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Interview: Pfarrer Hilmar Jung beschreibt die Bedeutung von Ostern

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Von: Klaus Jungheim

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Pfarrer Hilmar Jung vor der Fachwerkkirche von Mohnhausen: „Ostern ist für mich Herzenssache und keine Vernunftangelegenheit.“
Pfarrer Hilmar Jung vor der Fachwerkkirche von Mohnhausen: „Ostern ist für mich Herzenssache und keine Vernunftangelegenheit.“ © Klaus Jungheim (Archiv)

Ostern ist das höchste Fest der Christen und das zentrale Ereignis ihrer Religion. Denn die Auferstehung Jesu begründet den Glauben an ein Leben nach dem Tod. Eine wesentliche Rolle dabei spielen die Pfarrerinnen und Pfarrer.

Grüsen/Mohnhausen – Was verbinden sie mit Ostern, welche Bedeutung hat Ostern für sie, welche Rolle spielt das Abendmahl? Dies und vieles mehr wollten wir im Interview stellvertretend von Pfarrer Hilmar Jung wissen. Der 59-jährige Seelsorger betreut in der Evangelischen Kirchengemeinde Gemünden-Bunstruth die Gemeindebezirke Grüsen und Mohnhausen.

Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie mit Ostern?

Nur gute! Die Vorbereitungen begannen für meine Familie bereits am Sonntag Judica. Dann nämlich wurde Gerste in alte Keramikschüsseln gesät, die als Hoffnungszeichen bis zum Osterfest aufgehen sollte. Am Karsamstagabend fand das Färben der Eier statt. Wir durften kein Fernsehen schauen, sondern sollten uns still auf das Fest der Auferstehung vorbereiten. Osterfeuer und anderes Brauchtum mit Lizenz zum Event gab es damals bei uns auf dem Dorf nicht.

Am Ostersonntag gingen wir drei Jungs mit den Eltern selbstverständlich zum Gottesdienst. Als Jugendlicher wurde ich dann ein Fan der Osternacht, die Pfarrer Reinhard Heubner in unserer Gemeinde einführte. Das anschließende Frühstück mit erinnert 100 Besuchern war ein Erlebnis. Hefezopf und Erdbeermarmelade. Dazu die gefärbten Eier. Als Familie frühstückten wir lange Jahre also immer in großer Gesellschaft. Erst am 2. Feiertag dann daheim privat.

Unvergesslich ist mir der Ostergruß, den meine Großmutter jedem in der Früh zusprach und der noch heute in der Osterliturgie beheimatet ist: „Der Herr ist auferstanden“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden“. Mein Vater behält diese Familientradition übrigens bei.

Heute, als gestandener Pfarrer: Welche Bedeutung hat Ostern für Sie heute?

Theologisch betrachtet und in der Luthertradition ist sicher der Karfreitag der höchste protestantische Feiertag. Der Gekreuzigte ist für viele schwer auszuhalten oder nachzuvollziehen. Deshalb lenken sie den Blick an Karfreitag bereits hin zu Ostern.

Ostern ist für mich Herzenssache und keine Vernunftangelegenheit. Es beginnt ja mit einem krassen Irrtum. Die Frauen pilgern zum Grab und wollen einen Toten ehren. Als hätten sie Jesus nie richtig zugehört. Seine Auferstehung steht über allem Leid und dem berechtigten Zweifel. Sie ist das letzte Wort Gottes an seine Schöpfung, so wie er einst mit dem ersten alles Sein ins Leben rief.

Ein wichtiger Aspekt des Osterfestes ist mir persönlich, dass die Frauen und Jünger allesamt zurück in den Alltag geschickt werden. Hier findet nämlich noch immer das Leben statt. Nun versehen mit dem Pluszeichen des Kreuzes. Ostern meint, meine Hoffnung macht Sinn, ohne den Zweifel zu ignorieren.

Wie wird Ostern in Ihrer Kirchengemeinde gefeiert?

Endlich wieder in Präsenz nach mehr als zwei Jahren! Darauf freue ich mich persönlich sehr. Im Kirchenvorstand herrschte sofort Einigkeit darüber. In Grüsen und Mohnhausen gibt es den Einzug mit der Osterkerze unter den Klängen des Posaunenchores, an der dann die seit Karfreitag erloschenen Altarkerzen entzündet werden. Anschließend singt die Gemeinde stehend mit den Bläsern „Christ ist erstanden“ (für mich das „O, du fröhliche“ des Osterfestes). Posaunenmusik dominiert und komplettiert den Gottesdienst mit fröhlichen Weisen. Tradition hat inzwischen auch ein Lied aus dem EGplus „Wie ein Fest nach langer Trauer“, das das Ereignis der Auferstehung in wunderbare Worte fasst, in Töne kleidet bzw. so neu interpretiert.

Das Abendmahl spielt eine besondere Rolle. Wie wird es bei Ihnen zelebriert?

Die präsentische Feier des Abendmahls habe ich mir persönlich sehr lange offen gehalten. Meine junge Kollegin in Gemünden überzeugte dann aber den alten Zweifler. Und weil aus der Gemeinde ebenfalls erwartungsvolle Anfragen kamen, bin ich mir nun endlich sicher. Wir werden es in Form der Intinctio haben, d.h. der Pfarrer teilt hygienegerecht die Hostien aus. Anschließend taucht ein jeder diese in den Gemeinschaftskelch. Wir haben leider (noch) keine Einzelkelche. Das ist vom Kirchenvorstand auch so besprochen. Alles natürlich in gebührendem Abstand. Bei unseren geräumigen Kirchen ist dies kein Problem. Die Gruppen, die sich um den Altar herum versammeln, werden klein sein. Was wir dürfen und nun möglich ist, sollten wir endlich wieder verantwortbar tun!

Gibt es Besonderheiten?

Das sonst übliche An-die-Hände-Fassen zum Entlassungswort wird es diesmal nicht geben. Schade. Denn dadurch fehlt wieder ein sichtbares Zeichen von eng verbundener Gemeinschaft, den das Abendmahl auch ausstrahlt.

Welchen besonderen Wunsch haben Sie über Ostern hinaus?

Ostern ist Ausdruck der Erfahrung, dass es eine tiefe Wahrheit hinter den Dingen gibt. Wenn ich nur das glaube, was ich sehe, werde ich meinem Auftrag nicht gerecht, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein. Ostern ist darüber hinaus Gottes einzigartiges Bekenntnis zum Leben an sich. Es nährt meine Hoffnung, dass es sich durchsetzt. Gerade jetzt aktuell in Form von Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit.  Es gibt ein Miteinander auch im Nebeneinander. Das Osterfest feiern viele Nationen und Konfessionen. In der Ukraine. In Russland. Bei uns. Ostern rückt den Menschen unbedingt in den Mittelpunkt der Liebe Gottes. Bringt zur Besinnung. Das bestärkt und ermutigt. Inspiriert und kann einfach nicht verborgen bleiben.

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