Gaststättenverband kämpft für Erhalt der Dorfkneipen

Typische Dorfgaststätte als Tagungsort: das Gasthaus Zum grünen Kranz in Wellen. Dieses Gasthaus wird im kommenden Jahr 140 Jahre alt und in vierter Generation von der Familie Zorn betrieben. Im Bild (von links) Dehoga-Präsident Gerald Kink, der örtliche HOGA-Vorsitzende Christian Gerlach, Wirtin Regina Zorn, Maria Zorn, Marvin Zorn (12) und Bernd Mainz. Foto:  Schade

Wellen. Die Gastonomen insbesondere im ländlichen Raum schlagen Alarm. In den vergangenen zwölf Jahren schlossen in Hessen rund 1200 Gasthäuser, Gaststätten und gutbürgerliche Restaurants ihr Pforten. Mittlerweile gibt es noch etwa 1800. Die Dehoga Hessen hat deshalb eine Dialogrunde „Gasthaus trifft Rathaus“ gestartet, um über neue Ideen zum Erhalt der Gastronomie zu diskutieren. Am Dienstag machte die „Roadshow“ Station in Wellen.

Nachfolgeproblematik, Bürokratie, Investitionsstaus und demografischer Wandel tragen nach den Worten des Dehoga-Präsidenten Gerald Kink dazu bei, „ein wertvolles Kulturgut unserer Gastronomielandschaft Stück für Stück von der Bildfläche verschwinden zu lassen“. Dem Verband gehe es nun darum, einen lokalen Dialog zu starten und alle Akteure zu ermutigen, gemeinsam nach unkomplizierten Lösungen zu suchen.

Und die sind nötig, auch in der Tourismusgemeinde Edertal. „Gastronomie ist ein wunder Punkt. Es gibt Probleme, alle Gäste zu betreuen. Das Angebot könnte umfangreicher sein“, sagte Bürgermeister Klaus Gier. „Wir müssen auf den Tourismus setzen. Von den Bürgern vor Ort kann eine Gastwirtschaft kaum leben“, ergänzte Frankenaus Bürgermeister Björn Brede.

Im kleinen Lichtenfelser Stadtteil Dalwigksthal haben sich die Einwohner in einer Bürgergenossenschaft zusammengeschlossen und betreiben in der „Alten Schule“ ein Gasthaus und Treffpunkt in Eigenregie, berichtete Bürgermeister Uwe Steuber. Sie arbeiten gerade so mit einer „schwarzen Null“. Allerdings habe der Bierpreis schon zwei Mal erhöht werden müssen.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf verwies auf die hohen Investitionen in Rad- und Wanderwege. Dort suche der Gast natürlich nach Einkehrmöglichkeiten. „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, der Kreis wird sich gern einbringen.“

Lange diskutierte die Runde über die Vereinsfeste in Konkurrenz zur Gastronomie oder auch Betriebe wie den von der Lebenshilfe getragenen Frankenauer Hof in Frankenau. „Ein Privatmann könnte dieses Geld nie investieren“, sagte ein Gastwirt. „Der Wettbewerb stimmt nicht, dort wird doch subventioniert“, meinte ein anderer.

Die Versammlung regte deshalb an, ob es nicht Fördermöglichkeiten für die Gastronomie geben könnte. Allerdings nicht so, wie in Armsfeld geschehen, wo für eine Jausenstation Geld aus dem Leader-Programm floss, die an Wochenenden mit zwei bestehenden Gasthäusern konkurriert, wie eine Gastwirtin berichtete. Hartmut Reise, Geschäftsführer des Hessischen Tourismusverbandes riet in solchen Fällen zur genauen Prüfung im Vorfeld.

Die Kommunikation nach außen verbessern etwa durch Apps (ETI-Geschäftsführer Claus Günther) oder Sterne für die Gastronomie ähnlich der Hotellerie (Hoga-Vorsitzender Christian Gerlach, Nieder-Werbe) waren weitere Ideen. Einig war sich die Versammlung darin, dass alle Beteiligten eng zusammenarbeiten sollten.(sch)

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