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Bluttat in Gemünden: LKA untersucht auch Schüsse der Polizei

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Von: Jörg Paulus

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In Gemünden ist eine Straße mit einem rot-weißen Banner abgesperrt, darauf steht „Polizeiabsperrung“. Dahinter sind in einiger Entfernung drei Polizisten und ein Einsatzfahrzeug zu erkennen.
In Gemünden wurde am 1. Februar 2022 eine Frau erstochen, Tatverdächtiger ist ihr Ehemann, der Stunden nach der Tat selbst an seinen Verletzungen gestorben ist. Das © Kira Müller

In Gemünden ersticht ein Mann seine Ehefrau. Er selbst stirbt später im Krankenhaus – Todesursache bisher unklar. Auch gegen die Polizei wird ermittelt.

Gemünden/Wohra – Eine Woche nach der Bluttat in Gemünden/Wohra mit zwei Toten sind die Hintergründe und Todesumstände noch nicht vollständig aufgeklärt. Ein Mann hatte seine Frau erstochen und war später selbst gestorben. Es wird auch gegen zwei Polizisten ermittelt. Am Dienstag, 1. Februar 2022, war in Gemünden/Wohra im Landkreis Waldeck-Frankenberg eine 41 Jahre alte Frau in einem Wohnhaus durch Messerstiche getötet worden, ihr 43-jähriger Ehemann, der als Tatverdächtiger gilt, starb später im Krankenhaus. Er hatte sich selbst verletzt, war aber auch von der Polizei angeschossen worden.

Wie Staatsanwalt Timo Ide am Montag (07.02.2022) auf Nachfrage unserer Zeitung berichtete, wurden die beiden Leichen vergangene Woche durch die Rechtsmedizin obduziert. Die Frau habe eine Vielzahl an Schnitt- und Stichverletzungen gehabt, die „todesursächlich“ waren, berichtete Ide.

Nach wie vor gilt der Ehemann als Tatverdächtiger: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand gehen wir davon aus, dass der Mann auf seine Frau eingestochen hatte. Es gibt keine belastbaren Anhaltspunkte, dass ein Dritter oder die Frau selbst es getan hat“, erläuterte Ide. Die Hintergründe der Tat seien aber noch nicht aufgeklärt. Die Ermittler gehen nach wie vor davon aus, dass das Motiv im familiären Bereich liegt. Es stünden aber noch einige Vernehmungen von Familienmitgliedern aus. Das Paar hatte drei Kinder.

Bürgermeister Gemünden: Die Ortsansässigen sind „entsetzt und erschrocken“

Gemündens Bürgermeister Frank Gleim berichtete, dass die Menschen im Ort, mit denen er gesprochen habe, „entsetzt und erschrocken sind, dass so etwas hier bei uns vor der Tür passiert ist“. „Das kennt man eigentlich nur aus dem Fernsehen.“ Die Tat habe großes Bedauern ausgelöst. „Unsere Gedanken sind bei den Familienangehörigen“, sagte Gleim.

Staatsanwalt Timo Ide berichtete von der Obduktion des Mannes am vergangenen Donnerstag: Sie habe ergeben, dass der 43-Jährige verblutet ist. Der Mann habe mehrere Schnitt- und Stichverletzungen im Bauch gehabt, die er sich nach derzeitigem Erkenntnissen der Ermittler selbst zugeführt habe. Der Mann hat sich also offenbar selbst verletzt, nachdem er seine Frau umgebracht hatte. Eine Aorta im Bauchbereich sei verletzt worden, was zu „massivem Blutverlust“ geführt habe.

Gemünden: Schussabgabe der Polizei gibt Rätsel auf

Einige offene Fragen gibt es noch zu der Schussabgabe durch die Polizisten vor Ort: Wie berichtet, hatte die Polizei am Tatort auf den Tatverdächtigen geschossen. „Möglicherweise gab es mehrere Schüsse“, sagte Ide. Dadurch habe der 43-Jährige eine Schussverletzung in der rechten Schulter erlitten, habe die Obduktion ergeben. Ob diese Schussverletzung Auswirkungen für den Tod des Mannes hatte, sei aber noch nicht zu hundert Prozent geklärt, dafür seien „weitere umfangreiche medizinische Untersuchungen“ nötig.

Nach bisheriger Aktenlage sei der Mann verletzt in den Rettungswagen gebracht worden. Er sei dann aber selbst ausgestiegen und ein paar Meter durch die Straße gelaufen, ehe er zusammenbrach. Ein Video, das aus einem Nachbarhaus aufgenommen wurde und das der HNA vorliegt, zeigt, wie ein kaum bekleideter Mann über die Straße läuft – am Arm zieht er eine Verbandsbinde hinter sich her.

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Schüsse in Gemünden: LKA ermittelt auch gegen zwei Polizisten

Ob die Schüsse davor oder danach fielen, ist nicht bekannt. Der genaue Ablauf müsse noch ermittelt werden, sagte Ide: „Wir gehen derzeit davon aus, dass der Mann mit einem Messer auf die Polizeibeamten zulief.“ Es seien vier Polizeibeamte vor Ort gewesen, das Ermittlungsverfahren wegen des Schusswaffengebrauchs laufe gegen zwei von ihnen, berichtete der Staatsanwalt. Die beiden Beamten hätten sich bisher nicht zu der Sache geäußert. Um unabhängig zu ermitteln, sei das Landeskriminalamt für den Fall zuständig. Es müssten Zeugen befragt und kriminaltechnische Untersuchungen durchgeführt werden, das Verfahren werde sicherlich drei bis vier Monate dauern. „Da kommt es auf Details an“, sagte Ide. (Jörg Paulus)

Mord innerhalb engster Beziehungen ist dabei keine Seltenheit, wie aus einer aktuellen Statistik hervorgeht: Demnach hatten 27 Prozent der Opfer von Mord, Totschlag oder Tötung auf Verlangen im Jahr 2020 in Deutschland eine persönliche oder verwandtschaftliche Beziehung zum Täter – dazu zählen Ehe, Partnerschaft und familiäre Beziehungen. Auch im Falle eines 77-Jährigen aus Breuna-Wolfhagen war das Tatopfer seine eigene Ehefrau. Der Witwer muss sich nun vor Gericht verantworten. (Jörg Paulus)

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