Sänger von "Adam und die Micky`s" wohnte in Gemünden

Karnevalsstar Dieter Adam gestorben:  "Runkelroiwweroppmaschin" war sein Hit

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Dieter Adam im Dezember 2017 in seiner Wohnung in Gemünden: Schon damals konnte er sich nur mit einem Sprachcomputer verständigen, nachdem er an Kehlkopfkrebs erkrankt war.

Der Karneval war sein Leben, die „Runkelroiwweroppmaschin“ sein größter Hit: Musiker Dieter Adam ist mit 77 Jahren in Gemünden gestorben.

Der gebürtige Hanauer war Namensgeber für „Adam und die Micky’s“, eine der bekanntesten Kapellen in hessischer Mundart. 

„Ich kann nie wieder essen, trinken oder sprechen“, hatte Dieter Adam der HNA gesagt, als wir ihn im Dezember 2017 in Gemünden besuchten. Und „gesagt“ meint: Er hat es er mithilfe eines Sprachcomputers erklärt. Denn sprechen konnte Dieter Adam damals schon nicht mehr. Er verlor seine Stimme, nachdem 2013 bei ihm Kehlkopfkrebs diagnostiziert und operiert wurde. Eine schlimme Nachricht für einen, der sein Leben lang gesungen hat. Mit 77 Jahren ist Dieter Adam nun am 20. Februar an den Folgen seiner schweren Erkrankung gestorben.

„2014 war ich praktisch tot“, berichtete er der HNA bei dem Besuch 2017. „Aber ich wollte nicht sterben.“ Stattdessen schrieb er wieder mehr Bücher. Zum Beispiel das Begleitwerk zu seiner neuesten CD, einer überarbeiteten Version seines „Hessischen Atzventzkalennerbichelche“ und seine Biografie.

Und der 77-Jährige hatte viel zu berichten aus seinem bewegten Leben. Geboren wurde Dieter Adam am 16. Mai 1941 in Hanau. Er machte eine Banklehre, war bis 1980 Zweigstellenleiter. „Da hatte ich herzlich wenig zu tun. Also schrieb ich aus Langeweile eine Art hessisches Musical, in dem ich etliche meiner bereits durch Schallplatten und Funk bekannten Lieder verbriet“, schrieb er auf seiner Homepage www.musikadam.de.

„Adam und die Micky’s“ in der Besetzung von 1973 bis 2000: (von links) Dieter Adam, Wolfgang Sokolowski und Norbert Lehr. Das Foto entstand Mitte der Neunziger. 

Musik hatte er schon als Kind gemacht, mit 16 war er Organist und Chorleiter an der Hanauer St. Josefskirche, mit 18 Pianist und Sänger der Tanzkapelle Daiana. 1969 wurde „Adam und die Micky’s“ gegründet. Ihre Spezialität: Welthits von Frank Sinatra, Boney M. oder Vicky Leandros auf Hessisch umtexten.

Und spätestens mit der „Runkelroiweroppmaschin“, die 1990 erschien, gehörte Dieter Adam zu jeder hessischen Karnevalsparty. Zuschauer des HR wählten das Lied 2008 zum beliebtesten hessischen Fastnachtslied.

Dieter Adam 2009 bei einem Gemeindenachmittag in Grüsen.

Nach Gemünden zog Dieter Adam 2004 – dort lebt seine Tochter. Auch in der Bunstruth trat er als Musiker bei Gemeindenachmittagen und im Karneval auf. „2005 habe ich es Rosenmontag mal mit einer Büttenrede versucht. Kein Mensch hat es verstanden. Tags zuvor haben die Leute in Frankfurt gewiehert, hier gab es verständnislose Gesichter. Die Leute sprechen meine Sprache nicht“, erzählte er der HNA.

Doch die Gemündener wussten, welche Karnevalsgröße in ihrer Stadt wohnte: Als am Freitag Friedhelm Käufler, ein Urgestein des Gemündener Karnevals, in der Redaktion war, sagte er betroffen: „Haben Sie schon gehört? Dieter Adam ist gestorben.“

Und als hätte sich Dieter Adam diesen Termin ausgesucht: Seine Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet am Karnevalssamstag, 2. März, in Gemünden statt.

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