Sänger der Kultband Adam und die Micky's hat eine neue CD

Dieter Adam macht auch ohne Stimme weiter Musik 

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Hier entstehen seine Ideen: Dieter Adam an seinem Keyboard im heimischen Wohnzimmer. Drei Monate lang hat er an seiner neuen Platte gearbeitet, erst Zuhause, dann in einem Tonstudio in Mücke-Flensungen. Gesungen und gelesen haben andere für den 76-Jährigen. 

Gemünden. Dieter Adam ist Musiker mit Leib und Seele. Trotz Kehlkopfkrebs musiziert der Mann, der mit dem Lied von der Runkelroiweroppmaschin berühmt wurde, weiter. 

Über 40 Jahre lang war er Sänger und Pianist der Band „Adam und die Micky’s“. Gerade ist seine neue CD „Weihnachten im Hessenland“ erschienen. Allerdings sucht man ihn vergeblich als Interpret auf dem neuen Werk. Denn nach einer Operation ist der Gemündener verstummt. „Ich kann nie wieder essen, trinken oder sprechen“, erklärt er mithilfe eines Sprachcomputers. Davon lässt er sich aber nicht aufhalten.

Er komponiert, schreibt und produziert, den Gesang und das Vorlesen der Gedichte übernehmen auf der neuen CD andere für ihn. Zum Beispiel hr4-Moderator Heinz-Günter Heygen, Karnevals-Urgestein Corinna Kuhn alias Die Dolle und Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi. Viele der Lieder und Gedichte sind auf Hessisch. Auch das bekannteste Lied der Band „Die Runkelroiweroppmaschin“ setzt dem Südhessischen ein Denkmal und wurde von den Zuschauern des HR 2008 sogar zum beliebtesten hessischen Fastnachtslied gewählt.

Seine Leidenschaft für Fasnacht weckte Adams Vater, der Sitzungspräsident beim Karnevalsverein im in Hanau war. „Mit 11 stand ich zum ersten Mal in der Bütt.“ 15 Bücher mit Büttenreden hat er inzwischen geschrieben. Trotzdem funktioniert Humor nicht in ganz Hessen gleich. Seit 2004 wohnt Adam in Gemünden, denn dort lebt seine Tochter. „2005 habe ich es Rosenmontag mal mit einer Büttenrede versucht. Kein Mensch hat es verstanden. Tags zuvor haben die Leute in Frankfurt gewiehert, hier gab es verständnislose Gesichter. Die Leute sprechen meine Sprache nicht.“

Das Schreiben ist seit 1974 sein zweites Standbein. Damals war er noch Zweigstellenleiter einer Bank. Aus Langeweile schrieb er eine Art hessisches Musical mit dem Titel „Das Herz von Frankfurt“. Das Frankfurter Volkstheater führte das Stück auf. Es folgten weitere Theaterstücke, die zum Teil auch von Peter Steiners Theaterstadl oder der Trierer Volkstheater inszeniert wurden. Auch ältere Fans von Heftromanen könnten seinen Werken schon begegnet sein. Denn seit 1976 veröffentlichte er über 100 Kurzgeschichten unter Namen wie Vera Orloff, Herlinde Seebacher und Eva Adams.

Doch die Musik blieb seine große Liebe. Über 30 Alben nahm er allein mit „Adam und die Micky’s“ auf. 2012 folgte dann die Hiobsbotschaft: Bei Dieter Adam wurde ein Tumor auf den Stimmbändern entdeckt. Der konnte weggelasert werden, doch die Gesangsstimme war danach nur noch bedingt vorhanden. So hatte die Band an Fastnacht 2013 ihre letzten Auftritte. Endgültig verlor Adam seine Stimme, als bei ihm Kehlkopfkrebs diagnostiziert und operiert wurde. „2014 war ich praktisch tot.“ Die Prognose sei schlecht gewesen. „Aber ich wollte nicht sterben.“ Stattdessen schrieb er wieder mehr Bücher. Zum Beispiel das Begleitwerk zur neuen CD, eine überarbeitete Version seines „Hessischen Atzventzkalennerbichelche“ und seine Biografie „So war’s - oder so ähnlich“. Die Verkaufsstellen seiner Bücher und CD’s findet man auf www.musikadam.de

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