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Tag der Nachhaltigkeit - Beispiel Gemünden: Freibad wird mit Alpla-Abwärme beheizt

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Von: Klaus Jungheim

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Im Freibad von Gemünden können Besucher in ca. 25 Grad warmem Wasser ihre Bahnen ziehen. Das Wasser der Freizeiteinrichtung wird seit dem Jahr 2010 durch Maschinenabwärme der Firma Alpla beheizt. Archiv
Im Freibad von Gemünden können Besucher in ca. 25 Grad warmem Wasser ihre Bahnen ziehen. Das Wasser der Freizeiteinrichtung wird seit dem Jahr 2010 durch Maschinenabwärme der Firma Alpla beheizt. Archiv © Klaus Jungheim

Ein durchschnittlicher Heizölverbrauch in der Freibadsaison von 27 000 Litern belastete viele Jahre die Finanzen der Stadt Gemünden. 2010 war damit Schluss. Denn: Seinerzeit wurde eine Nahwärmeleitung zwischen der Freizeiteinrichtung und der örtlichen Firma Alpla in Betrieb genommen. Warmes Wasser für das Freibad durch Maschinenabwärme dieses Werks.

Gemünden – Am Ortsrand der Wohrastadt produziert das österreichische Unternehmen Alpla neben 176 weiteren Standorten weltweit Verpackungen aus Kunststoff.

Gemündens Bürgermeister Frank Gleim betont, dass es hiermit „neben der monetären Einsparung auch gelungen ist, den CO2-Ausstoß in Höhe von ca. 85 Tonnen pro Jahr zu minimieren“. Die Heizölanlage wurde komplett demontiert. Keine Kosten mehr für diesen Brennstoff und auch keine Schornsteinfegertätigkeiten mehr.

Die Idee

Wie war es bereits vor zwölf Jahren dazu gekommen, ein derart vorbildliches und richtungsweisendes Projekt zu starten? Es hatte am Jahresanfang 2010 einen gemeinsamen Besprechungstermin gegeben, an dem der damalige Geschäftsführer der Firma Alpla in Gemünden, Holger Kaiser, und Bürgermeister Gleim teilnahmen. Sie erörterten Möglichkeiten, energetisch die Maschinenwärme des Unternehmens effektiver und umweltfreundlicher zu nutzen. Dabei spielte die geographische Nähe des städtischen Freibades eine große Rolle.

Es ist gelungen, den CO2-Ausstoß in Höhe von ca. 85 Tonnen pro Jahr zu minimieren.
Frank Gleim, Bürgermeister von Gemünden: Es ist gelungen, den CO2-Ausstoß in Höhe von ca. 85 Tonnen pro Jahr zu minimieren. © nh

Die Lösung war schnell gefunden: Wärme im Sommer für das Freibad, Wärme im Winter für die Raumheizung der Firma Alpla – und kein unnötiges Verdampfen von Frischwasser für Kühlungsprozesse wurde für alle Beteiligten ein Gewinn. Die Stadt Gemünden hatte damals die Investitionskosten der Nahwärmeleitung übernommen. Höhe: 200 000 Euro.

Direkte Wärmekosten für die Kommune werden nicht erhoben. Von dem Prinzip profitieren beide Seiten, und dieses steht im Einklang mit Umwelt- und Klimazielen beider Partner.

Die Feinabstimmung

Dieses Prinzip läuft seit zwölf Jahren. Laut Bürgermeister Frank Gleim „gab und gibt es keine Probleme mit dieser Art der Versorgung von Wärme über ein Nahwärmesystem“. Die Wärmelieferung sei natürlich abhängig vom Produktionsprozess bei der Firma Alpla. Wenn die Maschinen aufgrund von Wartungsarbeiten oder betriebsfreien Tagen stehen, „kann die Wärme in gewohnter Form nicht geliefert werden. Derartige Einschränkungen werden zwischen Alpla und der Stadt im Vorfeld abgestimmt. Hier werden dann mit verschiedenen Steuerungen die bestmöglichen Wärmeversorgungen für das Freibad unternommen. Es kann jedoch auch an ein oder zwei Tagen dann mal zu etwas geringeren Wassertemperaturen kommen“, beschreibt der Verwaltungschef.

Der Heizprozess

Spannend ist die Frage: Wie läuft der Heizprozess technisch ab? Antwort: Im Technikraum des Freibades steht ein sogenannter Wärmetauscher. Zwischen der Firma Alpla und dem Freibad verläuft eine Nahwärmeleitung mit einem Vor- und einem Rücklauf. In dieser Leitung läuft das durch den Maschinenkühlprozess erwärmte Wasser bis zu dem Wärmetauscher im Technikraum des Freibades. Die Wärme wird mittels Wärmetauscher an den separaten Wasserkreislauf des Freibades übertragen. Der nun erwärmte Wasserkreislauf des Freibades versorgt über die vorhandene Schwimmbadtechnik seine Becken mit dem warmen Wasser.

Nach zwölf Jahren bewerten die Stadt Gemünden und die Firma Alpla diese Form der nachhaltigen Zusammenarbeit positiv. Bürgermeister Frank Gleim: „Ein tolles und gelungenes Projekt zwischen den beiden Partnern. Die Zusammenarbeit läuft hervorragend“ – nicht nur in diesem Projekt, sondern auch generell.

Weitere Projekte

Denn: Alpla und die Stadt Gemünden arbeiteten in den zurückliegenden Jahren bereits in vielen Bereichen der Nachhaltigkeit zusammen. Neben dem Freibad-Nahwärmeprojekt ist man gemeinsam bei Renaturierungs- bzw. Gewässerschutzmaßnahmen in der Gemarkung umfangreich aktiv. Gleim: „Dies findet sehr großes Lob bei den zuständigen Behörden.“

Holz aus dem Stadtwald für Hackschnitzelanlage

Neben der Nahwärmeleitung zwischen dem Gemündener Freibad und der örtlichen Firma Alpla existiert in der Wohrastadt ein großes Nahwärmenetz, gespeist mit einer Hackschnitzelanlage. Sie wurde im Jahr 2015 in Betrieb genommen.

Schule, Sporthallen, Rathaus, Bürgerhaus, Kindergärten, Mietshaus und Seniorenheim werden von dem Holzhackschnitzel-Heizwerk an der Turnhalle Dietrichskehle mit Wärme versorgt. Die versorgten Liegenschaften befinden sich auf einer Leitungstrassenlänge von rund 1,3 Kilometern.

Die mit ausschlaggebende Voraussetzung des Projektes war, dass die Partner Landkreis, Stadt und Kreisverband Frankenberg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die in ihrem Eigentum stehenden Liegenschaften an die zentrale Versorgung mit anbinden wollten. Dies langfristig betrachtet und nicht an dem tagegenauen Heizölpreis orientiert. Im Zuge des Projektes konnten noch weitere private Anschlussnehmer gefunden werden, so eine Gaststätte, mehrere private Wohnhäuser und Gewerbetreibende. Derzeit laufen Gespräche über Anschlussmöglichkeiten weiterer Interessenten.

„Alle nun versorgten Abnehmer erzeugten zuvor ihren Wärmebedarf mit Heizöl. Jetzt werden jährlich rund 1200 Kubikmeter Holzhackschnitzel verbraucht. Dies zum großen Anteil durch Zurverfügungstellung des Holzmaterials aus dem Stadtwald Gemünden selbst“, unterstreicht Gemündens Bürgermeister Frank Gleim.

Das Nahwärmenetz läuft als sogenanntes Contracting-Modell. Das heißt, die Investition – rund 1,1 Millionen Euro – und die Umsetzung hat ein Projektpartner inne: die M&V Wärme Contracting GmbH & Co. KG. Ihr gehören der Maschinenring Waldeck-Frankenberg, die Firma Veltum, die Energie Waldeck-Frankenberg und die Energie-Gesellschaft Frankenberg an.

Die M&V baute und betreut das Heizwerk und das Leitungsnetz. Die Kunden müssen nur für die Hausanschlüsse sorgen – in der Regel zwischen 500 und 2000 Euro – und sie zahlen einen Grundpreis und einen Verbrauchspreis. Fazit von Bürgermeister Gleim: „Ein gelungenes Gemeinschaftsprojekt mit einer klimaschonenden sowie regionalen und lokalen Lösung.“

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