Prozess am Amtsgericht in Fritzlar

Verfahren wegen Körperverletzung eingestellt: Bad Wildungens Vizebürgermeister muss 1000 Euro zahlen

Beendet: Prozess mit Wildunger „politischem Hintergrund“ in Fritzlar.
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Beendet: Prozess mit Wildunger „politischem Hintergrund“ in Fritzlar.

Das Amtsgericht in Fritzlar hat das Verfahren wegen vorsätzlicher Körperverletzung gegen Bad Wildungens Ersten Stadtrat Hartmut Otto am Montag gegen eine Geldauflage eingestellt.

  • Bad Wildungens Erster Stadtrat Hartmut Otto musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht Fritzlar verantworten.
  • Das Gericht hat das Verfahren gegen eine Geldauflage eingestellt.
  • Bad Wildungens Vizebürgermeister muss 1000 Euro an die Fritzlarer Tafel zahlen.

Bad Wildungen/Fritzlar – Richterin Riechers stimmte einer Einigung von Staatsanwaltschaft und Verteidigung zu, dass Otto 1000 Euro an eine karitative Organisation entrichtet.

Verteidiger Gercke schlug im Namen seines Mandanten die Wildunger Tafel als Empfängerin vor, doch das lehnte die Staatsanwältin ab mit den Worten: „Bei dem politischen Hintergrund ist die Nähe zu Bad Wildungen zu groß.“ So geht die Summe auf Verfügung des Gerichts an die Fritzlarer Tafel.

Richterin: Keine objektiven Beweise für wesentliche Beeinträchtigung der Gesundheit

Wichtigste Gründe für diesen Ausgang: „Für eine Körperverletzung müssen wesentliche Beeinträchtigungen der Gesundheit vorliegen“, erläuterte die Richterin. Auch wenn zu berücksichtigen sei, dass ein Minderjähriger als geschädigter Zeuge aussagte, erbrachte die Verhandlung keine objektiven Beweise für so eine wesentliche Beeinträchtigung.

Der Arzt, der den Jungen am Tag nach dem Vorfall in der Stadtklinik untersuchte, bestätigte das als Zeuge am Montag vor Gericht. Er habe den Kopf des Jungen abgetastet und den damals 13-Jährigen gebeten, seinen Kopf in verschiedene Richtungen zu bewegen. Wenn es wehtat, gab der Junge Bescheid. Der Arzt ordnete die Beschwerden so ein, dass er keine weiteren Untersuchungen wie etwa Röntgenaufnahmen für nötig erachtete.

Aussage gegen Aussage

Gerichtsmediziner Professor Dr. Reinhard Dettmeyer (Gießen) hielt es als Sachverständiger für nicht ausgeschlossen, aber „sehr unwahrscheinlich“, dass ein Faustschlag gegen den Helm die Verletzungen und Schmerzen ausgelöst habe, selbst bei voller Wucht nicht. Die Helme seien für weit härtere Aufpralle ausgelegt.

Also Aussage gegen Aussage: Die Version des Jungen vom Faustschlag gegen Ottos Version vom Schubser. Auch wenn es den Schlag gegeben haben kann, wie Sachverständiger, Staatsanwaltschaft und Gericht nicht ausschlossen: Die Beweislage war nicht nur der Verteidigung, sondern auch der Staatsanwaltschaft zu dünn.

Otto: „Als Jagpächter habe ich das Recht nachzufragen“

„Als Jagdpächter habe ich das Recht nachzufragen, wenn jemand verbotenerweise mit dem Motorrad durchs Revier fährt“, sagte Hartmut Otto nach dem Prozess auf die Frage, wie er im Nachhinein sein Verhalten im Helenental bewertet. Weiter wollte er das Geschehen nicht kommentieren.

Welche Konsequenzen aus dem Verfahren und dessen Einstellung gegen eine Geldauflage politisch möglicherweise zu ziehen sind, „darüber spreche ich mit meinen politischen Freunden“, kündigte Otto an. (Matthias Schuldt)

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