100 Jahre

Wohratalbahn: Mit der abgebauten Nebenbahn verbinden sich viele Erinnerungen

Feierliche Streckeneröffnung: Vor 100 Jahren wurde mit Stolz und großen Hoffnungen die Strecke der Wohratalbahn zwischen Kirchhain und Gemünden, hier ein historisches Foto der Eisabahnfreunde Kirchhain, in Betrieb genommen. Foto: Repro Völker

Gemünden. Das Jahr 1914 begann für das Frankenberger Land eigentlich so hoffnungsvoll: Am 1. Mai 1914 wurde am Bahnhof Gemünden der Eröffnungszug der Wohratalbahn, die dem strukturschwachen Raum den Aufschwung bringen sollte, mit der Aufschrift „Gott grüße dich, Wohratal“ willkommen geheißen.

Nach Fertigstellung der Eder-Talsperre, für 25 Millionen Goldmark von Ingenieuren und vielen hundert Arbeitern errichtet, sollte im Herbst ihre Einweihung erfolgen. Doch der Erste Weltkrieg veränderte die Lage schlagartig.

Jahrelange Überlegungen, ja sogar gleisbautechnische Vorbereitungen, von Gemünden eine Eisenbahnlinie über Haina oder Löhlbach nach Frankenberg zu bauen, waren durch den Krieg plötzlich endgültig gescheitert.

Schon bei der Planung hatte das preußische Kriegsministerium die 1911 eröffnete Nebenbahn Zimmersrode-Gemünden („Kellerwaldbahn“) und ihre Weiterführung Gemünden-Kirchhain ab 1914 („Wohratalbahn“) für den Militärdurchgangsverkehr mit speziellen Gleiskapazitäten ausrüsten lassen - dafür war nun Ernstfallbedarf.

In den folgenden Jahrzehnten war die Wohra- und Kellerwald-Region eng mit ihrer 43 Kilometer langen Nebenbahn verbunden. Bis zu 90 Leute arbeiteten zeitweilig im Bahnbetrieb, inklusive Lokschuppen, und täglich verkehrten maximal 14 Personenzüge und sechs Güterzüge.

Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn und ihr Rückzug aus der Fläche führten am 27. Mai 1972 zur Einstellung des Personenverkehrs, am 19. Dezember 1980 fuhr der letzte Güterzug. Gleise und Bauwerke entlang der Trasse baute man bis 1984 endgültig ab.

Und doch blieben überall Spuren im Gelände, aber auch in der kollektiven Erinnerung zurück.

Und nicht nur das: Der großzügig mit neobarockem Empfangsgebäude und Güterschuppen angelegte Gemündener Bahnhof schreibt weiter Erfolgsgeschichte, die weit über die Region ausstrahlt. Mehr dazu lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Von Karl-Hermann Völker

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