Mitarbeiter befürchten, dass Besucher Coronavirus einschleppen könnten

Lockerungen für Seniorenheime sorgen nicht überall für Begeisterung

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Alternative zur Begegnung im Seniorenwohnheim: Oswald und Anneliese Bredow sehen sich am Zaun eines Pflegeheims in Kassel. Pflegerin Nadin Nieber hat die Seniorin die Einfahrt hochgeschoben. 

Gemünden/Sachsenhausen – Besuche in Pflegeheimen sollen ab Montag wieder möglich sein. Ein Mal pro Woche sollen Bewohner eine Bezugsperson empfangen dürfen. Diese Nachricht sorgt aber nicht überall für Begeisterung. Beispielsweise in Gemünden und Waldeck-Sachsenhausen.

Die leichte Lockerung für den Besuch in Pflegeheimen stößt bei der Leitung und den Mitarbeitern der DRK-Seniorenzentren in Gemünden und Waldeck-Sachsenhausen auf strikte Ablehnung.

Deren gemeinsame Einrichtungsleiterin Sabine Patounis wies auf HNA-Anfrage darauf hin, dass „ab kommender Woche durch Besucher die große Gefahr besteht, dass das Coronavirus in unsere Pflegeeinrichtungen eingeschleppt werden könnte“. Damit würde die ganze Arbeit der vergangenen sechs Wochen auf einen Schlag zunichte gemacht.

Sabine Patounis betonte, dass die Mitarbeiter mit ihrem Einsatz bis weit über die Schmerzgrenze dafür gesorgt hätten, dass sich in diesen beiden voll belegten Seniorenzentren des Deutschen Roten Kreuzes bislang niemand mit dem Coronavirus angesteckt habe.

In Gemünden und in Waldeck-Sachsenhausen leben insgesamt 120 Senioren. Um sie kümmern sich insgesamt 150 Mitarbeiter.

Die Einrichtungsleiterin würdigte in diesem Zusammenhang neben dem hohen Einsatz auch die eiserne Disziplin des gesamten Betreuungsteams, „damit keiner krank wird“.

Dass es bei den Angehörigen das Bedürfnis gebe, ihre im Heim lebenden Angehörigen besuchen zu können, dafür hat Sabine Patounis prinzipiell Verständnis. Kontakte habe es aber immer wieder gegeben. Zum Beispiel außerhalb der Gebäude am Grundstückszaun, auch Video-Telefonie per Tablet werde gerne geführt.

Trotz allem Verständnis hält sie aber dagegen: „Eine solche Sehnsucht kann es nicht rechtfertigen, das bislang Erreichte jetzt zu gefährden. Zumal die aktuelle Reproduktionszahl zwischen 0,9 und 1,0 viel zu hoch ist. Wären wir bei 0,5, sähe es schon besser aus. Aber da sind wir noch lange nicht.“

Daher hat die Einrichtungsleiterin ein Schreiben an die Angehörigen formuliert. Darin führt sie ihre Gegenargumente und die plötzliche Gefahr für die betagten Heimbewohner auf. Sabine Patounis bittet die Angehörigen händeringend, von Besuchen weiterhin abzusehen.

Gegenüber der HNA unterstrich sie: „Ansonsten besteht die große Gefahr, dass unsere Arbeit kurzerhand zunichte gemacht wird. Das Virus könnte dann doch bei uns eingeschleppt werden – und erste Corona-bedingte Tote könnten die Folge sein. Welcher Angehörige möchte das verantworten?“

Sollte die geplante Besuchs-Lockerung vom Land Hessen nicht wieder zurückgenommen werden: Wie setzen die DRK-Seniorenzentren in Gemünden und Waldeck-Sachsenhausen das um?

Sabine Patounis: „Ein entsprechendes Hygienekonzept gibt es bei uns schon lange. Desinfektionsmittel gehören zum Standard. Das Tragen von OP-Masken und das Einhalten des Mindestabstands sind selbstverständlich.“

Für Besuche werde man eigene Räumlichkeiten mit einer angemessenen Größe einrichten. Darin sollen Tische vorhanden sein, an denen jeweils zwei Stühle mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand aufgestellt werden. Maximal vier Besucher auf einmal könnten dann für eine Stunde ihre Angehörigen treffen.

Dass diese Besuche die Heime vor personelle Probleme stellen werden, ist programmiert. Sabine Patounis: „Ich verfüge doch nicht über einen Security-Dienst.“

Es sei sehr schwierig „für uns, die Besuchsregelung angemessen personell umzusetzen. Unser Personal ist nämlich nur für jeweils 60 Bewohner vorhanden und nicht auch noch einmal für dieselbe Anzahl von Besuchern, die dann auch noch in den Besucherbereich gebracht werden müssen.“

Leider habe die Politik das Ganze nicht zu Ende gedacht. Die Einrichtungsleiterin: „Da sind wir vom Roten Kreuz uns alle einig. Übrigens auch die Kollegen aus den Nachbarlandkreisen.“

Besucher sollen sich anmelden

Damit nicht zu viele Besucher auf einmal die Heime betreten, sollen sie sich vorher bei den jeweiligen Verwaltungen in Gemünden und Waldeck-Sachsenhausen anmelden.

Einrichtungsleiterin Sabine Patounis verwies auf die geltende Besuchsregelung in ihrem Konzept: Besuche seien montags bis donnerstags zwischen 10 und 16 Uhr und freitags zwischen 10 und 14 Uhr möglich. Dieses Prinzip liege dann in den Händen der Verwaltung, „denn die Regulierung der Besuche ist nur durch die Verwaltung zu leisten“, unterstrich Einrichtungsleiterin Patounis.

VON KLAUS JUNGHEIM

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