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Gemündener Ukraine-Hilfe hat Mutter-Kind-Gruppe für Geflüchtete eingerichtet

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Von: Martina Biedenbach

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Gruppe für Mütter mit kleinen Kindern: Die Erzieherinnen Hanna Gnechka (vorne) und Kateryna Pidlisna (rechts) aus der Ukraine betreuen zusammen mit anderen Müttern die Kinder ehrenamtlich. Sie werden unterstützt von anderen Müttern und von Wilfried Golde (links), Erzieher im Ruhestand.
Gruppe für Mütter mit kleinen Kindern: Die Erzieherinnen Hanna Gnechka (vorne) und Kateryna Pidlisna (rechts) aus der Ukraine betreuen zusammen mit anderen Müttern die Kinder ehrenamtlich. Sie werden unterstützt von anderen Müttern und von Wilfried Golde (links), Erzieher im Ruhestand. © Martina Biedenbach

Die Gemündener Ukraine-Hilfe setzt sich vielfältig für Geflüchtete ein. Jetzt hat das Organisationsteam eine Mutter-Kind-Gruppe und Sprachkurse ins Leben gerufen.

Gemünden – Die Kinder singen ukrainische und russische Lieder und gehen dazu im Kreis. Sie tanzen und hüpfen, heben die Arme. Mit einem kleinen Sportprogramm starten Hanna Gnechka (38) und Kateryna Pidlisna (31) die Mutter-Kind-Gruppe, die die Gemündener Ukraine-Hilfe eingerichtet hat. Es ist ihr Morgenritual.

Vor ihrer Flucht aus der Ostukraine waren die beiden Frauen als Erzieherinnen tätig. Ehrenamtlich setzen sie jetzt ihren Beruf fort. „Sie machen das toll und professionell“, sagt der Gemündener Wilfried Golde. Der 71-Jährige hat 33 Jahre als Erzieher in Kindergärten gearbeitet und unterstützt die Mutter-Kind-Gruppe für Ukraine-Flüchtlinge – ebenso wie Margret Pohlmann, die ehemalige Leiterin der Gemündener DRK-Kita Wolkenland.

Im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Firma Geka, das die Besitzerfamilie Herzog der Ukraine-Hilfe kostenlos zur Verfügung stellt, haben die Kinder einen großen Raum. Kleine Tische und Stühle, Spielhaus, Matratzen, Spielecke für ganz kleine Kinder, Spielzeug und Kuscheltiere – die gesamte Ausrüstung ist durch Spenden zusammengekommen, erläutert die Gemündenerin Beatrice Fedorenko. Sie gehört ebenso wie ihre Mutter Alevtina Fedorenko, Stadtverordnetenvorsteher Harald Stehl, Bürgermeister Frank Gleim und weiteren Personen dem Organisationsteam der Gemündener Ukraine-Hilfe an. Die Stadt hat im Außenbereich einem Sandkasten aufgebaut.

Kleinkinder und ihre Mütter haben in der Gruppe von Montag bis Freitag vormittags einen festen Anlaufpunkt, sagt Fedorenko. In den Gemündener Kitas gebe es leider nur zwei freie Plätze. Das Aufnahmeverfahren für zwei Kinder laufe noch. „Das ist viel Papierkram“, sagt Fedorenko.

Mutter-Kind-Gruppe der Ukraine-Hilfe in Gemünden: Kinder können unter Kindern sein

„Es ist wichtig, dass Kinder unter Kindern sind“, betont Wilfried Golde. Er verständigt sich mit den Kleinen aus der Ukraine in Zeichensprache. Da kommt etwa die kleine Kira mit einem Stofftier zu ihm. „Der Tiger“, sagt Golde, das Kind spricht es nach und hat schnell ein neues Wort gelernt. „Die Kinder wollen lernen und fragen immer auch gleich nach dem Artikel: das Schaf, der Hund die Katze“, schildert Golde.

„Die Kindergruppe ist auch wichtig für die Mütter. Sie können dann Dinge erledigen, Behördengänge machen. Manche arbeiten bereits. Oder sie haben dann etwas Zeit für sich“, sagt Beatrice Fedorenko. In Gemünden sind derzeit 105 Geflüchtete aus der Ukraine angekommen – vor allem Frauen und Kinder, nur wenige Männer sind dabei.

„Das geht einem zu Herzen, wenn man an das Schicksal der Familien denkt“, sagt Golde, der sich auch in anderen Bereichen der Ukrainehilfe engagiert – zusätzlich zu seinem bisherigen ehrenamtlichen Engagement, etwa in der Brandschutzerziehung, und zu seinen privaten Aufgaben als Großvater.

Mutter-Kind-Gruppe der Ukraine-Hilfe in Gemünden: Normalität gibt Sicherheit

Die ukrainischen Kinder malen und spielen. Sie haben gemeinsam Spaß, einen Ort zum Fröhlichsein. „Die Normalität in der Gruppe gibt Sicherheit“, erläutert die ehemalige Kitaleiterin Margret Pohlmann. Und: Im Spiel könnten Kinder ihren Gefühlen leichter Ausdruck verleihen. Das sei gerade für Geflüchtete mit traumatischen Erfahrungen und der Sorge um die Väter und Verwandten, die in der Ukraine geblieben sind, wichtig. Wenn es den Kindern gut gehe, entlaste das auch die Mütter. Und auch für die Mütter selbst seien das Zusammensein und der Austausch mit anderen hilfreich, sagt Pohlmann.

Für die Mutter-Kind-Gruppen wird noch eine Kindergarderobe gebraucht. Auch Bälle, Bobbycars oder andere Fahrzeuge für draußen sind als Spenden willkommen, sagt Beatrice Fedorenko.

Ukraine-Hilfe in Gemünden: Fünf Sprachkurse organisiert

In Gemünden haben gleich fünf Sprachkurse für Geflüchtete aus der Ukraine begonnen – mit jeweils 13 bis 15 Personen. Die Deutschkurse laufen über die Kreisvolkshochschule Waldeck-Frankenberg (vhs). Die Lehrerinnen und Lehrer sind Gemündener, die Russisch oder Ukrainisch sprechen und die Lehrvoraussetzungen der vhs erfüllen, sagte Beatrice Fedorenko.

Deutschkurs für Geflüchtete aus der Ukraine: Beatrice Fedorenko (links) hat die Kurse der Kreisvolkshochschule Waldeck-Frankenberg in Gemünden mitorganisiert und ist als Sprachlehrerin tätig. Das Foto zeigt die Lehrerin mit Schülern, vor allem Frauen, die an Tischen sitzen und Lehrbücher in der Hand haben. Es ist ein Raum der katholischen Gemeinde in Gemünden.
Deutschkurs für Geflüchtete aus der Ukraine: Beatrice Fedorenko (links) hat die Kurse der Kreisvolkshochschule Waldeck-Frankenberg in Gemünden mitorganisiert und ist als Sprachlehrerin tätig. Diese Gruppe nutzt einen Raum der katholischen Gemeinde in Gemünden. © Biedenbach, Martina

Die 23-Jährige gehört zum Organisationsteam der Gemündener Ukraine-Hilfe, das zusammen mit der vhs die Kurse in die Wege geleitet und für Räume gesorgt hat. Die evangelischen und die katholische Kirchengemeinde sowie die Gemündener Schule stellen Räume für den Unterricht zur Verfügung.

Gemündens Bürgermeister Frank Gleim freut sich, dass die Sprachkurse in Gemünden stattfinden und die Geflüchteten – es sind bisher 105 Menschen im Gebiet der Stadt Gemünden untergekommen – nicht zum Kurs nach Frankenberg fahren müssen.

Auch Claudia Grande, die bei der vhs für die Sprachkurse zuständig ist, lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Gemündener Organisationsteam. Sie erläutert, dass die Kurse im Auftrag des Landkreises Waldeck-Frankenberg stattfinden. Insgesamt habe die vhs kreisweit seit Anfang März 17 zusätzliche Sprachkurse vornehmlich für Geflüchtete aus der Ukraine gestartet. Weitere würden in Kürze beginnen. (Martina Biedenbach)

Spenden

Sachspenden (auch Sommerkleidung, Möbel und Hausrat) nimmt die Ukraine-Hilfe mittwochs von 15 bis 18 Uhr und am Wochenende von 13 bis 18 Uhr im Geka-Gebäude, Struthweg, Gemünden entgegen; Infos bei Beatrice Fedorenko, Tel. 01 52/ 54 86 45 61. Geldspenden an das Gemündener Spendenkonto (gemuenden-wohra.de)

Weitere Berichte über die Gemündener Ukraine-Hilfe:

Gemündener Ukrainehilfe freut sich über Spenden- und Hilfsbereitschaft

Hilfsaktionen für Menschen aus Ukraine in Gemünden gut angelaufen

Krieg in der Ukraine: Wie Gemündener Verwandten zur Flucht verhalfen

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