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Gemeindevertreter billigen drei Großinvestitionen am Diemelsee

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Visualisierung für das geplante Restaurant am Ufer des Diemelsees mit Appartements in den Obergeschossen.
Das Restaurant am Ufer des Diemelsees mit Appartements in den Obergeschossen – so könnte der Neubau aussehen, der den Imbiss am Heringhäuser Strandbad ersetzen soll. Ob Veranstaltungsräume statt Appartements entstehen, entscheidet der Betreiber. © jsakiman/Arbeitsgemeinschaft Faber/Weber

Die Arbeitsgemeinschaft Faber/Weber darf ihre drei Großprojekte in Heringhausen umsetzen: Die Diemelseer Gemeindevertreter billigten bei einer Sondersitzung am Freitag mit klarer Mehrheit den Bau von Appartementhäusern neben dem Feriendorf, eines Restaurants am Seeufer sowie eines Nahversorgungsmarktes. Investitionssumme: 25 bis 30 Millionen Euro.

Diemelsee-Flechtdorf – Die Gemeindeverwaltung soll einen Vorvertrag mit den Investoren ausarbeiten, über den ebenfalls das Parlament entscheidet.

Mit diesem Beschluss endet eine rund zweijährige Debatte, die gerade in Heringhausen geführt wurde – die Gemeindevertreter hatten ihre Entscheidung im Februar wie berichtet vertagt, weil sie noch Klärungsbedarf sahen. Bis die konkreten Planungen stehen, das Baurecht geschaffen ist und die Bagger anrollen, dauert es voraussichtlich bis 2024.

CDU: Schlüssiges Projekt

„Das Projekt ist schlüssig, die CDU wird zustimmen“, erklärte Fraktionschef Jörg Weidemann. Die CDU begrüße, „dass wir uns die Zeit nehmen durften“, einen Monat länger zu diskutieren. Der Infoabend mit den Heringhäusern sei wichtig, „wir konnten uns ein konkreteres Bild machen, die Bürger konnten sich informieren.“ Es gelte, „mit den Bürgern und für die Bürger zu entscheiden“.

FWG: Einmalige Chance

Der FWG falle es nicht leicht, gegen die Meinung des Heringhäuser Ortsbeirats zu stimmen, sagte Fraktionschef Horst Wilke. Aber zwei Drittel der Einwohner seien ja dafür, außerdem böten die Projekte „eine einmalige Chance“ für die Entwicklung des Dorfes, die vermutlich in Jahrzehnten nicht wiederkomme. Die Projekte brächten der Gemeinde Gewerbesteuern ein, die Tourismusabgabe verdoppelte sich praktisch – große Investitionen wie in die Uferpromenade müssten auch refinanziert werden. Die neue Kläranlage sei bereits auf den Gästezuwachs ausgelegt. Ohne Strukturwandel gehe es in keinem Dorf weiter, bei allen Bedenken und Ängsten seien die Chancen größer. Die FWG fordere den Bau einer Halle für Indoor-Freizeitangebote.

Visualisierung für die geplanten Appartementhäuser in Heringhausen oberhalb des Diemelsees.
So könnten die Appartementhäuser aussehen, die zwischen der Heringhäuser Kirche und dem Feriendorf entstehen sollen. © jsakiman/Arbeitsgemeinschaft Faber/Weber

SPD: Heringhäuser mit eingebunden

SPD-Sprecherin Jutta Franke erinnerte an die ersten Debatten 2020, damals sei entschieden worden, die Projekte könnten nur umgesetzt werden, wenn das Dorf eingebunden werde. „Das ist geschehen“, deshalb stimme die SPD mehrheitlich zu.

Allerdings beantrage sie, eine Reihenfolge festzulegen: Erst sollten Nahversorger und Restaurant gebaut werden, dann erst die Appartementhäuser. Außerdem müsse die Betreibergesellschaft ihren Sitz in Diemelsee haben – was der Schmallenberger Bauunternehmer Johannes Trippe von der Arbeitsgemeinschaft Faber/Weber am Abend nochmals zusagte.

FDP: Bei Bürgerbeteiligung besser werden

„Das positive Votum der Heringhäuser erleichtert uns die Zustimmung ungemein“, sagte FDP-Sprecher Jan-Christoph Meier. Die Diskussionen der vorigen Wochen seien wichtig gewesen – allerdings habe die Gemeinde dadurch leider den Marktbetreiber verloren. Die Bürgerbeteiligung sei erst „auf den letzten Drücker gekommen – das müssen wir besser machen“. Er rief auf, künftig mehr Informationen für alle übers Internet zu veröffentlichen.

Visualiserung: Nahversorger auf dem Heringhäuser Pack-Gelände.
So soll der ersehnte Nahversorger auf dem Heringhäuser Pack-Gelände aussehen, der Neubau soll zweigeschossig werden. © jsakiman/Arbeitsgemeinschaft Faber/Weber

Kritik von Cord Wilke

Das Vorhaben könne gute Impulse geben, es könne aber auch zu Folgen führen, „die wir alle nicht wollen“, sagte der Sozialdemokrat Cord Wilke. Er sprach er noch einmal an, dass das zweite Konzept von Bauwerk-Wilke nicht zum Zuge gekommen war.

Übrig blieben vier Fragen, die entschieden, ob sich das Projekt positiv oder negativ weiterentwickele: Wo sei der Projektplan? Was bringe der Vorvertrag der Gemeinde? Seien die Bürger ausreichend eingebunden? Er vermisse einen Gestaltungswettbewerb. Und was sei mit einem Scoring-Termin, bei dem Planer und Behörden zusammenkommen? Er fragte zudem nach Projektrisiken. Die Vorlage des Gemeindevorstands sei „nicht entscheidungsreif“ – er könne „keinem Blankoscheck zustimmen“, diese Entscheidung habe für eine lange Zeit Auswirkungen.

Johannes Trippe von der Arbeitsgemeinschaft Faber/Weber machte bei Wilke „verletzte Eitelkeit“ aus: Da die eigene Idee nicht besser gewesen sei, werde die andere Idee schlecht gemacht

Mehrheit in Heringhausen für Projekte

Eine Mehrheit der Heringhäuser hat sich bei einem Informationsabend für die drei Investitionen ausgesprochen. Das berichtete Bürgermeister Volker Becker am Freitag. Die Investoren hätten die Projekte noch einmal vorgestellt und mit 72 Einwohnern „sachlich und auf einer sehr guten Ebene“ diskutiert.

An einer Umfrage des Ortsbeirats am Ende des Abends hätten sich 32 Heringhäuser beteiligt. Ergebnis: 20 Stimmen für die Investitionen, zehn dagegen, zwei Teilnehmer enthielten sich.
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Parlamentsmehrheit für den Bau

Mit neun zu sieben Stimmen lehnten die Gemeindevertreter den SPD-Antrag zur Reihenfolge des Bauens ab. In der von Cord Wilke beantragten namentlichen Abstimmung billigten 16 Abgeordnete die drei Projekte, zwei lehnten sie ab.

Trippe begrüßte die breite Zustimmung. „Wir haben da Lust drauf, und wir sind bereit, Sie mitzunehmen“. Er versprach ein „transparentes Verfahren“.

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