eine „grobe Richtung“ zur Heizungsoptimierung könnten die Schornsteinfeger aber durchaus schon vorgeben.

Schornsteinfeger-Obermeister Siegfried Becker wünscht sich, dass sich alle Heizungs-Nutzer etwas intensiver mit der Steuerung ihrer Anlagen beschäftigen.

Man könne die bisherige Einstellung ja mit dem Handy fotografieren und dann in kleinen Schritten verändern. „Wenn es nicht richtig funktioniert, stellt man es eben wieder zurück“, so Becker.

Was kostet eine „Optimierung“?

Für eine 30-minütige „Optimierung“ durch den Schornsteinfeger müsse man mit Kosten von „etwa 100 Euro“ rechnen, sagt Obermeister Siegfried Becker.

Wesentlich teurer (etwa 1000 bis 1200 Euro) sei ein „hydraulischer Abgleich“ der kompletten Heizungsanlage, etwa für Mehrfamilienhäuser. Ein hydraulischer Abgleich sei aber erst für Mehrfamilienhäuser „über zehn Wohneinheiten“ vorgeschrieben, sagt Becker.

Durch eine optimale Einstellung der Heizungsanlage könne man durchaus 5 bis 10 Prozent Energie einsparen, waren sich die Fachleute einig.

Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 26 000 Kilowattstunden Gas im Jahr für ein Einfamilienhaus (2600 Liter Öl-Äquivalent) könnte man so etwa 1300 Kilowattstunden Gas (oder 130 Liter Öl) einsparen.

Bei 16 bis 26 Cent pro Kilowattstunde Gas wären das zwischen 208 und 338 Euro im Jahr. Dadurch würde sich eine Heizungs-Optimierung auf jeden Fall bezahlt machen.

Absenken der Temperatur um ein Grad spart bis zu 6 Prozent Energie

Durch die Absenkung der Raumtemperatur um nur ein Grad könne man bis zu 6 Prozent Energie einsparen, ergänzte Tim Oberlies. „Bei minus 12 Grad Außentemperatur muss man ja nicht unbedingt in T-Shirt und kurzer Hose im Wohnzimmer sitzen“, nannte Volker Nawroth, Techniker der Schornsteinfeger-Innung Kassel, ein praktisches Beispiel.

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