1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Gemünden (Wohra)

Aerosolexperte aus Gemünden: Corona bald wie ein Schnupfen

Erstellt:

Von: Martina Biedenbach

Kommentare

Aerosolexperte: Dr. Gerhard Scheuch erläutert, wie man Schulen sicherer machen kann – in seinem neuesten Video und im Interview mit unserer Zeitung.
Aerosolexperte: Dr. Gerhard Scheuch erläutert, wie man Schulen sicherer machen kann – in seinem neuesten Video und im Interview mit unserer Zeitung. © Screenshot: Martina Biedenbach

Bund und Länder diskutieren über Corona-Schutzmaßen im Herbst. Der Gemündener Physiker und weltweit anerkannte Aerosolexperte Dr. Gerhard Scheuch fordert hingegen, die Schutzmaßnahmen aufzuheben.

Gemünden - „Es ist okay, Corona jetzt zu ignorieren“, sagte er kürzlich in der Bild-Zeitung. Wie er zu dieser Haltung kommt, erläutert er im Interview mit unserer Zeitung.

Herr Scheuch, Sie sagen, Schluss mit der Alarmstimmung in Sachen Corona. Wie meinen Sie das?

Die Coronawelle dieses Sommers ist gebrochen – und das ohne Schutzmaßnahmen. Die aktuelle Coronavariante ist zwar hochansteckend, aber sie verursacht in der Regel milde Krankheitsverläufe – auch dank der Impfungen. Mediziner berichten, dass die aktuellen Covid-Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, nicht in erste Linie wegen Covid stationär aufgenommen wurden, sondern wegen anderer Erkrankungen, zu denen die Infektion hinzukommt. Es gibt nur noch wenige Fälle, bei denen das Virus die tiefere Lunge angreift.

Müssen wir nicht dennoch vorsichtig in den Herbst gehen?

Ich erwarte keinen großen Ausbruch im Herbst. In Deutschland waren Ende 2021 laut Robert-Koch-Institut bereits 92 Prozent der Menschen geimpft oder genesen. Jetzt, nach der Omikronwelle, sind es wohl 95 Prozent. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine überstandene Infektion bei erneuter Ansteckung vor einem schweren Krankheitsverlauf schützt, sogar besser als eine Impfung.

Dann hatten die hohen Infektionszahlen in diesem Sommer einen positiven Effekt?

Ja, denn dadurch sind viele Menschen vor künftigen schweren Verläufen geschützt. Ich gehe davon aus, dass eine Coronainfektion bald ähnlich wie ein Schnupfen zu unserem Leben gehören wird.

Sollte man künftig komplett auf eine Maskenpflicht verzichten?

FFP2-Masken schützen vor Corona. Ich empfehle, sie auch weiterhin bei dichtem Gedränge in engen Innenräumen, Bussen oder Bahnen zu tragen – und natürlich in Altenheimen oder Krankenhäusern. Unsinnig ist es hingegen, sie wieder in der Gastronomie einzuführen. Die Gäste tragen sie ja nur auf dem Weg zum Tisch. Während sie dort sitzen, essen, sich unterhalten, können sie gegebenenfalls viel virenhaltige Atemluft in den Gastraum abgeben. Die Maskenpflicht dort würde nur den Betrieben schaden und weiteres Personal vergraulen.

Wie sieht es mit Maskenpflicht in der Schule aus?

Da haben unsere Untersuchungen ergeben, dass Kinder keine Superspreader sind, also keine hohe Virenlast abgeben. Wir haben mit unserem Resp-Aer-Meter die Anzahl der in der Atemluft enthaltenen Aerosolteilchen bei 300 mit Covid infizierten Kindern gemessen. Bei keinem einzigen Kind lag die Anzahl der ausgeatmeten Teilchen über 1000. Erst ab 5000 Teilchen gehört man zu den Superspreadern. Bei Erwachsenen sind etwa 16 Prozent Superspreader. Masken sollten also nicht die Kinder, sondern die Lehrer tragen.

Sollten wir Ihrer Meinung nach komplett sorglos in den Herbst gehen?

Komplett sorglos nicht. Leider gibt es immer noch das Problem von Longcovid bei einigen Betroffenen. Das lässt sich nicht bestreiten. Aber wir sollten den Alltag der Menschen, die das Wort Corona nicht mehr hören können, nicht weiter durch komplizierte und wenig effektive Regelungen erschweren. Die Menschen haben mit der hohen Strom- und Gasrechnung und der Inflation genug andere Sorgen.

Von Martina Biedenbach

Auch interessant

Kommentare