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Alpla investiert jährlich 50 Millionen Euro für Recycling

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Von: Klaus Jungheim

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„So stellen wir Kunststoff-Flaschen her“: Der Geschäftsführer der gesamten Alpla-Gruppe, Philipp Lehner (rechts), erläutert im Gemündener Werk der Grünen-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Dr. Bettina Hoffmann, die Produktion. Neben ihm Mitarbeiter Alexander Assel sowie in der Mitte der Multi-Plant-Manager Andreas Kiso – er trägt die operative Verantwortung für Gemünden sowie für die Werke Berlin, Vlotho und Föritztal.
„So stellen wir Kunststoff-Flaschen her“: Der Geschäftsführer der gesamten Alpla-Gruppe, Philipp Lehner (rechts), erläutert im Gemündener Werk der Grünen-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Dr. Bettina Hoffmann, die Produktion. Neben ihm Mitarbeiter Alexander Assel sowie in der Mitte der Multi-Plant-Manager Andreas Kiso – er trägt die operative Verantwortung für Gemünden sowie für die Werke Berlin, Vlotho und Föritztal. © Klaus Jungheim

Der weltweit operierende Kunststoff-Verpackungenhersteller Alpla will bis 2025 jährlich mehr als 50 Millionen Euro in den Auf- und Ausbau von Recyclinginfrastrukturen innerhalb der Gruppe investieren.

Gemünden – Ketchup, Senf, Mayonnaise, Mundwasser, Reinigungs- und Spülmittel oder Farben: Produkte aus dem Alltagsgebrauch. Überwiegend abgefüllt in Kunststoff-Flaschen. In der Regel ist dem Konsumenten nicht bekannt, wo diese Kunststoff-Verpackungen hergestellt werden. Beispielsweise in Gemünden. Dort produziert das österreichische Unternehmen Alpla neben 176 weiteren Standorten weltweit Verpackungen aus Kunststoff.

Allein 80 Prozent davon für Nahrungsmittel. Dazu zählen auch medizinische Nahrungsergänzungsmittel. In der Wohrastadt sind rund 130 Frauen und Männer in der Produktion tätig.

Über ihre Arbeit und die Produkte aus Gemünden informierte sich jetzt die Grünen-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Dr. Bettina Hoffmann, während einer Tour durch ihren Wahlkreis Schwalm-Eder/Frankenberg. Sie war von dem Unternehmen Alpla in das Werk eingeladen worden.

Neben einer Produktionsbesichtigung stand besonders der Austausch über die sogenannte Kreislaufwirtschaft im Mittelpunkt des zweistündigen Besuchs. Eine Kreislaufwirtschaft strebt die längst- mögliche Nutzung von Produkten und Rohstoffen an. Heißt: Abfälle sollen durch Wiederverwendung und Reparatur bestehender Produkte vermieden werden. Ist das nicht möglich, werden sie in ihre Rohstoffe zerlegt und diese wiederverwertet.

Dr. Bettina Hoffmann erinnerte in diesem Zusammenhang an die „Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie“, die derzeit in Berlin erarbeitet werde. Sie lud die Firma Alpla ein, daran mitzuarbeiten. Damit stieß sie bei den Führungskräften auf offene Ohren. Der Geschäftsführer Deutschland, Georg Pescher, unterstrich die Notwendigkeit des Recyclings, „um Ressourcen zu schonen“. Er informierte, dass zwei Kunststoff-Recyclingfirmen in die Alpla-Gruppe übernommen worden seien. Aus dem in Teilen der Bevölkerung vorherrschenden negativen Image der Kunststoff-Hersteller wolle man herauskommen.

Wir müssen von der Wegwerfgesellschaft wegkommen. Gebrauchter Kunststoff ist kein Abfall, sondern Wertstoff für neue Produkte.
„Wir müssen von der Wegwerfgesellschaft wegkommen. Gebrauchter Kunststoff ist kein Abfall, sondern Wertstoff für neue Produkte.“ Georg Pescher, Alpla-Geschäftsführer Deutschland © Klaus Jungheim

Das Angebot einer Mitarbeit, „um zu vernünftigen Lösungen zu kommen“, nahmen die Alpla-Manager gerne an. Wie der CEO (Geschäftsführer) der gesamten Alpla-Gruppe, Philipp Lehner, sprach sich auch Deutschland-Chef Pescher für eine Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft aus: „Wir müssen von der Wegwerfgesellschaft wegkommen. Gebrauchter Kunststoff ist kein Abfall, sondern Wertstoff für neue Produkte. Das reduziert Treibhausgasemissionen um bis zu 90 Prozent.“ Man werde „bis 2025 jährlich mehr als 50 Millionen Euro in den Auf- und Ausbau von Recyclinginfrastrukturen innerhalb der Alpla-Gruppe investieren“.

Das Unternehmen fördere die Verwendung von Altplastik aus dem Gelben Sack bzw. Tonne, so Georg Pescher. Der Geschäftsführer Deutschland richtete einige Forderungen an die Ampel-Regierungskoalition, zum Beispiel „klare politische Rahmenbedingungen. Verpackungen aller Art müssten nach dem CO2-Fußabdruck besteuert werden. Außerdem werden finanzielle Anreize für mehr Recycling-Einsatz benötigt, anstatt Kunststoff-Verpackungen zu benachteiligen“.

Dies unterstrich auch der Geschäftsführer der gesamten Alpla-Gruppe, Philipp Lehner: „Viele Recycler haben es in den vergangenen Corona-Jahren nicht geschafft, weiter zu bestehen. Die Politik muss jetzt entsprechende Investitionsanreize schaffen.“ Die Kostenseite habe sich auch bei den Herstellern von Kunststoff-Verpackungen extrem verändert, so bei Energie, Material und Transport. Daher sei Recycling „eine spannende Aufgabe“. Der Gesetzgeber müsse den Firmen einen höchstmöglichen Stabilitätsrahmen geben, forderte Lehner.

Staatssekretärin Dr. Bettina Hoffmann versicherte den Managern: „Es wird über viele Regelungen nachgedacht. Manches ist auch ein Spagat. Sicher ist aber, dass etwas passieren wird. Ein Anreizsystem ist in Planung, aber darüber wurde noch nicht entschieden. Wir werden mehrere Lösungen über alle Materialien hinaus stärken.“

Die Wahlkreistour führte die Grünen-Bundestagsabgeordnete anschließend nach Frankenberg zum Technischen Hilfswerk. In Frankenau traf sie sich mit Bürgermeister Manuel Steiner, Mitgliedern des Arche-Vereins und der Grünen Liste.

Weltweit wird in 46 Ländern mit 22 100 Mitarbeitern produziert

Die Alpla-Gruppe hat ihren Hauptsitz in Hard am Bodensee in Österreich. Sie wurde im Jahr 1955 als „Alpenplastik Lehner Alwin GmbH“ gegründet.

Am 1. Januar 2021 übernahm Philipp Lehner von seinem Vater Günther Lehner die Position des CEO (Geschäftsführer) des gesamten Kunststoff-Verpackungenherstellers.

Die Alpla-Gruppe beschäftigt weltweit in 46 Ländern an 177 Produktionsstandorten rund 22 100 Mitarbeiter. Der im vorigen Jahr erzielte Gesamtumsatz betrug vier Milliarden Euro. Kunststoff-Verpackungen und Verschlüsse werden in Deutschland an 13 Standorten mit 1300 Mitarbeitern hergestellt. Umsatz im vorigen Jahr hier: 400 Millionen Euro.

Der Anteil des Gemündener Werks daran mit seinen 130 Mitarbeitern im Drei-Schicht-Betrieb betrug 30 Millionen Euro. Inzwischen werden die Produkte zum Teil auch selbst bedruckt. In der Wohrastadt ist Alpla seit den späten 1970er-Jahren tätig.

Gemünden wird zum „Kompetenzzentrum“

Bei der Produktion der Kunststoff-Verpackungen herrscht auch im Standort Gemünden ein sehr hoher Hygienestandard. Das Werk in der Wohrastadt wurde jetzt zum „Alpla-Kompetenzzentrum“ erkoren. Dazu Multi-Plant-Manager Andreas Kiso: „Wir werden in Gemünden innerhalb unserer Gruppe den ersten Kanister-Hub für Deutschland errichten. Das bedeutet, dass wir in Maschinen investieren, die 5-Liter-, 10-Liter- und 20-Liter-Stapelkanister herstellen können.“

Andreas Kiso trägt innerhalb der Alpla-Gruppe die operative Verantwortung für den Standort Gemünden sowie für die Werke Berlin, Vlotho und Föritztal.

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