Alternativstandort nicht mehr nötig

Kein Umzug ins Geka-Werk: Flüchtlinge verlassen trotzdem Kulturhalle in Gemünden 

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Soll bis Ende März geräumt werden: Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Sport- und Kulturhalle in Gemünden.

Gemünden. Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gemünden, die sich in der Sport- und Kulturhalle befindet, wird in den kommenden Wochen abgebaut.

Die Asylsuchenden werden in andere Einrichtungen in Hessen außerhalb Gemündens umziehen - der von Bürgermeister Gleim angebotene Alternativstandort auf dem Gelände der früheren Geka-Werke in Gemünden wird vom Land für die Unterbringung von Asylsuchenden nämlich nicht benötigt.

Zur dieser überraschenden Kehrtwende sagte Nick Pietzonka, Sprecher des Hessischen Finanzministeriums auf HNA-Anfrage: „Die Geka-Werke sind aus logistischen Gründen nicht geeignet, es werden größere Erstaufnahmeeinrichtungen benötigt."

Mit dieser Entwicklung hatte in Gemünden wohl kaum jemand gerechnet. Ein Umzug der Asylsuchenden aus der Sport- und Kulturhalle in einige der früheren Geka-Gebäude war von der Gemündener Bevölkerung und von den politischen Gremien bereits abgesegnet worden.

Nun hat das Land Hessen also "Nein" zum geplanten Umzug gesagt. Begründung: In den Geka-Werken könne man nur 260 Asylsuchende unterbringen. Man konzentriere sich aber darauf, Erstaufnahmeeinrichtungen zu schaffen, in denen 500 Flüchtlinge oder mehr Platz finden. Also nicht mehr in Gemünden.

Dass die Gemündener in den nächsten Wochen nun aber trotzdem ihre Sport- und Kulturhalle zur eigenen Nutzung zurückbekommen, hat mehrere Gründe. Zum einen sind derzeit viele Erstaufnahmeeinrichtungen in Hessen nicht ausgelastet. „Wir haben Kapazitäten frei und werden daher Sporthallen räumen“, sagte Nick Pietzonka, Sprecher des Hessischen Finanzministeriums auf HNA-Anfrage. 

Mit Blick auf Gemünden betonte er: „Die Räumung der Sport- und Kulturhalle wird in dem Zeitraum passieren, den es benötigt hätte, um die Geka-Werke als Alternativstandort herrichten zu lassen.“ Heißt: Bis Ende März ziehen die Flüchtlinge aus. Dieses Datum war mit Blick auf die zunächst geplante Herrichtung der Geka-Hallen für Flüchtlinge stets genannt worden.

Ein anderer Grund für die bevorstehende Räumung der Sport- und Kulturhalle ist, dass der Magistrat um Bürgermeister Frank Gleim nach der Absage zum Alternativstandort in den zurückliegenden Stunden Druck auf das Land Hessen ausgeübt hat. Am Freitagmorgen bat Gleim zu einem Pressegespräch. Auch die Magistratsmitglieder Hans-Dieter Gießing, Markus Bornmann und Erhard Christ waren dabei.

Tenor im Magistrat: Ein Fortbestand der Erstaufnahmeeinrichtung in der Sport- und Kulturhalle könne wegen der Absage des Landes zum geplanten Alternativstandort nun definitiv niemandem mehr in Gemünden vermittelt werden. „Da setzt sich der Bürgermeister für eine andere Lösung ein, das Land befürwortet diese erst, sagt am Ende aber doch ab. Nun muss das Land in die Pflicht genommen werden, es muss seine Versprechungen wahrmachen und die mit Flüchtlingen belegten Sporthallen räumen“, so Bornmann.

Hans-Dieter Gießing betonte, dass nicht nur in Waldeck-Frankenberg, sondern auch in den Kreisen Marburg-Biedenkopf und Schwalm-Eder zuletzt Kapazitäten für Flüchtlinge geschaffen worden seien, diese aber noch nicht belegt wurden. „Wie soll man den Gemündenern dann erklären, warum sie ihre Sport- und Kulturhalle nicht nutzen dürfen?“, fragte Gießing.

Darauf angesprochen, sagte Ministeriums-Sprecher Pietzonka am Freitagmittag der HNA: „Wo genau die Flüchtlinge aus der Sport- und Kulturhalle nach dem Umzug außerhalb von Gemünden untergebracht werden, kann noch nicht gesagt werden. Fest steht aber, dass die Halle im genannten Zeitraum geräumt wird.“

Einen Kommentar zur geplanten Räumung der aktuell mit Flüchtlingen belegten Sport- und Kulturhalle in Gemünden lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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