Flüchtlinge in Gemündener Sporthalle: Unterricht  an anderen Orten

In Bewegung: Die Schüler der Klasse 2 der Cornelia-Funke-Schule haben sich daran gewöhnt, dass der Sportunterricht nun im DGH Sehlen stattfindet. Sie haben dort weniger Platz zum Toben als sonst in der Sporthalle Gemünden, doch der Spaß ist geblieben. Fotos: Rösner

Gemünden. Seitdem die Sport- und Kulturhalle in Gemünden Unterkunft für Flüchtlinge ist, muss die Cornelia-Funke-Schule für den Schulunterricht ausweichen. Das wird unterschiedlich organisiert.

Die dritte Stunde beginnt normalerweise um 9.35 Uhr. Bis die Klasse 2 aber mit dem Bus von Gemünden aus in Sehlen ankommt, ist es bereits 9.45 Uhr. Fürs Umziehen gehen dann noch ein paar Minuten drauf, und so beginnt der Sportunterricht später als sonst, als die Schulsporthalle noch keine Flüchtlingsunterkunft war.

Die Cornelia-Funke-Schule (CFS) hat sich mit der Situation arrangiert und Alternativen gefunden. Der Alltag hat sich eingespielt, wenn auch einige Einschränkungen damit einhergehen. Zeitverlust und weniger Komfort sind die hauptsächlichen Einschnitte, auf die sich Lehrer und Schüler mittlerweile eingestellt haben. Einzelne Sportstunden können nicht stattfinden, doch für die allermeisten hat die Schule Ausweichstätten gefunden, so dass jede Klasse auf ihre Kosten kommt. „Das ist besser als gar nichts“, sagt der Sportlehrer Tobias Truß.

Der 33-Jährige hat an diesem Vormittag sechs Stunden Sport zu unterrichten. Am Morgen war er schon mit einer anderen Klasse zum Sportunterricht in Haina. Dann ging es per Bus zur Schule, wo schnell die Schlüssel getauscht wurden, um dann mit 19 Zweitklässlern zum Dorfgemeinschaftshaus Sehlen zu fahren.

Das Busunternehmen Küster ist eingesprungen, als feststand, dass nach den Herbstferien Schüler nach Sehlen und zur Sporthalle Haina gebracht werden müssen. Diese zusätzlichen Fahrten werden von der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) mit dem Unternehmer abgerechnet. „Letztendlich zahlt es aber der Landkreis“, sagt Olaf Winter von der EWF. „Es ist Glück, dass es kurzfristig geklappt hat“, sagt Tobias Truß. Vor allem beim ersten Mal in Sehlen musste der Lehrer improvisieren. „Es gab nur ein Sprungbrett, einen Kasten und ein paar Turnmatten“, erzählt er. Nun bringe er die nötigsten Dinge mit, die er zum Unterrichten braucht. Ein paar Bälle und Hütchen zum Feld abstecken zum Beispiel. „Am Anfang haben sich die Kinder beschwert.“ Im Vergleich zur Turnhalle, die sie gewöhnt waren, ist der Raum in Sehlen klein, die Lärmbelastung größer, und es gibt keine Tore zum Fußballspielen.

Als Ersatz für Umkleidekabinen dienen ein Gruppenraum für die Mädchen und ein separater Bereich neben dem Saal für die Jungen. Damit es warm genug ist, hat die Sekretärin am Morgen die Heizungen angestellt.

Den Kindern sieht man nicht an, dass ihnen die schlechteren Umstände etwas ausmachen. Sie rennen drauf los, schnappen sich Bälle und wirken froh, dass sie toben dürfen. Auch Tobias Truß passt sich den Gegebenheiten an. „Eigentlich wollte ich gerne Turnen unterrichten“, berichtet er. Wegen der fehlenden Ausstattung plant er um. So stehen an diesem Vormittag Werfen und Fangen an.

Was die Schulleiterin zur Organisation des Sportunterrichts sagt, lesen Sie in der Printausgabe der Frankenberger HNA von Dienstag.

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