Am Gemündener Galgenberg könnte ein Windpark entstehen

Gemünden. Soll noch ein Windpark mit drei Windrädern bei Gemünden gebaut werden? Darum ging es jetzt bei einer Infoveranstaltung im Bürgerhaus.

Etwa 60 Menschen, darunter viele Mandatsträger, hörten sich die Ausführungen des Bürgermeisters Frank Gleim an. Auch zwei Vertreter der Windkraft-Projektierer, Stefan Kieweg von der VEW (Gesellschaft für Erneuerbare Energien) und Marcus Hartmüller von der UKA (Umweltgerechte Kraftanalgen, beantworteten Fragen.

Die Ausgangslage

Am Galgenberg südwestlich von Gemünden liegt die Windkraft-Vorrangfläche KB_72. Die betroffene Fläche gehört zu etwa 90 Prozent Hessen-Forst, dem forstwirtschaftlichen Landesbetrieb Hessens. Etwa zehn Prozent befinden sich in städtischem Eigentum. Auf dieser insgesamt etwa 23 Hektar großen Fläche könnten laut Bürgermeister bis zu drei Windkraftanlagen entstehen. Auch zwei Anlagen seien noch wirtschaftlich, hieß es von Seiten der Projektierer.

Zwei Szenarien

Bürgermeister Gleim präsentierte zuerst diese Möglichkeit: Hessenforst geht als Haupteigentümer mit der Windvorrangfläche in einigen Jahren ins Bieterverfahren zur Projektentwicklung. Die Stadt Gemünden wäre als Eigentümer der Wegeparzellen für Kabelverlegearbeiten und die Zuwegung mit in den Prozess eingebunden.

Die Stadt könnte aber auch als Eigentümer einer Teilfläche als Initiator in die Projektentwicklung gehen. Projektierer und Stadt würden einen Vertrag abschließen und nähmen dann gemeinsam Kontakt mit Hessen-Forst auf. Im Ergebnis sollte es eine Flächenpool-Lösung sowie eine freihändige Vertragsvergabe der betroffenen Flächeneigentümer geben. So erhofft sich die Stadt mehr Mitsprache. Außerdem könnte so zügiger mit dem Projekt begonnen werden.

Die Diskussion

Bei der Diskussion zeigte sich, dass der Widerstand gegen einen Windpark größer werden könnte als der gegen den bestehenden Windpark Gemünden im Osten der Stadt. Dabei ging es nicht nur um die beiden Szenarien, sondern auch grundsätzlich um den Ausbau der Windkraft. Die Befürworter bejahten grundsätzlich die Energiewende und nannten die Tatsache, dass irgendwo Windräder hin müssten. Die Projektierer warnten davor, auf Hessen-Forst zu warten. Sie gaben zu bedenken, dass etwa die Wegenutzung in anderen Fällen auch gerichtlich erzwungen wurde.

Einige Zuschauer fürchteten einen Wertverlust ihrer Grundstücke durch die „Verspargelung der Landschaft“ und eine größere Beeinträchtigung als den bestehenden Windpark durch die größere Nähe zur Stadt und die größere Höhe der geplanten Anlagen.

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Ein weiterer Kritikpunkt war, dass der Tourismus, in den Gemünden viel Geld investiert habe, gefährdet werde. Außerdem wurde die Wirtschaftlichkeit infrage gestellt, insbesondere aufgrund der bundesweit immer noch fehlenden Speicherkapazitäten des erzeugten Stroms.

Schon im Vorfeld hatte sich die Junge Union mit einer Pressemitteilung gegen den Windpark positioniert. Sie nannte neben dem Tourismus eine Abschreckung potenzieller Neubürger als Grund für ihre Ablehnung.

Die Zukunft

Über das weitere Vorgehen muss das Parlament abstimmen. Ein Zuschauer schlug vor, die Bürger zu befragen. Bürgermeister Gleim begrüßte den Vorschlag. Auf Nachfrage kündigte er an, in den kommenden drei Monaten versuchen zu wollen, ein solches Bürgervotum umzusetzen. Grundsätzlich ermunterte er die Bürger, ihn oder auch die Parlamentarier zu kontaktieren. Schließlich sei noch nichts entschieden und man wolle die Gemündener miteinbeziehen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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