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Gemündener Schulkinder lernten 1976 in Innsbruck Rosi Mittermaier kennen

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Von: Karl-Hermann Völker

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Am Tag vor ihren Gold-Siegen in Innsbruck: Rosi Mittermaier (Mitte) stellte sich 1976 mit Gemündener Schulkindern, die wegen einer Zeitverlegung ihr Training im Abfahrtslauf verpasst hatten, zum Gruppe
Am Tag vor ihren Gold-Siegen in Innsbruck: Rosi Mittermaier (Mitte) stellte sich 1976 mit Gemündener Schulkindern, die wegen einer Zeitverlegung ihr Training im Abfahrtslauf verpasst hatten, zum Gruppe © Werner Ebert

Schulkinder aus Gemünden (Wohra) trafen 1976 in Innsbruck die Skifahrerin Rosi Mittermaier - einen Tag bevor sie die Weltmeistertitel holte.

Frankenberg/Gemünden – Es gibt Begegnungen im Leben, die man nie vergisst. So erging es jetzt auch einer Gruppe von Ehemaligen der Gemündener Mittelpunktschule, die im Februar 1976 zu einer Skifreizeit in ein Gebirgsdörfchen bei Innsbruck gefahren waren, um von dort aus ein paarmal die Olympischen Winterspiele zu besuchen. Für das Damen-Abfahrtstraining mit ihrer Favoritin Rosi Mittermaier besaßen sie Eintrittskarten– kamen aber mit dem Bus unverschuldet zu spät, weil der Lauf wegen des Wetters kurzfristig vorverlegt worden war. Große Enttäuschung.

Doch dann: Als Rosi Mittermaier mit anderen Sportlerinnen am Ausgangstor erschien und vom Pech der Gemündener Schulkinder hörte, gesellte sie sich spontan für ein Gespräch mit Gruppenfoto zu ihnen– ein Erinnerungsbild, das in den Tagen danach Gold um Gold wertvoller wurde…

Treffen mit Gold-Rosi: „Eine sehr freundliche, ja herzliche Begegnung“

An diese, wie er sagt, „sehr freundliche, ja herzliche Begegnung“ musste in Frankenberg auch Werner Ebert denken, als er in der vergangenen Woche vom Tod der 72-jährigen Rosi Mittermaier erfuhr. Als junger Lehrer an der Gemündener Schule hatte er 1976 zusammen mit Kurt Hönisch, dem späteren Leiter der Burgwaldschule, für ein 6. und ein 7. Schuljahr die Fahrt zur Olympiade in Innsbruck geplant.

„Das war kein billiges Unternehmen, und deshalb wurde im Vorfeld schon eifrig dafür gespart. Der Gemündener Busunternehmer Heinrich Trümner, der dort durch manche Busreise gut vernetzt war, hatte uns preiswerte Unterkünfte in Gries im Sellrain vermittelt“, erzählt er.

Das war nahe bei Innsbruck, so dass die Schüler verschiedene Veranstaltungen besuchen konnten: neben Skilaufen auch Springen, Bob, Eishockey und Eisschnelllauf. „Bei den Eintrittskarten musste auch auf den Preis geachtet werden. Deshalb wurden nur Karten für das Abfahrtstraining der Damen gekauft. Natürlich wollten alle auch Rosi Mittermaier sehen, die zum Favoritenkreis zählte“, erinnert sich Werner Ebert.

Das alles wäre um ein Haar schief gegangen, hätte nicht sein Freund Kurt Hönisch am Ausgangstor Rosi Mittermaier mit anderen Sportlerinnen, darunter auch die österreichische Silbermedaillen-Gewinnerin Brigitte Totschnig, entdeckt und spontan für die Schülergruppe angesprochen.

Am nächsten Tag gewann Rosi Mittermaier den Abfahrtslauf, danach sogar noch den Slalom, und im Riesentorlauf wurde sie Zweite. „Sie war damit zur umjubelten Gold-Rosi geworden. Und unser Foto bekam seinen ganz besonderen Wert“, berichtet Ebert.

Wohl geordnetes Archiv: Werner Ebert, der 1976 die Schulkinder bei ihrer Begegnung mit Rosi Mittermaier fotografierte, holte am Wochenende alte Dias und Erinnerungsstücke aus dem Keller.
Wohl geordnetes Archiv: Werner Ebert, der 1976 die Schulkinder bei ihrer Begegnung mit Rosi Mittermaier © Karl-Hermann Völker

Treffen mit der Gold-Rosi: Später gab es auch noch ein Autogramm

„Ein Papierabzug davon reiste mit Trümners Bus im darauffolgenden Sommer nach Garmisch-Partenkirchen, wo sich Rosi wiederum bereitwillig mit einem Autogramm darauf verewigte. Auf der Weihnachtsfeier in Gemünden wurde das Bild versteigert und brachte einen ordentlichen Betrag in die Klassenkasse.“

Neben den großen Olympia-Erlebnissen strebten die Lehrer Ebert und Hönisch, die von den Kolleginnen Sybille Eisenschenk und Helga Herwig begleitet wurden, natürlich auch ganz einfache sportpädagogische Ziele an: den Gemündener Kindern selbst erste Fertigkeiten und Freude beim Skifahren zu vermitteln. Nur aus Battenhausen waren schon ein paar Skierfahrene dabei.

„Alle Reiseteilnehmer werden sich gerne an die unbeschwerten Tage und an die Begegnung mit der jetzt verstorbenen Rosi Mittermaier erinnern,“ ist der mittlerweile 80-jährige Lehrer Ebert überzeugt.

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