1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck

Vor allem Köche und Kellner: Gastronomie im Landkreis fehlt Personal

Erstellt:

Von: Julia Janzen

Kommentare

Das Foto zeigt Hotelchef Christian Gerlach beim Flambieren von Erdbeeren mit seinen Auszubildenden
Besonderer Hingucker für Gäste: Hotelchef Christian Gerlach zeigt den Auszubildenden (von links) Sulaimon Ghenizoda aus Tadschikistan, Trumg Nguyen Pham und Thi Phuong Loan Dang sowie Vu Thi Mai Linh aus Vietnam, wie Erdbeeren flambiert werden. © Julia Janzen

Händeringend werden Fachkräfte in der Gastronomie gesucht. Weil viele sich während des Lockdowns neue Arbeitsstellen gesucht haben, fehlt es jetzt im Landkreis vor allem an Servicekräften.

Waldeck-Frankenberg - „In der Gastronomie ist es seit langem schwierig, Mitarbeiter zu finden. Corona hat das verschlimmert“, sagt Uwe Kemper, Chef der Agentur für Arbeit in Korbach. Vor allem viele 450-Euro-Kräfte hätten sich umorientiert, denn sie hätten zu den Verlierern in der Zeit des Lockdowns gehört. Den geringfügig Beschäftigten stand kein Kurzarbeitergeld zu. „Die Frage ist nun, ob sie wiederkommen.“

Andreas Kampmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten für die Region Nord- und Mittelhessen, sagt, dass bundesweit rund 20 Prozent der Beschäftigten aus der Gastronomie der Branche den Rücken gekehrt hätten. Sie hätten erkannt, dass in anderen Bereichen mehr Geld zu verdienen ist. „Teilweise bekommen ausgebildete Vollzeitkräfte in der Gastronomie weniger als 2000 Euro im Monat,“ kritisiert er.

Kritik: In Nordhessen wird kaum nach Tarif bezahlt

Gerade seien in Hessen zwar neue Tarifverträge abgeschlossen worden, die dieses und nächstes Jahr deutliche Zuwächse beim Lohn zusichern. Allerdings: In Nordhessen sei kaum ein Arbeitgeber an den Tarifvertrag gebunden. „Wenn Nordhessen weiter hinterher hängt, nimmt die Attraktivität des Berufs noch weiter ab.“

Christian Gerlach, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands, betont, dass viele kein Interesse an Gastronomie-Jobs haben, weil sich Vorurteile halten. Dabei gebe es beispielsweise einen Ausgleich bei langen Arbeitszeiten, Überstunden würden aber selten gemacht und nicht jeder müsse abends oder an den Wochenenden arbeiten. „Alles andere kann sich kein Arbeitgeber mehr leisten,“ sagt Gerlach.

Er selbst betreibt das Hotel-Restaurant Werbetal am Edersee und suchte lange vergeblich unter anderem nach Köchen. Nun lernt ein Vietnamese den Beruf in der Hotelküche, zwei Vietnamesinnen und ein Tadschike werden zu Hotelfachleuten ausgebildet. Es gebe nur diese beiden Möglichkeiten, sagt er: niemanden ausbilden oder Kräfte aus dem Ausland. (jj)

Auch interessant

Kommentare