„Alarmstufe Rot“ in der Konzertbranche

Gemündener Depro-Geschäftsführer berichten über Auswirkungen der Corona-Krise für Veranstalter

Gespenstisch: An der bundesweiten Protestveranstaltung „Night of light“ der Event- und Konzertbranche nahm auch die Depro-Dienstleistungen GmbH in Gemünden teil. Depro hatte den eigenen Lkw-Fuhrpark in der Wohrastadt in rotem Licht aufflammen lassen.
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Gespenstisch: An der bundesweiten Protestveranstaltung „Night of light“ der Event- und Konzertbranche nahm auch die Depro-Dienstleistungen GmbH in Gemünden teil. Depro hatte den eigenen Lkw-Fuhrpark in der Wohrastadt in rotem Licht aufflammen lassen.

Die Veranstaltungsbranche war der erste Wirtschaftszweig, der von der Corona-Krise getroffen wurde, und er wird auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein.

Innerhalb kürzester Zeit legten die behördlichen Auflagen die gesamte Veranstaltungswirtschaft lahm – Festivals, Konzerte und andere Live-Shows wurden verschoben oder abgesagt. Davon betroffen ist auch das Gemündener Unternehmen Depro-Dienstleistungen.

Mit dem Veranstaltungsverbot seit dem 10. März hat sich innerhalb weniger Werktage dort der Arbeitsalltag verändert. Im April wurde für einen Teil der Belegschaft die Kurzarbeit angemeldet. „Wir sind sehr froh, dass wir bisher niemanden entlassen mussten. Durch das Autokino Marburg als gemeinsame Aktion mit dem Cineplex Marburg und Goldfisch Art konnten wir zwei Mitarbeiter relativ früh aus der Kurzarbeit zurückholen“, fasst Geschäftsführer Michael Deuker gegenüber der HNA zusammen. Mehr als 30 000 Besucher, rund 11 000 Fahrzeuge, 14 000 Minuten Film plus 3000 Minuten Live-Musik – die Betreiber des Autokinos Marburg schauen auf acht spannende Wochen mit vielfältigen Filmprogramm und Veranstaltungen zurück.

„Dennoch blicken wir wie alle betroffenen Unternehmen sorgenvoll in die Zukunft, was den Umgang mit der Veranstaltungsbranche in der aktuellen Situation anbelangt“, ergänzt Geschäftsführer Matthias Fischer.

Zunächst wurden Mitte März alle Veranstaltungen im Frühjahr abgesagt. Es folgte das Veranstaltungsverbot bis zum 31. August. Damit einhergehend mussten dann auch die Open-Air-Veranstaltungen von Depro im Sommer – Butzbach-Open-Air und die Bad Kissinger Festspiele – verschoben werden.

Dann fiel der Beschluss, dass Großveranstaltungen noch bis mindestens Ende Oktober verboten bleiben. Dies bedeutet weitere Monate keinen Umsatz für die Veranstaltungswirtschaft. „Mit dem Veranstaltungsverbot geht für uns als Dienstleister nicht nur einher, dass wir fast acht Monate keinen Umsatz machen, sondern zum Teil finanzielle Verluste durch Eintrittskarten für verschobene Veranstaltungen, die zurückgegeben werden“, verdeutlicht Fischer.

Führungsteam: Die Geschäftsführer der Gemündener Depro-Dienstleistungen GmbH: (von links) Sebastian Schmitt, Michael Deuker und Matthias Fischer.

Auch in Gemünden mussten relativ kurzfristig nicht nur alle Veranstaltungen abgesagt oder verlegt werden, auch die weiteren Dienstleistungsbereiche des bundesweit agierenden Unternehmens wie Vermietung von Equipment und Trucking sind weggebrochen. „Wir arbeiten in erster Linie mit einem festen Mitarbeiterstamm, den wir versorgen müssen. Darüber hinaus war es uns sehr wichtig, auch für unsere Akteure wie Künstler, Schauspieler, Musiker, Regisseur und Assistenz, die für unsere Open-Airs fest eingeplant waren, eine Lösung zu finden“, sagt Michael Deuker.

Das gilt außerdem für Auszubildende und Praktikanten: „Trotz Kurzarbeit ist uns als Unternehmen wichtig, dass wir unserer Ausbildungspflicht, soweit es uns möglich ist, nachkommen und unsere Azubis und Praktikanten dadurch keine Nachteile erfahren“, führt Matthias Fischer, zuständig für die Ausbildung im Betrieb, an. Als inhabergeführtes Familienunternehmen und als Dienstleister im Event- und Konzertbereich in der Region und bundesweit schließt sich die Depro-Dienstleistungen GmbH den Forderungen nach einem Branchendialog mit der Politik an und setzte mit der Teilnahme an der bundesweiten Aktion „Night of light“ einen eindringlichen Appell an die Öffentlichkeit zur Rettung ihres Wirtschaftszweiges, um gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden. In zahlreichen Städten wurden Spielstätten, Veranstaltungszentren und andere Bauwerke mit rotem Licht angestrahlt und so „Alarmstufe Rot“ symbolisiert. Bundesweit wurden so mehr als 8000 Gebäude beleuchtet. Depro hatte den eigenen Lkw-Fuhrpark in Gemünden in Rot aufflammen lassen

„Wir leben für das Live-Geschäft, für Konzerte und Open-Airs. Wir sitzen hinter der Bühne, planen und organisieren, ohne dass uns das Publikum bemerkt. Jetzt müssen wir aus diesem Schatten treten, uns für unsere Branche stark machen und auf die prekäre Situation aufmerksam machen“, sagen die Depro-Geschäftsführer.

Von Tournee-Begleitung bis Angelo Branduardi

Mit mehr als 150 verschiedenen Gewerken und Spezialdisziplinen ist die Veranstaltungsbranche so breit gefächert wie kaum ein anderer wirtschaftlicher Zweig. Wie die verschiedenen Bereiche und Dienstleister zusammenhängen, wie eng sie miteinander verbunden sind und welche Synergien genutzt werden können, wird am Beispiel von Depro Dienstleistungen und der weiteren Firmen des Verbundes deutlich.

Als inhabergeführtes Familienunternehmen ist die Depro Dienstleistungen GmbH seit mehr als 35 Jahren als Dienstleister im Event- und Konzertbereich tätig. Depro realisiert Tourneen und Konzerte von der ersten Idee, über die technische Planung und die Vermietung des Equipments bis hin zum Ticketing und Trucking.

Die Arbeit ist dabei eng mit den zuständigen Ordnungsämtern, Baubehörden, Architekturbüros und Sanitätsdiensten sowie mit Polizei und Feuerwehr verbunden.

Als Management betreut die angeschlossene Depro Verlag GmbH & Co. KG seit mehr als 15 Jahren die Karriere von Künstlern aus dem In- und Ausland, wie zum Beispiel Christian Lais, Michael Holm und Peggy March.

Mit der Siebenpunkt Verlags GmbH steht zudem die Infrastruktur von einem erfolgreichen Musikverlag mit angeschlossenem Label zur Verfügung. Die Mitarbeiter betreuen seit mehr als 30 Jahren die Karriere von zahlreichen Künstlern, Musikern und Autoren. Der Schwerpunkt liegt auf italienischer Musik, verwaltet werden beispielsweise die Rechte von Hits und Werken von Angelo Branduardi, Adriano Celentano, Toto Cutugno, Enzo Belmonte, Drupi, I Santo California oder Amanda Lear. Der Verlag verwaltet so mehr als 29 000 Werke, die über Radio, Download, Streams oder Konzerten von den Kunden konsumiert werden. jun

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