Chefin Karin Gronau muss Betrieb aufgeben

Fleischerfachgeschäft Gronau in Sehlen schließt

Demnächst ist Schluss: Das 1964 gegründete Fleischerfachgeschäft Wilhelm Gronau im Gemündener Stadtteil Sehlen schließt am Freitag, 31. Januar. Foto: Klaus Jungheim

Sehlen – Karin Gronau steht ein schmerzvoller Tag bevor: Am Freitag, 31. Januar, schließt das Fleischerfachgeschäft Wilhelm Gronau in Sehlen endgültig. „Das tut sehr weh, denn der Betrieb ist auch ein wesentlicher Teil meines Lebens gewesen“, sagt die 63-Jährige, die in ihrem Wohnhaus direkt am Betrieb wohnt.

Nach dem Tod ihres Mannes habe sie knapp anderthalb Jahre lang versucht, als Chefin ihre Frau zu stehen. Aber gegen Ende 2019 kam die bittere Erkenntnis: „Ich habe nicht mehr die Kraft, alles alleine zu stemmen.“

Im Jahr 1964 war das Geschäft von ihren Schwiegereltern Anna und Wilhelm Gronau Senior gegründet worden. 1986 übernahmen Wilhelm Gronau Junior und seine Frau Karin, geborene Boucsein, den Betrieb. Sie modernisierten die Produktionsräume. Durch stetige An- und -Umbauten entstand im Laufe der Jahre ein modernes Fleischerfachgeschäft.

Bei allem Herzblut für den Betrieb: „Mit dem Tod meines Mannes im Mai 2018 brach von jetzt auf gleich alles weg.“ Wilhelm Gronau sei der Dreh- und Angelpunkt des Betriebs in dem Gemündener Stadtteil gewesen: „Das kann ich alleine auf lange Sicht nicht ausgleichen.“

Das Ende des Fleischerfachgeschäfts begann seinerzeit schleichend. Die Filiale in Rosenthal musste aufgegeben werden. Es wurde immer schwieriger, geeignetes Fachpersonal zu finden. Nach und nach mussten Angebot und Service reduziert werden.

Karin Gronau konnte auch in dieser schweren Phase auf ihre drei Kinder bauen – aber dass ihre zwei Söhne und eine Tochter den Betrieb nicht übernehmen würden, stand schon lange fest: „Das war schließlich kein Thema.“

Für ihre Unterstützung ist sie ihnen ebenso dankbar wie den einst insgesamt bis zu 16 Mitarbeitern für deren Solidarität in schwerer Zeit.

Ein regelrechter Kraftakt war es für die 63-Jährige dann auch, den Mitarbeitern die Kündigungen auszusprechen. Aber: „Ich freue mich, wenn sie jetzt eine neue Stelle bekommen.“ Das gelte auch für den Lehrling, der seine Ausbildung bei einem Fleischermeister in Bottendorf fortsetzen könne.

Ursprünglich wollte sich das Ehepaar im Jahr 2021 aus der Firma zurückziehen. Nun bereitet Karin Gronau zusammen mit acht verbliebenen Mitarbeitern das Ende des Betriebs vor – ein Betrieb, der bis zum tragischen Tag im Mai 2018 das Fleisch von Tieren aus der Region selbst schlachtete und für seine Produkte mehrfach ausgezeichnet wurde. Derzeit läuft der Abverkauf des Restangebots.

„Fast täglich drücken Kunden ihr Bedauern über die bevorstehende Schließung aus“, berichtet Karin Gronau. Dafür sei sie sehr dankbar, denn es zeige die Bedeutung des Geschäfts im Herzen der Bunstruth.

Aber nicht nur in und um Sehlen, sondern aus ganz Deutschland kamen traurige Reaktionen auf die angekündigte Schließung. Denn zum Service des Fleischerfachgeschäfts Gronau gehörte auch ein bundesweiter Versand.

Für das Inventar seien bereits Kauf-Interessenten vorhanden. Die Verkaufs- und Verarbeitungsräume aber bleiben leer. Es sei denn, es findet sich für die Immobilie ein Fleischereibetrieb, der dort eine Filiale einrichten möchte. Karin Gronau: „Darüber könnte man reden.“

Das sagt Bürgermeister Gleim

„Die Schließung des Fleischerfachgeschäfts Wilhelm Gronau ist sehr schade“, kommentierte Gemündens Bürgermeister Frank Gleim. Arbeitsplätze und tolle Angebote würden wegfallen. Der Betrieb habe als Caterer mit seinen Produkten viele Feierlichkeiten beliefert. Gleim: „Außerdem war die Unternehmerfamilie Gronau eng mit der Vereinswelt verbunden.“

VON KLAUS JUNGHEIM

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