Feste in der Corona-Pandemie

Gastwirte in Waldeck-Frankenberg hoffen wieder auf Weihnachtsfeiern

Ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz hängt an einem dekorierten Weihnachtsbaum.
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Weihnachtsfeier in Corona-Zeiten (Symbolbild).

Betriebe und Vereine in Waldeck-Frankenberg sind wieder in Feierlaune, wenn auch Corona sie etwas ausgebremst hat. Nachdem sämtliche Weihnachtsfeiern vergangenes Jahr ausgefallen waren, sind nun wieder einige geplant. Das bestätigen Gastronomiebetriebe und Unternehmen auf Nachfrage.

Waldeck-Frankenberg – Arbeitgeber halten sich mit den Planungen für Weihnachtsfeiern mit der gesamten Belegschaft noch etwas zurück. So lautet die Einschätzung von Liana Rettke vom Hotel Elsenmann in Willingen. Dort liegen bereits eine Handvoll Buchungen für Weihnachtsfeiern von November bis Januar vor, berichtet sie.

„Auffällig ist, dass es weniger Teilnehmer sind als vor der Pandemie“, sagt sie. Bislang seien jeweils nicht mehr als 20 Gäste für solche Weihnachtsfeiern angemeldet. Bei den privaten Buchungen sei man bereits wieder auf einem sehr hohen Niveau. Das betreffe vor allem die Wochenenden. Und besonders ab Ende Dezember sei das „Haus voll“.

Ähnlich ist die Situation in der Dorf-Alm in Willingen. Offizielle Weihnachtsfeiern seien bislang wenige angekündigt. Doch das Lokal registriert mehr Tisch-Reservierungen von Privatpersonen als vor Corona, berichtet Gerlinde Scriba. „Die Buchungslage ist bis Jahresende sehr gut.“ Während früher die Besucher eher spontan kamen, meldeten sie sich nun eher zu einem Essen an, um trotz der Beschränkungen einen Platz zu bekommen. Gerlinde Scriba geht davon aus, dass nun mehr für Weihnachtsfeiern einzelner Abteilungen auf private Namen reserviert werde, da Firmen noch nicht mit sehr vielen Mitarbeitern gemeinsam feiern wollten.

„Die Leute wollen wieder raus. Es geht wieder los.“

Gerlinde Scriba, Dorf-Alm Willingen

Scriba rechnet mit weiteren Anfragen in den Wochen vor Weihnachten: „Die Leute wollen wieder raus. Es geht wieder los.“ In dem Tanzlokal gilt von donnerstags bis samstags die 2G-Regel. Dies werde allgemein akzeptiert.

Mit 2G oder 3G

Weihnachtsfeiern sind auch im Alt-Battenberg in Battenberg sowie in der „Sonne“ und der Walkemühle in Frankenberg möglich: „Unsere Kunden dürfen aktuell wählen, ob sie dabei die 2G- oder 3G-Regeln einhalten wollen“, sagt Karsten von der Heide, der neue Geschäftsführer der Hotel-Betriebsgesellschaft für die drei Häuser.

Auch im Restaurant Rosengarten in Rosenthal sind bereits Termine für Weihnachtsfeiern gebucht worden, berichtet Inhaberin Delia Scozzari. Allerdings merkt sie an: „Dieses Jahr ist es eher ruhig.“ Und es seien mehr Privatleute als Firmen, die eine Weihnachtsfeier planten. In dem Restaurant gilt die 3G-Regel.

Wieder Gottesdienste in den Kirchen

Die Gottesdienste zu Heiligabend und an Weihnachten fanden im vergangenen Jahr zumeist nur in digitalen oder weiteren alternativen Formaten statt. Die Corona-Lage hatte damals die Kirchengemeinden dazu gebracht, viele Gottesdienste mit Besuchern abzusagen. Das wird dieses Jahr anders, sagt Petra Hegmann, Dekanin des Kirchenkreises Eder. „Viele gemeinden planen analoge Gottesdienste, manchmal zwei anstatt einen, und auch mal an alternativen Orten.“

„Ja, wir haben schon Anfragen für Weihnachtsfeiern“, sagt Brigitta Brützel vom Gasthof Thiele in Viermünden. Es seien zwar weniger als vor Corona üblich, aber sie sei zufrieden, sagt die Wirtin. Am häufigsten würden Privatleute reservieren. Auch einige Vereine und Firmen seien darunter. „Insgesamt sind die Gruppen kleiner als sonst.“

Was die Zulassungsbeschränkungen angehe, sei sie flexibel, sagt Brigitta Brützel: „Normalerweise gilt unter der Woche bei uns 3G, da wir Schüler der Hans-Viessmann-Schule bei uns beherbergen, von denen einige noch nicht geimpft sind.“ Bei Weihnachtsfeiern oder größeren Gesellschaften gelte 2G. Sie freut sich, dass in diesem Jahr wieder Weihnachtsfeiern möglich sind: „Das ist ein wichtiges Standbein für uns“, sagt Brigitta Brützel.

Wieder Angebote für die Mitglieder machen

Auch der TSV Laisa plant für seine Fußballsparte eine Weihnachtsfeier in einer Gaststätte. „Wir glauben, dass es wichtig ist, wieder Angebote für die Vereinsmitglieder zu machen, um nach und nach – unter Einhaltung der gültigen Regelungen – wieder ein Vereinsleben stattfinden zu lassen“, sagt Vorsitzender Dirk Paulus im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dazu gehören neben dem aktiven Sport bei uns im Verein natürlich auch wieder die geselligen Veranstaltungen wie eine Weihnachtsfeier.“

Nach dem Re-Start der Fußballsaison im August habe der TSV Laisa anhand der Resonanz bei den Heimspielen festgestellt, dass die Menschen sehr gerne wieder zusammenkommen wollen, berichtet Paulus. „Die Fußballspiele sind hier eine gute Gelegenheit, finden sie doch im Freien statt. Es sind besonders mehr Familien als früher bei unseren Heimspielen.“

Arbeitgeber und Angestellte haben indes ganz unterschiedliche Einfälle, wie sie der Freude an Geselligkeit zum Jahresende gerecht werden können. Eine große zentrale Weihnachtsfeier wird es beispielsweise beim Agrar- und Verkehrsleittechnik-Hersteller Horizont in Korbach auch dieses Jahr nicht geben, berichtet Holger Fissmann vom Marketing. „Denn wir wissen nicht, wie die Corona-Auflagen vor Weihnachten sein werden.“ Und mit mehreren Hundert Beschäftigten zusammen zu feiern, sei zurzeit noch nicht möglich. Doch die einzelnen Abteilungen wollen sich laut Fissmann treffen. Einige gehen demnach essen, manche treffen sich privat, und eine Abteilung feiert beispielsweise im Vorraum des Fitnessstudios der Firma.

Beim Konzert- und Eventdienstleister Depro in Gemünden steht laut Geschäftsführer Matthias Fischer aktuell noch nicht fest, ob und wie eine Weihnachtsfeier stattfinden könnte. „Neben dem Bedürfnis, auch wieder Nähe zuzulassen, stehen dabei natürlich auch weiterhin sicherheits- und hygienetechnische Überlegungen im Vordergrund“, so Fischer. Nach Möglichkeit strebe die Firma eine gemeinsame Feier mit der gesamten Belegschaft an. Hierfür würden dann wie in vergangenen Jahren die „Lokalitäten am Stammsitz“ aufgesucht werden.

Dehoga Hessen: „Ein spürbar hohes Bedürfnis“

Nach der von Corona geprägten Vorweihnachtszeit 2020 blicken die Gastwirte in Hessen in diesem Jahr insgesamt optimistischer auf das letzte Quartal. „Wir erwarten ein starkes Geschäft in diesem Jahr“, sagte Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Hessen, Julius Wagner, der Deutschen Presse-Agentur.

Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer beim Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen.

Weil Weihnachtsfeiern von Firmen und im privaten Rahmen wegen des Lockdowns im vorigen Jahr ausfallen mussten, geht die Gastronomie von einem erhöhten Nachholbedarf aus. Und die Branche sehe bei den Menschen „ein spürbar hohes Bedürfnis, die Weihnachtsfeiern in einem Lokal zu veranstalten“, sagt Wagner.

Einer Dehoga-Umfrage zufolge wollen 64 Prozent der hessischen Gastronomen die 3G-Regel bei den Feiern anwenden, also Zutritt nur zulassen für Gäste, die geimpft, genesen oder getestet sind. Elf Prozent setzen demnach auf die 2G-Regel, die nur Geimpften und Genesenen die Teilnahme an den Feiern erlaubt. Die restlichen 25 Prozent würden je nach Situation entscheiden, welche der beiden Regeln sie anwenden.

IHK Hessen: Ein heterogenes Bild

Gleichwohl bedeute das nicht automatisch, dass die herkömmliche Weihnachtsfeier in diesem Jahr überall wieder zurückkehrt, heißt es vom Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK). „Das Bild, ob es betriebliche Weihnachtsfeiern geben wird oder nicht, wird sehr heterogen ausfallen. Viele Unternehmer und Beschäftigte wünschen sich eine festliche Zusammenkunft und werden sie umsichtig ermöglichen wollen.“ Andere würden wie im vergangenen Jahr auf digitale Formate setzen oder auf eine Feier verzichten.

Wie eine Sprecherin des Arbeitgeberverbands des Hessischen Handwerks sagte, besteht Gesprächen mit Mitgliedern zufolge „bei vielen wieder der Wunsch nach Normalität“. Viele Betriebe bevorzugten es, eine Feier im Restaurant zu buchen, da sie sich durch die dort geltenden Regeln abgesichert fühlten. (mit dpa)

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